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Flensburger Bahnhof : Helfer, Flüchtlinge, Spender und Reisende – Das sind die Menschen vom Bahnhof

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Seitdem die Flüchtlingskrise Schleswig-Holstein erreicht hat, treffen am Bahnhof in Flensburg unterschiedliche Menschen aufeinander. Wir sind einem kleinen Teil begegnet.

Flensburg | Am Flensburger Bahnhof treffen täglich massenhaft Helfer, Flüchtlinge, Spender und Reisende aufeinander. Das Bild dabei ist immer das gleiche: Ankommende Flüchtlinge werden von wartenden Helfern empfangen und mit dem Notwendigsten aus verschiedenen Spenden versorgt. Dazwischen tummeln sich zahlreiche Reisende. Eine Begegnung mit unterschiedlichen Menschen vom Flensburger Bahnhof.

Immer mehr Flüchtlinge kommen auf Ihrem Weg Richtung Skandinavien nach Flensburg – das bringt die Behörden und ehrenamtlichen Helfer an ihre Grenzen. Zurzeit erreichen stündlich etwa 60 bis 80 neue Flüchtlinge den Bahnhof in Flensburg. Am Samstag kamen insgesamt sogar 2500 durchreisende Flüchtlinge am Bahnhof an.

 

Ronja Kötter: „Wie in einer großen Familie“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Am Info-Point mitten in der Bahnhofshalle steht Ronja Kötter. „Generell herrscht unter allen ein super Zusammenhalt – wie in einer großen Familie. Für mich ist es immer schön, hierher zu kommen. Ich helfe gerne, weil man den Menschen etwas zurückgeben kann, denen es in ihrem Heimatland nicht so gut geht“, erzählt die 22-Jährige. „Alleine die strahlenden Kinderaugen oder ein Kinderlachen sind für mich ein Grund, am Bahnhof zu helfen.“

Mahmoud El Ammar: „Flensburg zeigt hier Herz“

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Foto: Benjamin Springstrow

Adnam Mahmoda Khalaf (links) ist 37 Jahre alt und selbstständiger Friseur in Flensburg: „Heute ist mein erster Tag am Bahnhof – ich finde es gut hier. Ich will gerne Menschen helfen.“ Für den Flensburger Bundeswehrsoldaten Mahmoud El Ammar (rechts) ist die Situation am Bahnhof „sehr organisiert“. „Flensburg zeigt hier Herz“, sagt der 26-jährige Helfer.

Nouri Al-Suliman: „Ich bin seit sechs Tagen in Deutschland“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Nouri Al-Suliman ist von Syrien nach Deutschland geflüchtet. „Ich möchte nach Finnland und dort meinen Bruder suchen. Ich bin seit sechs Tagen in Deutschland. Von Flensburg möchte ich nach Kiel, um von dort ein Schiff nach Schweden zu nehmen“, sagt der 23-Jährige.

Daniela Weickert-Thümmel: „Wir machen das alle aus Überzeugung“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Daniela Weickert-Thümmel (42) ist Helferin der ersten Stunde im Orga-Team am Bahnhof. „Die Stimmung unter den Helfern ist nach wie vor ungebrochen positiv. Wir machen das alle aus Überzeugung und mit Herz. Für mich ist es toll, den Menschen helfen zu können und ihnen die Weiterreise in ihr Wunschland ermöglichen zu können“, sagt sie.

Vibeke Lund: „Wir haben auf Facebook gesehen, dass hier Hilfe benötigt wird“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Vibeke Lund (48) ist gemeinsam mit ihrer Tochter in die Bahnhofshalle gekommen. In großen Tüten haben die beiden Weißbrot, Tomaten, Gurken, Salat, Chips und Wasser gespendet. „Wir haben auf Facebook gesehen, dass hier Hilfe benötigt wird. Eigentlich wollten wir uns nur über eine Zugfahrt für meine Tochter informieren. Aber dann dachten wir, bringen wir gleich etwas für die Flüchtlinge mit“, sagt die gebürtige Dänin. „Die Atmosphäre hier ist sehr freundlich. Ich kann mir gut vorstellen, auch selbst in der Kleiderkammer zu helfen“, sagt Vibeke Lund.

Mohamed Hamcho: „Hauptsache, die Grenze bleibt offen“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Mohamed Hamcho ist ebenfalls Helfer der ersten Stunde: „Ich bin vom ersten Tag an hier und helfe bei allem. Die ersten 14 Tage habe ich kaum geschlafen, da ich immer am Bahnhof war. Ich versuche alles, um den Menschen zu helfen.“ Für den 32-Jährigen ist besonders eines wichtig: „Hauptsache, die Grenze bleibt offen.“

Benita von Brackel-Schmidt: „Langsam merken wir, dass das Material ausgeht“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Benita von Brackel-Schmidt ist Helferin in der Kleiderkammer. „Ich hörte, dass hier eine Menge Menschen ankommen und bin hergefahren, mit allem, was ich finden konnte: Isomatten, Schlafsäcken und Kleidung. Aus zahlreichen gespendeten Kleidersäcken ist mittlerweile eine gut sortierte und organisierte Kleiderkammer entstanden“, sagt die vertretende Sprecherin des Teams. „Letztes Wochenende sind 5000 Flüchtlinge am Bahnhof angekommen. Langsam merken wir, dass das Material ausgeht. Gebraucht werden vor allem Hosen und Jacken in kleinen Größen.“

Kodbadih: „Die Menschen sind hier nett“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Der 20-Jährige Kodbadih ist aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Er ist erst seit Kurzem in Flensburg und möchte weiter nach Schweden reisen. „Mir gefällt es gut in Deutschland. Die Menschen sind hier nett“, sagt er.

Janna Thomsen: „Am Bahnhof bekommen alle Schicksale Gesichter“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

Die Hamburgerin Janna Thomsen war bei ihrer Oma in Flensburg zu Besuch. „Ich bin auf der Durchreise hier. Zurzeit mache ich ein Jura-Referendariat und muss zum Gericht nach Schleswig“, sagt die 25-Jährige. „Ich bin total beeindruckt von den Menschen hier. Es ist toll zu sehen, wie schnell sich so was organisiert. In Hamburg war ich bereits zwei Tage am Bahnhof als Helferin tätig.“ Die Reisende sagt, sonst höre man die Geschichten nur aus den Medien: „Hier am Bahnhof bekommen alle Schicksale Gesichter – das finde ich wichtig.“

Hans-Günter Höger: „Je nachdem wie ich Zeit habe, helfe ich hier mit“

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Foto: Benjamin Springstrow
 

In der Kleiderkammer ist ebenfalls Hans-Günter Höger tätig. „Ich bin heute erst das vierte Mal hier. Eigentlich bin ich Bereichsleiter in der Narkoseabteilung in der Diako. Aber je nachdem wie ich Zeit habe, helfe ich hier mit“, sagt der 58-Jährige. „Zum ersten Mal war ich vor vier Wochen hier. Da habe ich in der Bahnhofshalle Müll gesammelt. Beim zweiten Mal wurde meine Hilfe dann in der Kleiderkammer benötigt. Bereits nach zwei Stunden wurde ich da von anderen Helfern gefragt, was noch benötigt wird. Da war mir klar: Ich bin aufgestiegen. Vom Müllsammler zum Kleiderkammerkoodinator – das fand ich lustig“, erzählt der Helfer schmunzelnd.

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erstellt am 19.Okt.2015 | 17:02 Uhr

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