zur Navigation springen

Nach Rücktrittserklärung : Goldener Handschlag für HSH-Chef Constantin von Osterreich?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

900.000 Euro - so viel Geld könnte von Oesterreich als Abfindung kassieren. Es gibt heftigen Widerstand aus der Politik.

Hamburg | Neuer Wirbel um die HSH Nordbank: Der vorzeitig aus dem Amt scheidende Vorstandsvorsitzende der Bank, Constantin von Oesterreich, soll offenbar eine Zahlung von bis zu 900.000 Euro für die Restlaufzeit seines Vertrages erhalten. Oppositionspolitiker in Kiel sprachen gestern von einer Unverschämtheit.

Von Oesterreich, seit 2012 im Amt, will im Juni aufhören. Der 62-jährige Vorstandschef hat dies selbst angekündigt. Nachfolger soll sein bisheriger Stellvertreter Stefan Ermisch werden.

Nach einem Bericht im „Hamburger Abendblatt“ soll von Oesterreich nun bei Aufsichtsratschef Thomas Mirow die Bitte hinterlegt haben, seinen bis Herbst 2017 laufenden Vertrag ausbezahlt zu bekommen.

Das Jahresgehalt des Vorstandschefs ist auf 500.000 Euro begrenzt. Vorstöße aus Kreisen der Bank, diese Regelung zu lockern, hatten die Eigentümerländer Hamburg und Schleswig-Holstein stets abgeblockt. Für rund 18 Monate Restlaufzeit des Vertrages ergäbe sich ein Nachschlag von 750.000 Euro. Rechnet man die Altersversorgung von 100.000 Euro pro Jahr dazu, käme eine Summe von 900.000 Euro zusammen. Ein Sprecher der Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Dies sei Angelegenheit des Aufsichtsrates.

Aus Kreisen des Aufsichtsrates hieß es, man befinde sich „in konstruktiven Gesprächen, unterschrieben ist nichts“. Der Sprecher von Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sagte gegenüber dem shz: „Aufsichtsrat und Länder beraten zur Zeit über die Aufstellung der Bank im Verkaufsprozess. Wir werden Parlament und Öffentlichkeit informieren, sobald die notwendigen Entscheidungen dazu getroffen wurden.“

Im Klartext heißt dies: Heinold hat nichts gegen den Wechsel an der Spitze der Bank – wohl auch, weil Oesterreichs Amtszeit in die heiße Phase des von der EU-Kommission erzwungenen Verkaufs der staatseigenen HSH Nordbank fallen würde. Sein zwölf Jahre jüngerer designierter Nachfolger Ermisch gilt als Typ mit deutlich stärkeren Macher-Qualitäten.

Bei den Oppositionsfraktionen im Kieler Landtag lösten die Informationen helle Empörung aus. Der Pirat Torge Schmidt nannte die Forderung von Oesterreichs „schlichtweg unverschämt“. Wenn der Vorstandschef die in Rede stehenden 900.000 Euro haben wolle, „dann soll er auch seine Seite des Vertrages erfüllen“.

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki reagiert mit „Kopfschütteln.“ Von Oesterreich gehe auf eigenen Wunsch. „Ein Vergütungsanspruch steht ihm rechtlich nicht zu“. Auch der Aufsichtsrat könne hierüber nicht eigenständig befinden, meint Kubicki. Dieser sei nämlich nur Verwalter des Vermögens der Anteilseigner, nicht jedoch Inhaber. „Dies wäre nach meiner Auffassung strafrechtlich relevant.“

Der CDU-Finanzpolitiker Tobias Koch forderte „umgehende Aufklärung“ durch Finanzministerin Heinold. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Aloys Altmann, zeigte sich empört, „dass das Elend um die HSH Nordbank kein Ende findet“. Für nicht geleistete Arbeit einen goldenen Handschlag zu verlangen, „gehört sich nicht“. 

Kommentar von Bernd Ahlert (Chef vom Dienst):

Auf den ersten Blick ist der Vorgang empörend: Der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Constantin von Oesterreich, räumt freiwillig und vorzeitig seinen Posten – gleichzeitig aber will er seinen bis Herbst 2017 laufenden Vertrag mit bis zu 900.000 Euro ausbezahlt bekommen. Viel Steuergeld für nicht geleistete Arbeit – „unverschämt“, schallt es durch die Flure der Politik. Und es werden ja auch alle Vorurteile bedient: Ein raffgieriger Banker, der sich zum Abschied die Taschen vollstopfen will. Wenn es so einfach wäre.

Tatsache ist: Constantin von Oesterreich hat einen guten Job gemacht. Er hat entscheidend daran mitgewirkt, dass die HSH Nordbank in schwerem Fahrwasser nicht untergegangen ist und dass den Anteilseignern Hamburg und Schleswig-Holstein die Milliardenrisiken der Bank nicht auf die Füße gefallen sind. Dann hat er freiwillig seinen Rücktritt angeboten, um den anstehenden, schwierigen Verkaufsprozess anderen zu überlassen. Das macht durchaus Sinn.

Zugleich gilt: Wenn es von Oesterreich – wie unterstellt – einzig ums Geld gehen würde, hätte er seinen Vertrag doch einfach absitzen können. Oder er könnte abwarten, bis man ihn vor die Tür setzt. In beiden Fällen würde er bis zum Vertragsende voll weiter bezahlt. Das macht er aber nicht. Auch wenn es um ein Salär geht, von dem Normalverdiener nur träumen können – dass man sich bei einem freiwilligen Rücktritt im Interesse der Bank auch über die Ausstiegs-Modalitäten unterhält, ist doch klar.

Unverständlich ist nur, warum das nicht längst geschehen ist. Vermutlich aus mangelnder Übung. Die letzten Chefs der HSH Nordbank wurden allesamt gefeuert – und die haben nicht nur mehr Geld als von Oesterreich eingestrichen, sondern auch eine deutlich höhere Abfindung kassiert. Constantin von Oesterreich hat es zumindest verdient, dass man fair mit ihm umgeht – statt ihn als raffgierigen Bankchef abzustempeln, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen