Schleswig-Holstein und Hamburg : Grillen, Flirten, Shoppen: Dieser Sommer ist heiß

Von wegen Stubenhocker: Laut einer Umfrage zieht es im Sommer vor allem Hamburger und Schleswig-Holsteiner ins Freie. Ganz oben auf der Aktivitätsskala stehen Grillen mit Freunden, ein Tag am Meer, Flirten und Shoppen.

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27. Juli 2014, 18:46 Uhr

Flensburg | Hochsaison im Straßencafé und am Strand: Die Sonne lockt die Norddeutschen ins Freie. Und nirgends gibt es so viele Frischluft-Junkies wie bei uns im Norden. Vier von fünf Befragten gaben hier an, sich im Sommer deutlich aktiver und öfter im Freien zu bewegen als in den restlichen Jahreszeiten. Schlusslicht in diesem Aktivitätsindex ist das Saarland. In Deutschlands westlichstem Bundesland zieht es nur 62 Prozent der Befragten im Sommer häufiger in Freie, im Bundesdurchschnitt sind es 77 Prozent.

Zusammen macht es mehr Spaß

Voll  im Trend sind vor allem Gemeinschaftserlebnisse – mehr Sport, mehr sich mit Freunden treffen, mehr zusammen mit der Familie unternehmen. An der absoluten Lieblingsbeschäftigung der Norddeutschen führt in diesem Sommer kein Weg vorbei. Ob entlang der Flensburger Hafenkante, entlang der Schlei oder überall an den Stränden – es wird gegrillt, was Holzkohle und Metzgerei hergeben. Dem mobilen Wegwerfgrill sei Dank. Auch nach der WM gehört das Steak auf dem Feuer für 72 Prozent der Norddeutschen zu einem gelungen Sommer dazu. Ein Trend, den auch der Einzelhandel spürt. „Das diesjährige Sommer-Märchen unserer Fußballer hat natürlich auch die Kaufaune beflügelt“, weiß Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes Nord in Kiel. Gingen vor dem TV-Ereignis vor allem Fernseher über den Ladentisch, heizten im erfolgreichen Verlauf der WM immer mehr Fanartikel und Fußbälle den Verkauf an. Dazu kam später der Run auf die neuen Vier-Sterne-Trikots, der besonders Sporthändler beglückte. „Vor allem merken wir aber, dass dieser Sommer draußen stattfindet“, bilanziert Dürrer. Alles, was zum  gemütlichen Grillen gebraucht wird, verkauft sich blendend.

Für den großen Einkaufsbummel (immerhin Top 5 der Sommeraktivitäten) war es nach Dürrers Einschätzung in den letzten Tagen fast schon zu heiß. Da kommt die kleine Abkühlung in den nächsten Tagen gerade recht, denn morgen starten die Einzelhändler in die heiße Phase des Sommerschlussverkaufes. Zwar gibt es den SSV offiziell schon längst nicht mehr, aber „traditionell wird nach dem letzten Wochenende im Juli der Verkauf mit Rabatten angekurbelt“, so Monika Dürrer. Gaben insbesondere Textilhändler bislang 20 oder 30 Prozent Nachlass, seien ab Montag zum Höhepunkt des Verkaufsjahres sogar die „unverschämten“ 70 Prozent zu erwarten. Insgesamt ist die Einzelhandelsgeschäftsführerin für die Saison im Norden verhalten optimistisch:  „Die Bäume wachsen in Handel schon lange nicht mehr in den Himmel, aber die letzten zwei Jahre waren – über alles gesehen – mit jeweils einer schwarzen Null ganz in Ordnung.“

Zu Hause ist es am Schönsten

Sommer, Sonne, Shoppen – dafür zieht es die Schleswig-Holsteiner nicht in die Ferne. 70 Prozent der Menschen zwischen den Meeren halten sich im Sommer am liebsten auf ihrem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten auf. Auf Platz zwei der Lieblingsorte: Cafés, Restaurants und Biergärten (47 Prozent), dicht gefolgt vom Aufenthalt am Strand (44 Prozent). Nur jeder Zehnte (bundesweit sogar mehr als 13 Prozent) verweigert sich dem Sommer, den Sonnenmuffels ist es draußen einfach zu warm. Und zwischen Strandkörben, am Hafenpier und im Straßencafe wird es noch heißer. Mehr als jeder und jede Vierte will flirten und sich neu verlieben. Insgesamt haben 80 Prozent der Norddeutschen „mehr Lust im Sommer“. Einzige Ausnahme: die Einwohner der Freien und Hansestadt Hamburg. Zwischen Alster und Elbmündung hat nicht einmal jeder Dritte mehr Lust auf Sex. Aber die Großstädter sind auch sonst eher die Ausnahme im Norden. Schließlich nutzen auch nur 55 Prozent der Hamburger die Sommerzeit zu mehr Freiluftaktivitäten und Sport.

Das Glück wohnt im Norden

Doch nicht nur im Freien und in der Freizeit sind die Schleswig-Holsteiner zufrieden. Die Norddeutschen lieben ihre Arbeit mehr, als es der „Durchschnittsdeutsche“ tut. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). So erklärten 82 Prozent der Befragten zwischen Lübeck und Flensburg: „Meine Arbeit macht mir Spaß und ist ein wichtiger Teil meines Lebens“, bundesweit sind das nur 71 Prozent. Gerade mal  jeder Zehnte hierzulande sieht seinen Job als reinen Broterwerb an (bundesweit 20 Prozent). Und das, obwohl im Norden mehr gearbeitet wird als im Durchschnitt: Die Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg verbringen 43,3 Stunden wöchentlich am Arbeitsplatz, bundesweit sind es 41,7. Nur in Baden-Württemberg wird mit 44,3 Stunden noch mehr gearbeitet. Die Umfrage zeigt auch, dass Beschäftigte im Norden weniger über mangelnde Anerkennung klagen als anderswo. Bundesweit gab jeder Dritte an, dass es ihm an Lob im Job fehle, im Norden war es „nur“ knapp jeder Vierte.

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