zur Navigation springen
Schleswig-Holstein

22. Oktober 2017 | 21:22 Uhr

Gitte Hænning : "Ich bin ein Clown"

vom

Gitte Hænning gibt ihren alten Liedern einen neuen Klang. Wir verlosen drei signierte Schallplatten.

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2010 | 04:43 Uhr

Wenn Gitte Hænning, 64, etwas amüsiert, dann lacht sie beim Interview in einem Hamburger Hotel lauthals los. Leidenschaftlich redet die Dänin über ihre Karriere und ihr Album "Was ihr wollt", für das Klassiker wie "Ich will nen Cowboy als Mann" oder "Freu dich bloß nicht zu früh" neu arrangiert wurden. Dazu kommen vier neue Stücke.
Frau Hænning, haben Sie für Ihre CD "Was ihr wollt" die Lieder ausgewählt, die Ihre Fans immer wieder hören möchten?
Ja. Obwohl ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte, wie man meine alten Hits besser machen könnte. Gerade beim "Cowboy" hatte ich Bedenken. Wer hätte die Mutter sprechen sollen? Wer den Vater? Der Arrangeur hat diese Passagen dann einfach weggelassen - und das hat wunderbar funktioniert.
Sie werden in Deutschland bis heute als Schlagersängerin wahrgenommen. Ärgert Sie das?
Man darf da nicht pauschalisieren, denke ich. Viele Menschen kennen und schätzen auch meine Jazzprojekte. Ich selbst würde meine Musik eh nicht Schlager nennen. Dieses Genre hat etwas Biederes, ich finde mich aber kein bisschen bieder. Insofern sehe ich mich mehr als Popsängerin.
Wie war es für Sie, ein Kinderstar zu sein?
Natürlich habe ich damals viel zu viel Aufmerksamkeit gekriegt. Das hat bisweilen Neid geschürt, vor allem in der Schule. Aber ich lernte, damit zu leben. Allerdings wurde ich mit der Zeit etwas zickig. Meine Familie musste mir dann manchmal den Kopf zurechtrücken.
Sie leben seit einigen Jahren in Berlin. Ist diese Stadt ein Stück Heimat für Sie geworden?
Nein. Ich bin eine Reisende, eine Abenteurerin, die meist aus dem Koffer lebt und ihre Träume verwirklichen will. Mit meinem kleinen Jeep fahre ich gern an die dänische Westküste. Die Mächtigkeit der Nordsee fasziniert mich.
Haben Sie noch eine Wohnung in Dänemark?
Ich habe alles verkauft. Sogar meine Mietshäuser, die ich schon als Zwölfjährige hatte. Meine Familie fand das furchtbar. Aber ich wollte nichts mehr besitzen, weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die sich an Materielles klammern.
Und jetzt sind Sie "Heimatlos melancholisch", wie der gleichnamige Song?
Ich bin eine Melancholikerin und genieße das. Melancholie ist für mich Blues, etwas mit einer eigenen Schönheit.
Heißt das, es fällt Ihnen schwer, fröhlich zu sein?
Ich sehe mich als Clown, der das Kind in sich nie vergisst. Und nicht unbedingt alles mitmachen muss, was Erwachsene angeblich tun. Er kann lachen oder weinen, hat eine große emotionale Palette. Diese Vielfalt macht das Leben doch erst interessant.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen