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Festakt auf Schloss Plön : Horst Schrinner ist „Mensch des Jahres 2014“

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Der Neumünsteraner wurde beim Festakt auf Schloss Plön für sein Engagement ausgezeichnet. shz.de mit einem Video.

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erstellt am 11.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Plön | Ein braves Mütterchen und Rilkes Drachen als Metapher – anlässlich der festlichen Auszeichnung zum Menschen des Jahres im prunkvollen Rittersaal auf Schloss Plön zeigte sich der stellvertretende Ministerpräsident Robert Habeck am Mittwoch mit einer ebenso emotionalen wie poetischen Rede als ein würdiger Ersatz für  Torsten Albig. Der Ministerpräsident als eigentlicher Schirmherr war zum Staatsakt für den verstorbenen ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker nach Berlin gereist. „Ehrenamt ist Engagement der Menschen für etwas, das größer ist als sie selbst“, sagte Habeck zu Beginn seines Redebeitrags. Politik könne nicht alles richten, vieles müsse deswegen von der Gesellschaft gerichtet werden. 

16 Kandidaten standen dieses Mal zur Wahl, sie waren zuvor von rund 20.000 Schleswig-Holsteinern – ein neuer Rekord – zu den „Menschen des Jahres“ ihrer Lokalausgabe des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags oder des A. Beig-Verlags gewählt worden. Eine Auszeichnung, bei der es um nicht weniger geht, als um die Würdigung von gesellschaftlichem Engagement, herausragenden Leistungen oder außergewöhnlicher Zivilcourage. Drei der Auserwählten hatten am Mittwoch die Chance, landesweit Mensch des Jahres zu werden: Willy Matzen, Heike Prechel und Horst Schrinner.

In seiner Anmoderation sprach Stephan Richter, Sprecher der Chefredakteure unserer Zeitungen, im Zusammenhang mit der seit 2002 jährlich ausgerichteten Wahl von den „vielen spannenden Geschichten über Menschen, die uns bis heute begleiten“. Jedes Jahr gebe es fast hundert Erzählungen über Ehrenamt und damit verbundene gute Taten in unseren Zeitungen.

 

„Journalisten wird ja von vielen Menschen unterstellt, mit den Mächtigen unter einer Decke zu stecken“, sagte Stefan Hans Kläsener, Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z). Medien hätten aber eine ganz bestimmte Aufgabe: die Gesellschaft zusammen zu halten und über ehrenamtliches Engagement zu berichten. „Sie stehen deshalb heute im Mittelpunkt“ richtete er seine Worte an die anwesenden Kandidaten und Gewinner der Vorjahre, zu denen als Gastgeber der Veranstaltung auch der Unternehmer Günther Fielmann gehörte. Er hat als erster Preisträger 2002 und als Unternehmer und Mäzen im Lande Zeichen gesetzt.

Dann erzählte Robert Habeck die Geschichte vom gebrechlichen Mütterchen, das bedrohliche Wolken herannahen sieht und nach vergeblichen Rufen sein Häuschen anzündet, um das Dorf vor dem Eintreffen einer Sturmflut vom vereisten Meeresufer zu holen und somit vor dem Ertrinken zu retten.

Metaphorisch habe die Frau ihr eigenes Zuhause geopfert und ein Leuchtfeuer gesetzt, um auf die Probleme im Verborgenen aufmerksam zu machen, während die Menschen auf dem dünnen Eis des Wohlergehens abgelenkt von allen Gefahren feierten. „Es ist der Mut des Einzelnen, sich nicht vor Sorgen wegzuducken, der sich hier  in Hilfsbereitschaft verwandelt.“ Damit nicht genug, Habeck zitierte aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke: „Alle Drachen des Lebens sind Prinzessinnen, alles Schreckliche ist Hilfloses, das von uns Hilfe will.“ Der Drache wolle Hilfe und verwandele sich in eine Prinzessin. „Die Ausgezeichneten sind Drachentöter, die den Drachen in eine Prinzessin verwandelt haben.“

Nach diesen hochgeistigen Abhandlungen bereitete eine der drei gelungenen musikalischen Einlagen des Sängers und Gitarristen Tom Klose, der zusammen mit dem Cellisten Niklas Hardt besinnliche Songs spielte, einen passenden Übergang  zu einer kurzen Video-Präsentation der drei Kandidaten und der anschließenden Auszeichnung. Platz drei ging an Willy Matzen aus Schenefeld im Kreis Pinneberg, der einen Treffpunkt für Kinder in einem sozialen Brennpunkt eingerichtet hat. Auf dem zweiten Platz landete Heike Prechel aus Ladelund im Kreis Nordfriesland, die sich erfolgreich für einen Bürgerbus eingesetzt hat. Zum Sieger wurde der Neumünsteraner Horst Schrinner gewählt. Der 73-Jährige organisiert alljährlich zu Weihnachten ein Turmkonzert auf dem Marktplatz und kocht Marmelade ein, um aus den Erlösen für die Kindertafel und Kinder in Not zu spenden. Schrinner sorge mit seinen Konzerten für einen Moment, in dem man inne hält, „um sich auf die Wärme in den Herzen zu besinnen“, sagte Robert Habeck in seiner Laudatio. Schrinners unermüdlicher Einsatz schaffe „Werte in unserer durchökonomisierten Gesellschaft“.

Der Sieger gab sich bodenständig. Er wolle keine lange Rede halten. Es sei ein tolles Gefühl, gewählt zu werden, so Horst Schrinner. Die Veranstaltung Mensch des Jahres könne seinetwegen gern weitergehen. „Aber ich möchte betonen, dass alle, die hier mitgemacht haben, Menschen des Jahres sind. Das ist noch viel wichtiger. Wenn Menschen etwas für andere Menschen tun, dann können wir uns wohlfühlen.“ Nur einen kurzen Gang zum anschließenden Imbiss wollte er nach der Ehrung machen. Ansonsten müsse er schnell nach Hause, sein Dackel sei seit Stunden allein.

Die Videos aller Kandidaten gibt es zum Nachschauen unter: www.shz.de/nachrichten/aktionen/mensch-des-jahres/
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