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Nach HoGeSa-Demo in Köln : „Hooligans gegen Salafisten“: Gibt es sie auch in SH?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Hamburg planen die HoGeSa-Aktivisten bereits eine weitere Demonstration, in Schleswig-Holstein ist der Verfassungsschutz alarmiert.

Köln/Kiel | Nach den Krawallen Tausender Hooligans und Rechtsextremisten in Köln reagiert die Politik bundesweit schockiert. Wer Gewalt in Deutschlands Städte trage, müsse mit allen Mitteln des Rechtsstaats verfolgt und bestraft werden, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gestern. Die nordrhein-westfälische Landesregierung kündigte an, ähnliche Treffen gewaltbereiter Fußballfans künftig verbieten zu lassen. Doch die Demonstration in Köln war wohl erst der Anfang einer Bewegung. Ähnliche Ausschreitungen könnten auch in Schleswig-Holstein Nachahmer finden.

Das sagte ein Sprecher des Verfassungsschutzes dem sh:z. Insbesondere bei Vereinen höherer Fußballligen in Schleswig-Holstein gebe es eine Hooligan-Szene. Zwar hätten die Beamten keine Erkenntnisse über rechtsextremistische Hooligans oder organisierte Verbindungen im Norden, „dennoch ist es nicht auszuschließen, dass einzelne Hooligans sich aufgerufen fühlen könnten, bei sich bietender Gelegenheit gegen Salafisten vorzugehen.“

Der Verfassungsschutz schätzt das Risiko für einen Angriff wie in Köln als gering ein. Die rechtsextreme Szene sei derzeit nicht in der Lage, eigene Demonstrationen gegen Salafisten durchzuführen. Vorstellbar sei es aber, dass Rechtsextremisten den Kampf gegen Salafisten als „Transportmittel für ihre rassistisch motivierte Ausländerfeindlichkeit“ nutzen. Sie könnten sich deshalb – wie in Köln – unter die Hooligans mischen, um sie zu unterstützen.

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) schaut man in Schleswig-Holstein besorgt auf die Ereignisse in Köln auch wenn die Lage hierzulande friedlich sei. „Unsere Polizisten werden auch bei Konflikten in anderen Ländern wie zum Beispiel Hamburg eingesetzt“, sagte Manfred Börner, Vorsitzender der GdP. Für den 15. November sei eine Kundgebung gegen den islamistischen Terror mit Start an der Sternschanze angemeldet worden, bestätigte die Hamburger Polizei am Dienstag.

Die Lage in Schleswig-Holstein ließe sich aktuell nur schwer beurteilen. Kürzlich demonstrierte die kurdische Gemeinde in Lübeck gegen den IS-Terror im Irak. Der friedliche Verlauf der Veranstaltung  mache Hoffnung: „Das ist zumindest ein Indiz dafür, dass es keine militante Szene gibt, die die weltpolitische Lage missbrauchen könnte.“

Der Kieler Politikwissenschaftler Professor Joachim Krause sieht in der Allianz der Hooligans gegen Salafisten den Versuch von Rechtsextremisten, neue Anhänger zu gewinnen: „Das sieht nach strategischer Steuerung aus. Ich hätte nicht erwartet, dass ausgerechnet Hooligans zu Vorreitern im Kampf gegen Salafismus werden.“ Die Ideen würden eher zu Gruppierungen wie pro NRW, Republikanern oder der NPD passen.“ Gerade Gruppen, deren Ansehen durch die Nähe zur kriminellen Szene geschädigt ist, versuchen sich durch den Kampf gegen Salafisten reinzuwaschen“, erklärte Krause.

Das bestätigte Fußball-Forscher Andreas Grau vom Institut für interdisziplinäre Konflikte und Gewaltforschung in Bielefeld. Hooligans sind nicht immer rechtsextrem, aber es gibt viele Überschneidungen mit diesem Milieu“, so Grau. Die Szene sei in den vergangenen Jahren im Stadion weniger präsent gewesen und von der sogenannten Ultra-Bewegung abgelöst worden. „Hier muss man differenzieren: Ultras sind mehr an der Unterstützung der eigenen Fußball-Mannschaft interessiert und weniger an Gewalt orientiert“, sagt der Fan-Forscher.

4800 Teilnehmer waren am Sonntag aus ganz Deutschland nach Köln gereist – offiziell um gegen radikal-islamistische Salafisten zu demonstrieren. Es kam zu Straßenschlachten, bei denen laut Polizei 49 Beamte verletzt und mehrere Polizeiautos demoliert wurden.  Nach Medienberichten wurde die Demonstration von Unterstützern aus dem Neonazi-Milieu mit ausländerfeindlichen Parolen angeheizt.

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erstellt am 28.Okt.2014 | 13:29 Uhr

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