Entscheidung am Wochenende : Haithabu und Danewerk als Welterbe: Unesco-Chefin Böhmer sehr zuversichtlich

Blick auf das Gelände der Wikingerhäuser von Haithabu in Busdorf.

Blick auf das Gelände der Wikingerhäuser von Haithabu in Busdorf.

Nach der Empfehlung des Weltdenkmalrats Icomos sieht Maria Böhmer nichts, was einer Nominierung im Wege steht.

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24. Juni 2018, 09:44 Uhr

Manama/Busdorf | Deutschlands Unesco-Chefin Maria Böhmer sieht gute Aussichten für die Aufnahme zweier weiterer deutscher Stätten auf die Welterbeliste. Die Bewerbungen für die am Sonntag beginnende Tagung des Welterbekomitees in Bahrain hätten „sehr reelle Chancen“, sagte die Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission. „Ich bin bei beiden der Meinung, dass es gelingen kann und wird.“ Ihre Bewerbung eingereicht haben die Wikingerstätten Haithabu und Danewerk in Schleswig-Holstein sowie der Naumburger Dom.

Die Welterbe-Tagung in der bahrainischen Hauptstadt Manama beginnt am Sonntagabend und dauert bis zum 4. Juli. Mit den Entscheidungen über die deutschen Bewerbungen wird am kommenden Wochenende gerechnet. Insgesamt berät das Komitee über 31 Nominierungen. Dazu zählen das viktorianische und Art Déco-Ensemble von Mumbai, der prähistorische Fundort Göbekli Tepe in der Türkei, der Nationalpark Chiribiquete in Kolumbien sowie die buddhistischen Bergklöster in Südkorea.

Besonders optimistisch zeigt sich Böhmer für die Wikingerstätten. Für diese liege eine Empfehlung des Weltdenkmalrats Icomos vor. „Deswegen gehe ich davon aus, dass die Aufnahme weitgehend unstrittig erfolgen wird“, sagte Böhmer. Für Naumburg in Sachsen-Anhalt fehle eine solche Empfehlung. „Deswegen muss für die Bewerbung noch gekämpft werden.“ In Deutschland gibt es bislang 42 Unesco-Welterbestätten.

Für die Bewerbung aus Sachsen-Anhalt ist es bereits die dritte Chance. Zweimal war die Aufnahme des Naumburger Doms samt der hochmittelalterlichen Landschaft an Saale und Unstrut vergeblich beantragt worden, zuletzt im vergangenen Jahr in Krakau. Nun soll es die überarbeitete Bewerbung mit dem Dom allein schaffen.

Bei der Tagung im vergangenen Jahr habe die Kulturlandschaft Saale-Unstrut offensichtlich nicht überzeugt, sagte Böhmer. Dem Dom sei hingegen der außergewöhnliche universelle Wert zuerkannt worden: „Das ist das entscheidende Kriterium. Damit wurde die Tür geöffnet.“ Die noch offenen Fragen müssten jetzt beantwortet werden.

<p>Der Naumburger Dom (Luftaufnahme mit einer Drohne) versucht sich im dritten Anlauf.</p>
dpa

Der Naumburger Dom (Luftaufnahme mit einer Drohne) versucht sich im dritten Anlauf.

Diskussionsbedarf gibt es unter anderem, weil der Weltdenkmalrat keinen außergewöhnlichen universellen Wert des Doms sieht. In seiner Bewertung kommt er zu dem Schluss, dass bereits herausragendere vergleichbare Bauten auf der Unesco-Welterbeliste stehen.

Der Naumburger Dom St. Peter und Paul wurde im 13. Jahrhundert geschaffen und wird zu den bedeutendsten Kathedralbauten des europäischen Hochmittelalters gezählt. Berühmt sind die vom „Naumburger Meister“, einem bis heute unbekannten Steinbildhauer, geschaffenen zwölf Stifterfiguren in der Kathedrale.

Auch die Wikingerstätten gehen mit einer deutschen Einzelbewerbung an den Start. Einen internationalen Antrag von Wikingerstätten gemeinsam mit Island, Dänemark, Lettland und Norwegen hatte das Welterbekomitee 2015 zur weiteren Überarbeitung zurückgewiesen. Die Befestigungsanlage Danewerk und der Handelsplatz Haithabu in Schleswig-Holstein gehören zu den bedeutendsten archäologischen Zeugnissen Nordeuropas. Das Danewerk bestand aus Erdwällen, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei. Die Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig war im Mittelalter eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas. 1897 wurde sie wiederentdeckt.

Der usbekischen Stätte „Historisches Zentrum von Shahrisabz“ droht die Streichung von der Liste. Zudem wird über die Aufnahme des Tals von Kathmandu (Nepal) und des Turkanasee-Nationalparks (Kenia) in die Liste des gefährdeten Welterbes beraten.

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