Nach Havarie auf der Hanse Sail : Hamburger Eisbrecher „Stettin“ kann nicht zurückfahren

Beim Zusammenstoß wurde die Außenhaut der „Stettin“ aufgerissen.

Beim Zusammenstoß wurde die Außenhaut der „Stettin“ aufgerissen.

Der Dampfeisbrecher schrammt ein finnisches Frachtschiff. Die Besatzung hat Glück im Unglück: Es bricht kein Wasser ein.

shz.de von
14. August 2017, 12:38 Uhr

Rostock | Der historische Dampfeisbrecher „Stettin“ ist nach dem Zusammenstoß mit einer finnischen Fähre am Samstag während der Hanse Sail in Rostock nicht mehr fahrbereit. Das Traditionsschiff aus Hamburg liege nun im Rostocker Fischereihafen und könne diesen Platz aus eigener Kraft nicht verlassen, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei am Montag.

Gegen 11 Uhr kollidierte das Traditionsschiff im Überseehafen aus noch ungeklärter Ursache mit der finnischen Fähre „Finnsky“. Zehn Personen wurden verletzt, drei mussten ärztlich versorgt werden. 145 Passagiere waren an Bord. Ein zwei Meter langer Riss klafft im Rumpf der Stettin, kurz über der Wasserlinie, so drang kein Wasser ins Schiff ein.

Das Unglück direkt an Bord miterlebt hat Manuela Isensee. „Wir haben die Ausfahrt meinem Vater geschenkt und wollten eigentlich einen schönen Vormittag verbringen“, sagt sie. Ein Mitarbeiter habe gerade über die Eckdaten des Schiffes gesprochen als Crew und Passagiere merkten, dass der Eisbrecher der großen Fähre verdächtig nahe kommt. „Das passt schon, sagte  einer der Mitarbeiter noch. Sekunden später hat es gescheppert. Die Leute, die nicht saßen, sind alle umgefallen.“ Der Schreck sei nur kurz gewesen.

Im Anschluss habe die Rettungskette reibungslos funktioniert. Die Polizei sei sofort vor Ort gewesen, Passagiere wurden mit Essen versorgt, von Bord geleitet und per Bus zurück in die Stadt gebracht. „Uns wurde angeboten, dass wir auf andere Schiffe umgebucht werden oder das Geld zurück bekommen, das hat  vorbildlich geklappt.“

Hafenkapitän Gisbert Ruhnke kann zur  Ursache  des Zusammenstoßes noch keine Angaben machen.  „Wir haben nur gesehen, dass die Stettin auslaufend war und zur Seite gedrückt wurde. Es könnte  an den Windverhältnissen gelegen haben.“ Das werde von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung heute begutachtet. Es seien Positionsdaten und Radaraufzeichnungen gesichert worden. Der Vorfall werde in der Kategorie „Wenig schwerer Seeunfall“ geführt. 

Die Schadenssumme ist noch unbekannt. Der ehrenamtlich arbeitende Verein freut sich über jede Spende für die anstehende Reparatur. „Es kann richtig teuer werden, eventuell sogar den Verein in Schieflage bringen“, so Zahlmeisterin Christina Günther. Nach der Begutachtung wolle man die Stettin fit machen für die Überfahrt zu einer Hamburger Werft.

Wegen der historischen Bauart des genieteten Schiffrumpfs könne nur die Spezialwerft den Schaden reparieren, hieß es bei der Polizei. Wenn die „Stettin“ nach Hamburg wolle, brauche sie dafür eine Schleppgenehmigung der Berufsgenossenschaft Verkehr, sagte ein BG-Mitarbeiter. Bisher sei aber kein Antrag gestellt worden.

(mit dpa)

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