Nach Anschlag in Boston : Hamburg-Marathon - "Jetzt erst recht!"

Auch Verkleidungen sind beim Hamburg-Marathon erwünscht: Ein 'König' läuft über die Strecke. Foto: dpa
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Auch Verkleidungen sind beim Hamburg-Marathon erwünscht: Ein "König" läuft über die Strecke. Foto: dpa

21.000 Starter werden am Sonntag zu den Klängen des Boston-Marathon auf die Strecke geschickt. Blau-gelbe Bänder der Läufer sollen an den Anschlag und ihre Opfer erinnern.

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21. April 2013, 11:52 Uhr

Hamburg | So selig wie Lea und Sophie strahlt an diesem Samstagvormittag nicht einmal die Sonne über Hamburg. Die Achtjährigen haben gerade ihren Zehntel-Lauf hinter sich gebracht, 4,2195 Kilometer als fröhliches Vorspiel zum großen Marathon am Sonntag in der Hansestadt. Erschöpft, aber glücklich wuseln die Freundinnen nun unter Tausenden anderen Schülerläufern über das Messegelände unter dem Fernsehturm.

So viel kindliche Unbeschwertheit ist Balsam auf die Seele von Frank Thaleiser. Seit dem blutigen Anschlag auf den Boston-Marathon am vorigen Montag ist beim Organisator der Hamburger Veranstaltung die sonst übliche Euphorie wie weggeblasen. Über dem Hamburg-Marathon 2013 liegt ein Schatten, auch wenn hier niemand ernsthaft einen ähnlichen Terroranschlag für möglich hält. "Jetzt erst recht", haben Thaleiser und sein Team als Motto ausgegeben. Die 15.200 Einzelläufer und 6000 Staffelstarter denken genauso.

Wohltuende Normalität am Samstag

Nicht eine Sekunde habe die 28. Auflage des Stadtmarathons in Frage gestanden, sagt der Veranstalter. Trotz Boston. Einen Tag vorher beim Zehntel herrschte jedenfalls wohltuende Normalität. Alles friedlich, alles heiter, keine Zwischenfälle. Weit und breit kein uniformierter Polizist zu sehen.

Auch dieses Jahr wird die Massenveranstaltung mit 21.000 Teilnehmern und 750.000 Zuschauern an der Strecke keine Festung sein, so haben es Polizeiführung, Innensenator Michael Neumann (SPD) und die Organisatoren festgelegt. "Das Sicherheitskonzept ist nach Absprache mit unseren amerikanischen Freunden angepasst worden", sagt Neumann, verrät aber keine Details. Rund 400 Polizisten dürften im Einsatz sein, nicht mehr als in den Vorjahren. Dazu rund 3000 Helfer an der Strecke.

"Wir dürfen uns unseren Sport nicht kaputt machen lassen"

"Wir hoffen auf eine Trotzreaktion der 750.000 Zuschauer", sagt Organisator Thaleiser. Die Sportler stehen sowieso zum Hamburg-Marathon - lediglich acht der 21.000 haben mit Hinweis auf das Attentat abgesagt. "Wir dürfen uns unseren Sport nicht von solchen Terrorattacken kaputt machen lassen", sagt Senator Neumann. Er selbst lief mit bestem Beispiel voran und nahm das Zehntel unter die eigenen Sportschuhe. Die deutsche Marathon-Hoffnung Lisa Hahner sagt für die Spitzenläufer: "Wir wollen zeigen, dass der Sport die Leute zusammenbringt und wir uns nicht unterkriegen lassen."

Trotz allem wird die Stimmung gedrückter sein als sonst. Ausnahmslos alle dürften auch an Boston denken. Thaleiser: "Als Zeichen der Verbundenheit geben wir gelbe Armbänder mit dem Aufdruck Run for Boston aus." Vor dem Startschuss um 9 Uhr gibt es zudem eine Gedenkminute für die Opfer. Und dann folgt noch eine besondere Verneigung in Richtung der geschockten US-Metropole. In Hamburg wird "Sweet Caroline" von Neil Diamond aus den Lautsprechern erklingen, die Hymne des Boston-Marathons.

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