Alexander-Pascal Graf von Krockow : "Graf Schwindel" - so erschlich er sich Millionen

Alexander-Pascal Graf von Krockow, der mit Haftbefehl gesucht wurde, ist jetzt gefasst. Foto: Polizei
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Alexander-Pascal Graf von Krockow, der mit Haftbefehl gesucht wurde, ist jetzt gefasst. Foto: Polizei

Er betrog seine Geliebte um fast eine Million Euro, die alte Dame erhängte sich. Graf von Krockow - die Sylter Schickeria nannte ihn nur "Graf Schwindel vom Grindel".

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06. Dezember 2010, 06:57 Uhr

Hamburg/Bad Oldesloe | Seine Flucht ist zu Ende: Zielfahnder haben Alexander-Pascal Graf von Krockow (46) geschnappt - nur einen Tag nach Veröffentlichung des Fahndungsfotos. Der Graf, der zuletzt in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) gemeldet war, hatte sich in seiner Heimatstadt Hamburg versteckt. Polizeisprecher Andreas Schöpflin: "Er hatte eine Wohnung in den Mundsburg-Towers gemietet. Dort wurde er widerstandslos verhaftet und kam sofort ins Untersuchungsgefängnis."
Alexander-Pascal Graf von Krockow trägt den Namen eines alten westpreußischen Adelsgeschlechts, dessen Wurzeln sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, und war eine schillernde Figur der Hamburger und Sylter Schickeria. Zuletzt bekam er allerdings den wenig schmeichelhaften Beinamen "Graf Schwindel vom Grindel" (nach dem Stadtteil, in dem er wohnte) - und wurde mit einem EU-Haftbefehl gesucht.
Zwei Jahre Haft für den Grafen
Der Graf wurde im Jahr 2004 wegen Betruges, Urkundenfälschung, Untreue und Unterschlagung zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Lebensgefährtin hatte ihn angezeigt. Irmgard S. (64), eine pensionierte Finanzbeamtin, hatte ein Vermögen von ihrem Mann geerbt. Das brachte Alexander-Pascal Graf von Krockow fast vollständig an sich: Diamanten, wertvolle Möbel, persische Teppiche und auch vier Eigentumswohnungen überschrieb er auf seinen Namen. Schaden: 900.000 Euro.
Wie kam es dazu? Der bürgerliche Name von "Graf Schwindel" ist Lothar Romeike. Er soll nie einen Beruf ausgeübt haben, lernte aber in den 90er Jahren den bekannten Historiker und Schriftsteller Christian Graf von Krockow kennen. Der Autor wurde wegen seiner Werke die "Stimme Preußens" genannt, fand viel Beachtung mit einer Biografie über den Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Männer-Beziehung mit Adoption getarnt

Was nach außen wie eine Vater-Sohn-Beziehung wirkte, war tatsächlich eine erotische Lebensgemeinschaft. Auf einer halbjährigen Schiffsweltreise im Jahre 1998 freundete sich das Männer-Paar mit Irmgard S. an. Das Dreiergespann schmiedete Pläne für eine Wohngemeinschaft, die Witwe kaufte vier teure Wohnungen in einem Haus am Grindelberg im Hamburger Stadtteil Harvestehude.
Irmgard S. und Alexander-Pascal kamen sich näher, nachdem der Adoptivvater im März 2002 mit 74 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben war. Aus "mütterlichen Gefühlen", wie Irmgard S. es beschrieb, machte sie Alexander-Pascal teure Geschenke, darunter einen Mercedes für 100.000 Euro. Sie stellte ihm auch eine Generalvollmacht aus. Alexander-Pascal, der von den Tantiemen aus den Veröffentlichungen seines Adoptivvaters lebte, nutzte sie gnadenlos aus. Irgendwann merkte Irmgard S., dass ihre Konten leer geräumt, Darlehen über Hunderttausende von Euro in ihrem Namen aufgenommen worden waren. Sie zeigte Alexander-Pascal an, ließ den Kontakt jedoch nicht abreißen. Noch während des Prozesses 2004 trafen sich Opfer und Täter zu Spaziergängen. "Seine Gesellschaft tut mir gut, ich bin einsam und ein bisschen depressiv", sagte sie aus.
Graf von Krockow wurde zu einer Bewährungsstrafe mit harten Auflagen verurteilt. Der Richter verbannte ihn aus Hamburg. Der Graf durfte sich Irmgard S. nicht mehr nähern. Doch weder er noch die Witwe ließen einander los. Wie Nachbarn bemerkten, öffnete sie ihm immer wieder ihre Tür am Grindelberg. Sie behielt ihn sogar als Alleinerben in ihrem Testament. Erst Anfang 2009 kam es während eines gemeinsamen Sylt-Urlaubs zum Streit.
Irmgard S. beging Selbstmord
Wenig später erhängte sich Irmgard S. am Balkongeländer ihres Penthouses. Verwandte und Nachbarn vermuteten, der Graf habe sie getötet, dieser Verdacht erhärtete sich aber nicht. Den Ermittlern wurde allerdings klar, wie massiv der Graf gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Die Meldeadresse in Bad Oldesloe war offenbar nur eingerichtet worden, um den Bewährungshelfer zu täuschen, der Graf soll sein Opfer weiter geschädigt haben. Die Bewährungsstrafe wurde deshalb aufgehoben. Dem Gefängnis entzog sich Alexander-Pascal jedoch und tauchte unter. Nun wurde er gefasst. Nachbarn erkannten ihn auf dem Fahndungsfoto, obwohl er sein Äußeres stark verändert hatte.
Auch ein anderer Spross der Adelsfamilie steht übrigens derzeit im Fokus der Polizei: Im März 2010 wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen den Bankmanager Matthias Graf von Krockow eingeleitet. Es besteht der Verdacht, dass er als Verantwortlicher bei der Kreditvergabe an die Schickedanz-Gruppe (Versandhauspleite Quelle) gegen Kreditrisiko-Strategien verstoßen hat.

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