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Tote Kadettin : Gorch Fock: Jenny Bökens Eltern scheitern vor Gericht

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2008 starb die Gorch-Fock-Kadettin Jenny Böken. Die Umstände ihres Todes sind nicht geklärt. Aachener Richter zeigten sich jetzt verwundert.

Aachen/Kiel | Minuten nach dem Richterspruch war den Bökens die bittere Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Mit erstarrter Miene rang sich Uwe Böken diese Worte ab: „Ich bin tief enttäuscht und ziemlich platt.“ Marlis und Uwe Böken hatten nach dem Tod ihrer Tochter und „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken die Bundesrepublik Deutschland auf 40.000 Euro Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz verklagt.

Jenny Böken war am 3. September 2008 aus ungeklärten Gründen über Bord des Segelschulschiffs gegangen. Die Leiche wurde später in der Nordsee gefunden. Die Eltern hatten bei dem Prozess auf Erkenntnisse zu den Todesumständen gehofft. Für die Richter ging es nur um die Frage, ob Jenny Dienst unter besonderer Lebensgefahr getan hatte. Der Vorsitzende Richter Markus Lehmler schilderte die Ereignisse dieser Nacht nach Aktenlage: Jenny hatte Nachtwache und stand auf diesem exponierten dunklen Posten „Ausguck“ vorne auf dem Schiff. Es gab bis zu drei Meter hohe Wellen. Jede halbe Stunde musste sie Meldung geben und rufen: „Auf der Back ist alles wohl, die Laternen leuchten“. Um 23.30 Uhr blieb diese Standardmeldung aus.

Normalerweise hätte der Wachoffizier nachgucken müssen. Der habe es aber nicht getan. Um 23.35 Uhr habe Jenny ja wieder Schiffe gemeldet, habe der laut Vernehmungsprotokoll gesagt. „Wir haben uns gewundert, dass die Staatsanwaltschaft da nicht nachgefragt hat“, sagte der Vorsitzende Richter Markus Lehmler. Zu dieser Zeit hatte sich eine andere Kadettin für die Nachtwache fertiggemacht. Der Leutnant zur See kam in Uniform ins Gericht. Sie bestritt, die direkte Ablösung für Jenny Böken gewesen zu sein. Als sie an Deck gekommen sei, habe sie einen Schrei gehört. „Aber gesehen habe ich nichts.“ Kurz danach der Alarm - nach Angaben des Gerichts um 23.43 Uhr: „Mann über Bord. Das ist keine Übung.“ Sie habe sich nicht als Zeugin gemeldet.

Ein Retter der „Gorch Fock“, der in einem Speedboot die Suche startete, habe in seiner Vernehmung von schwierigen Verhältnissen mit bis zu drei Meter hohen Wellen gesprochen. Die Retter hätten gerade mal fünf Meter weit gucken können. Der Mann sei Segelmacher und als Retter eingesetzt, warf der Vertreter der Marine ein - und sei nicht berechtigt, Angaben zum Wetter zu machen. „Zwei bis drei Meter hohe Wellen sind keine Frage der Zuständigkeit“, antwortete Lehmler trocken. Die Marine geht davon aus, dass die „Gorch Fock“ bei dem tödlichen Ereignis ruhig in See lag. Sie spricht von 1,5 bis zwei Meter hohen Wellen. Nach Recherchen der Eltern herrschte Windstärke sieben bei einer Wassertemperatur von 15 Grad. Die Eltern machen dem damaligen Kapitän zum Vorwurf, dass er weder Schwimmweste noch Gurtsicherung angeordnet hatte.

Das Gericht hatte sich bei einem Ortstermin auf dem Schiff ein Bild von dem Posten „Ausguck“ gemacht, ganz vorne auf dem Schiff, wo Jenny stand. Die Richter hatten die niedrige und nicht durchgehende Reling bemerkt, die Taue, über die ein so junger und see-unerfahrener Mensch leicht stolpern könne, sagte Lehmler: „Das ist eine Ecke, wo man über Bord gehen kann.“ Trotzdem sah das Gericht keine besondere Lebensgefahr weder für Jenny noch für die anderen Kadetten und wies die Klage ab.

„So lange die Gesundheit das zulässt, werden wir keine Ruhe geben, bis wir wissen, was passiert ist“, hatte der Vater Uwe Böken vor der Verhandlung gesagt. Die Eltern strengen seit Jahren vergeblich ein juristisches Verfahren nach dem anderen an. Vor dem Bundesverfassungsgericht wollen sie erreichen, dass gegen den Schiffsarzt und den damaligen Kommandanten wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird.

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erstellt am 22.Okt.2014 | 14:20 Uhr

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