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Nach Streit um falsch geparktes Auto : Horrortrip auf der A7: Gegen alle wird ermittelt – das sind die Vorwürfe

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach dem Ritt auf einer Motorhaube über die A7 schaltet sich die Staatsanwaltschaft ein. Es drohen harte Strafen.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2016 | 16:29 Uhr

Alt-Mühlendorf | Nach der halsbrecherischen Fahrt eines 28-Jährigen auf der Motorhaube eines Kleinwagens auf der Autobahn 7 ermittelt nun die Kieler Staatsanwaltschaft. „Das war letztlich eine Fahrt mit weitreichenden Folgen“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler am Donnerstag. Seine Behörde ermittelt gegen die 68 Jahre alte Fahrerin, ihren Beifahrer und den Mann auf der Motorhaube wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Auch eine vierte Person steht im Fokus der Staatsanwaltschaft.

Die lebensgefährliche Aktion war die Eskalation eines Streits zwischen Pächtern eines Wohnhauses und einem Mieter um ein falsch geparktes Auto. Die spektakuläre Fahrt auf der Motorhaube hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Wem wird jetzt was vorgeworfen?

Motorhauben-Mann Andreas B.:

Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, weil er auf das Auto gesprungen ist und sich festhalten hat. Nötigung: Er wollte den Corsa nicht vom Grundstück lassen. Sachbeschädigung: Er hat die Frontscheibe des Wagens zertreten. Körperverletzung: Als der Corsa schließlich auf dem Seitenstreifen stoppte, soll er die Fahrerin geschlagen haben.

Corsa-Fahrerin Annegret N.:

Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, weil sie mit einem Menschen auf der Motorhaube gefahren ist. Fahrlässige oder sogar gefährliche Körperverletzung: Sie soll Andreas B. auf dem Grundstück mit dem Auto über den Fuß gefahren sein. Und: Die Behörden prüfen, ob der Führerschein der pensionierten Lehrerin eingezogen wird – wegen „charakterlicher Mängel“.

Beifahrer Ulf Ralfs (62):

 

Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Der Grünen-Politiker soll Annegret N. angewiesen haben, ihren Corsa auf die Autobahn zu lenken und immer schneller zu fahren. Unserer Zeitung sagte er: „Wir konnten ihn erst stoppen, als sie 120 gefahren ist, dann hörte er nämlich auf, sich zu bewegen. So haben wir ihn da kleben lassen.“ Körperverletzung: Auf dem Seitenstreifen soll er Andreas B. zu Boden gerungen haben.

Im Höchstfall drohen den drei Kontrahenten bis zu fünf Jahre Haft.

Weitere Zeugin:

Ermittelt wird auch gegen eine Frau, die die Handgreiflichkeiten auf dem Seitenstreifen sah und anhielt. Sie soll Andreas B. Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben. Oberstaatsanwalt Bieler: „Hier prüfen wir eine mögliche gefährliche Körperverletzung und einen Verstoß gegen das Waffengesetz.“

Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen noch ganz am Anfang. Sicher ist nur: Die Sache hätte für Andreas B. tödlich enden können. Er sagte: „Ich wusste, wenn ich runterfalle, bin ich tot.“ Polizeisprecher Rainer Wetzel: „Nicht auszudenken, wenn der Mann auf der Autobahn von der Motorhaube gestürzt wäre und es auch noch Folgeunfälle gegeben hätte. Das Verhalten der drei war äußerst problematisch.“

Seine komplette Schilderung des Vorfalls erklärt er in diesem Video:

Beifahrer Ulf Ralfs verteidigte die Horror-Fahrt:

Auslöser war ein seit Anfang Anfang des Monats gärender Konflikt zwischen einem Mieter (der Mann auf der Motorhaube) und zwei Pächtern des Wohnhauses in der Gemeinde Warder. Der Mieter soll sein Auto falsch geparkt haben.

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