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Sinkende Schülerzahlen in SH : Gymnasien kämpfen um jeden Fünftklässler

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Kursangebot an den Gymnasien in SH droht einzubrechen, fürchtet der Philologenverband - und warnt vor einem wachsenden Wettbewerb mit den Gemeinschaftsschulen.

shz.de von
erstellt am 10.02.2014 | 07:00 Uhr

Kiel | Die Einführung neuer Oberstufen an Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein gefährdet die Vielfalt des Lernangebots auf dem Weg zum Abitur. Das jedenfalls befürchtet der Philologenverband, die Vertretung der Lehrer an den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen im Land.

„Schon jetzt sinken an vielen Gymnasien die Schülerzahlen“, sagt der Vorsitzende des Verbands, Helmut Siegmon. Zum laufenden Schuljahr war die Zahl der Gymnasiasten wie in den Vorjahren gefallen, diesmal um 0,6 Prozent auf 86.300. Wenn im Sommer nach jetzigem Stand 13 neue Oberstufen starten – und damit der Weg zum Abitur an 40 Gemeinschaftsschulen möglich wird – befürchtet der Philologenverband, dass Schüler sich aufteilen und damit für viele mögliche Profile die Teilnehmer fehlen. „So kann man kein vernünftiges Angebot liefern“, sagt Siegmon. Für das wichtige sprachliche Profil fehle bereits jetzt häufig das Interesse. „Und die Kurse, die erfahrungsgemäß viele leistungsstarke Schüler belegen, etwa Physik oder Chemie, kommen in den Oberstufen teilweise nicht mehr zu Stande.“

Der Philologenverband gehe von falschen Voraussetzungen aus, heißt es dagegen aus dem Bildungsministerium von Waltraud Wende (parteilos). „Es entsteht keine Wettbewerbssituation. Unsere Absicht ist nicht, Schüler von den Gymnasien auf Gemeinschaftsschulen umzulagern“, sagt Sprecher Thomas Schunck. Stattdessen solle mehr Schülern als zuvor die Möglichkeit gegeben werden, das Abitur zu erreichen. Auch die Lehrergewerkschaft GEW sieht in den Oberstufen nicht unbedingt eine Konkurrenz zu den Gymnasien. „Im Prinzip ist es eine sinnvolle Ergänzung“, sagt GEW-Vorsitzender Matthias Heidn.

Dass das nicht an allen Gymnasien so gesehen wird, zeigt das Beispiel Eiderstedt: Dort hat die Gemeinschaftsschule in Tönning gerade als 40. Schule im Land die Erlaubnis bekommen, den Weg zum Abitur anbieten zu dürfen – im übrigen Nordfriesland wird das gar nicht gern gesehen. „Das zerschießt unsere Schullandschaft“, sagen CDU-Kreispolitiker. Der Schulverband Eiderstedt will eine Klage gegen die Genehmigung prüfen. „Wir prüfen bei jeder Entscheidung genau, ob es eine Gefährdung umliegender Schulen gibt – und nur wenn wir diese ausschließen, geben wir die Erlaubnis“, hält Schunck entgegen.

Dieser Streit um die Schüler zwischen den weiterführenden Schulen wird sich noch verschärfen, befürchtet Philologenverbands-Chef Siegmon. „Wo mehr Konkurrenz ist, müssen die Schulen die Werbung für sich verstärken.“ Schon jetzt fließe viel Energie der Lehrer in dieses Werben um neue Fünftklässler. „Ich warte eigentlich nur noch, dass Schulen kleine Geldgeschenke als Lockangebot verteilen“, so Siegmon ironisch.

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