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Sütterlin-Waack : "Ich bin keine Königsmörderin"

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Erst unterlag sie Jost de Jager um die Kandidatur für den Bundestag im Wahlkreis Schleswig-Flensburg, jetzt ist sie doch wieder die Nummer 1: Sabine Sütterlin-Waack.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2013 | 10:02 Uhr

Frau Sütterlin-Waack, wie geht es Ihnen nach dieser Woche?
Es war schon anstrengend und nervenaufreibend. Denn ich war ordentlich geschockt über den Rücktritt von Jost de Jager.
Haben Sie denn schon mit ihm persönlich gesprochen?
Nein.
Haben Sie Verständnis für seinen Rücktritt?
Ja, außerordentlich - obwohl er natürlich die CDU in Schleswig-Holstein in eine schwierige Lage gebracht hat...
...aber Sie müssten sich doch freuen. Durch de Jagers Rückzug aus der Politik können Sie doch jetzt für ihn im Wahlkreis Schleswig-Flensburg für den Bundestag kandidieren.
Das sehen sicher viele so, aber glauben Sie mir, ich denke anders. Ich hatte mich damit abgefunden, dass ich nicht für den Bundestag kandidiere. Und zum Jahreswechsel habe ich mir alles mögliche gewünscht, aber bestimmt nicht, dass es so kommt, wie es jetzt gekommen ist. Von Herrn de Jagers Rücktritt wurde ich völlig überrascht. Ich habe dann ein paar Stunden gebraucht, mich dann aber doch entschlossen erneut zu kandidieren, weil sich für mich nichts geändert hat. Ich möchte immer noch den Wahlkreis Schleswig-Flensburg gern im Bundestag vertreten.
Wer hat Sie denn ermuntert?
Na ja, sagen wir so: Ich bin von mehreren Parteifreunden gebeten worden.
Sind Ihre Chancen denn jetzt größer, gewählt zu werden?
Das ist eine schwierige Frage. In der CDU gibt es bestimmt viele, die Jost de Jager aus voller Überzeugung gewählt haben, manche vielleicht auch nur aus übergeordneten Interessen. Ich werde jetzt schauen, dass ich nominiert werde, selbst da bin ich sehr vorsichtig geworden. Wer weiß denn, was noch alles passiert? Am Ende taucht doch noch von irgendwoher ein anderer Kandidat auf.
Ist der Wahlkreis gespalten?
Das würde ich nicht sagen, eher dass er einen kleinen Riss hat. Ich werde versuchen, diesen gemeinsam mit den Vorsitzenden der Kreisverbände zu kitten.
Was für Reaktionen haben Sie auf Ihre erneute Kandidatur bekommen?
Zu 90 Prozent positive. Allerdings gab es auch kritische Stimmen, die mich in den Bereich einer Königsmörderin einordnen. Das bin ich nicht, aber ich bin auch nicht so abgebrüht, als dass ich sage: So ein Vorwurf ist mir völlig egal.
Wie werden Sie Ihren Wahlkampf als zweite Wahl führen?
Ich empfinde mich keineswegs als zweite Wahl, schließlich hat es bei der Nominierung nur ein paar Stimmen Unterschied zwischen mir und Herrn de Jager gegeben. Da hat bestimmt Pech auch ein Rolle gespielt. Nun werde ich sicher einen anderen Wahlkampf führen, als Jost de Jager es getan hätte. Neben Wirtschaftspolitik sind für mich soziale Fragen sehr wichtig. Und ich werde natürlich auch meine kommunalpolitischen Erfahrungen und meine Kenntnis unseres Wahlkreises in meinen Wahlkampf einfließen lassen.
Wie kann denn die CDU in Schleswig-Holstein nun wieder Ruhe finden?
Die CDU muss sich programmatisch und personell erneuern. Sie will es, und es wird ihr gelingen. Dazu müssen wir uns zunächst in Ruhe überlegen, wer den Landesverband führen und einen kann. Ich bin gegen eine Hau-Ruck-Aktion.
Der CDU bleibt ja auch nicht viel anderes übrig - ein Kandidat nach dem anderen sagt ab. Das ist ja ein Armutszeugnis für eine Volkspartei.
Das würde ich so nicht sagen. Wir haben viele geeignete Politiker und Politikerinnen - auch in der zweiten Reihe. Und vielleicht will auch mancher, der jetzt zögernd absagt, einfach noch einmal gefragt werden. Und am Ende könnte uns auch eine Übergangslösung helfen. Aber bevor Sie fragen: Ich habe da keinen persönlichen Favoriten.
Wie muss sich die CDU inhaltlich erneuern?
Der neue Landesvorsitzende muss die Partei programmatisch erneuern und breiter aufstellen. Nur dann kann auch die Opposition im Landtag mit Johannes Callsen an der Spitze wieder schlagkräftiger werden.
Was wünschen Sie Jost de Jager?
Zunächst mal: Persönlich hatte ich mit Jost de Jager nie ein Problem, trotz aller Schwierigkeiten mit den Umständen seiner Kandidatur im Wahlkreis. Er ist nach wie vor einer der besten Köpfe in der CDU, auf den wir nicht ganz verzichten wollen. Ich hoffe, dass er sich persönlich jetzt erst einmal erholt und wünsche ihm, dass er bald beruflich Fuß fassen kann.

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