Kommentar : Husumer vor Einsatz

Deutschland kann sich der Beteiligung an internationalen Militäreinsätzen nicht entziehen. Der Schutz türkischer Zivilisten durch die Bundeswehr dient Deutschland, meint Dieter Schulz.

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18. November 2012, 11:16 Uhr

Afghanistan, Djibouti oder die Küste des Libanon - die Bundeswehr ist längst eine Armee im Einsatz. Gegenwärtig sind deutsche Soldaten an zwölf Einsatz-Missionen rund um den Erdball beteiligt, 6761 Männer und Frauen in Uniform dienen Deutschland jenseits der Grenze. Viel spricht dafür, dass schon morgen ein weiterer Einsatz beschlossen wird und bis zu 170 Soldaten an die türkisch-syrische Grenze in Marsch gesetzt werden. Ihre Aufgabe: Schutz des türkischen Luftraums vor syrischen Flugzeugen und fehlgeleiteten Raketen des Assad-Regimes.
Wir dienen Deutschland - so lautet der aktuelle Claim der Bundeswehr und der Schutz türkischer Zivilisten dient wirklich auch Deutschland. Seit kein eiserner Vorhang mehr die Welt klar in Gut und Böse teilt und der 11. September den Terror als neues Feindbild für Militärs definierte, haben sich auch die Aufgaben der Bundeswehr ebenso geändert, wie die Armee selbst. Nicht mehr Wehrpflichtige streifen die Uniform über, sondern Freiwillige, die Dienst an der Waffe leisten. Bundeswehr-Soldaten sind hochqualifizierte Spezialisten, auf die sich im Krisenfall Bündnispartner verlassen. Deshalb ist es richtig, wenn die Bundesregierung kommende Woche auf Anfrage der Nato Luftabwehrverbände in die Türkei entsenden sollte.
Die Angehörigen der Husumer Soldaten oder von deren Kameraden aus anderen Verbänden werden einen solchen Einsatz - genau wie jeden anderen der Bundeswehr vom Balkan bis zum Hindukusch - natürlich mit größter Sorge verfolgen. Und die Politiker sollten wissen, was sie diesen Familien abverlangen und ihre Entscheidungen äußerst verantwortungsbewusst treffen. An der Realität, dass Deutschland sich der Beteiligung an internationalen Militäreinsätzen nicht entziehen kann, kommt im politischen Berlin niemand mehr vorbei.

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