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Bilanz des ersten Tages : Grenzkontrollen in Dänemark: 1100 kontrolliert, 18 abgewiesen

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänemarks Polizei veröffentlicht erste Zahlen: Es kam zu Abweisungen und auch zu Verhaftungen.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 16:19 Uhr

Pattburg | In den ersten zwölf Stunden der Grenzkontrollen wurden schätzungsweise 1100 Personen von der dänischen Reichspolizei angehalten. Dabei sei alles verhältnismäßig ruhig vonstatten gegangen, heißt es in einer Pressmitteilung. 18 Menschen wurden demnach an der deutschen Grenze abgewiesen und daran gehindert, nach Dänemark einzureisen. Drei mutmaßliche Menschenhändler wurden verhaftet.

Dänemark will mit Kontrollen den Flüchtlingsstrom bremsen. Doch die Effizenz dieser Maßnahme wird von vielen Seiten bezweifelt.


15 Festland-Grenzübergänge zwischen Deutschland und Dänemark gibt es, an denen die Polizei stichprobenartige Kontrollen durchführt und weiter durchführen soll. Teils, so heißt es in der Pressemitteilung der Reichspolizei durch Hinterlandkontrollen und teils durch Kontrollen direkt an der Grenze.

„Die Einsätze haben keine wesentlichen verkehrstechnischen oder infrastrukturellen Probleme bereitet“, verkündete Richard Østerlund la Cour, der Chef des Ausländerzentrums der dänischen Polizei am Dienstag. Das gelte sowohl für die Grenze zu Schweden als auch für die deutsch-dänische Grenze.

Die Maßstäbe der stichprobenartigen Kontrollen an der Festlandsgrenze sind bisher nicht genau bekannt. Auffällig war am ersten Tag der Passkontrollen, dass vor allem größere Fahrzeuge gestoppt wurden. „Die Kontrolle wird vor dem Hintergrund der polizeifachlichen Einschätzung der Einreisenden vorgenommen und unser Fokus hat am ersten Tag besonders auf den Haupteinreiseadern in Nordschleswig bei Pattburg, Krusau und Fröslee gelegen, wo der allergrößte Teil des Verkehrs vorkommt“, sagte la Cour. Eine Journalistin der dänischen Tageszeitung „Politiken“ berichtete, an fünf Grenzübergängen habe sie in der Nacht überhaupt keine Beamten entdecken können.

Auf den öffentlichen Nahverkehr in der Grenzregion haben die Grenzkontrollen ebenfalls nur geringe Auswirkungen. „Der Fahrplan ist derzeit nicht gefährdet“, sagte Paul Hemkentokrax, Geschäftsführer des Flensburger Verkehrsbetriebes Aktiv Bus. Die Fahrzeuge der Linie 1 würden zwar auf dem Weg nach Kruså ebenfalls ab und an kontrolliert. Die dänische Polizei habe jedoch zugesagt, im Fall von Staus die Busse vorbeizuleiten. Er begrüßte es, dass Dänemark die grenzüberschreitend agierenden Verkehrsunternehmen zunächst nicht - wie in Schweden - in die Pflicht nehmen wolle, Reisende zu kontrollieren.

Das verstärkte Kontrollaufkommen werde am Dienstag fortgesetzt und vorläufig neun weitere Tage. Danach kann Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen die Maßnahmen um 20 Tage verlängern. Bereits seit September 2015 hat die dänische Polizei verstärkte Kontrollen in den grenznahen Gebieten vorgenommen.

Integrationsministerin Inger Støjberg sprach im dänischen Rundfunk auch über den möglichen Einsatz von Soldaten unter der Leitung der Polizei. „Wir bereiten das Militär darauf vor, den Polizisten bei den Grenzkontrollen beistehen zu können“, sagte sie. So könnte der Abzug von Polizisten aus anderen Landesteilen verhindert werden. Eine Ministeriumssprecherin erklärte auf Anfrage jedoch, bei der Aussage handle es sich um ein „Missverständnis“. Soldaten sollten keine Pässe an der Grenze kontrollieren, sondern bei Bedarf nur in einem der Ankunftszentren für Flüchtlinge an der Grenze eingesetzt werden.

Am ersten Tag nach der Einführung der strikten Passkontrollen in Schweden sind mit 331 Asylsuchenden deutlich mehr Flüchtlinge nach Schweden gekommen als am Sonntag (236). Ein befürchteter Rückstau in Kopenhagen ist bislang nicht sichtbar. Allerdings verzeichnete auch Dänemark einen Anstieg bei den Asylanträgen am Montag. Statt zuletzt durchschnittlich 55 Anträgen pro Tag reichten 75 Menschen ihr Gesuch ein.

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