„Germany's Next Topmodel“ 2015 : GNTM-Star Anu: Das Topmodel, das keiner kennt

Anuthida Ploypetch als Hawaii-Schönheit beim ersten Finale Mitte Mai.
Anuthida Ploypetch als Hawaii-Schönheit beim ersten Finale Mitte Mai.

Anu wurde bei „Germanys Next Topmodel“ Zweite. Sie soll aus Lübeck kommen, hieß es. Doch da kennt sie keiner.

shz.de von
31. Mai 2015, 18:23 Uhr

Lübeck | Ihren Fans hat die Entscheidung das Herz gebrochen und Fans hat sie viele: Anuthida Ploypetch, Anu genannt, ist beim finalen Finale der Heidi Klum-Show „Germanys Next Topmodel“ nur Zweite geworden. „Die haben alle keine Ahnung“ und: „Du warst besser!“ empören sich Facebook-Freunde und etliche grüßen aus der Hansestadt, denn da kommt Anu her. Sonst aber ist über die 17-Jährige wenig bekannt. Alter, Größe (175 Zentimeter), Beruf (Schülerin), thailändische Wurzeln: Ihr Profil bleibt selbst in einer überschaubaren Stadt wie Lübeck und in Zeiten weltweiter Vernetzung blass.

Wer kennt Anu? „Außer im Fernsehen nie gesehen“, heißt es vielfach von Schülern der Friedrich-List-Schule. Auf die soll auch Anuthida gehen beziehungsweise gegangen sein. Mit welchem Erfolg, wie lange, wann – man weiß es nicht. Nichts, was bekannt wäre, das über die schlanken Beschreibungen hinausginge, die Familie Klum und der Sender preisgeben. Auch in Lübeck, einer Stadt, in der jeder jemanden kennt, der mit Thomas Mann, Willy Brandt oder Günter Grass verwandt war, dringt nichts nach außen. Kein Mitschüler, der plappert, kein Nachbar, der von Kinderstreichen zu berichten hätte, keine Tante, die es schon immer gewusst hat.

Zwar gibt es da die in aller TV-Öffentlichkeit ausgestellte Zusammenführung mit Vater Terry, der nach 15 Jahren ohne Kontakt zur Tochter von Frau Klum aus Las Vegas nach Los Angeles geholt wurde, was sogar die Topmodel-Konkurrentinnen zu Tränen rührte, es gibt auch die Fotos von Anuthida selbst gepostet, die sie mit ihrem Freund zeigen und die mit dem Text „Ich hoffe, ihr findet alle jemanden, der euch niedliche Namen gibt und euch sagt, es ist süß, wenn ihr peinliche Dinge tut, und euch umarmt, wenn es früh am Morgen ist, und euch das Gefühl gibt, als würde in eurem Körper eine ganze Disneyland-Feuerwerks-Show losgehen, und euch niemals gehen lässt. Denn ich habe jemanden gefunden“, versüßt sind.

Aber es gibt nichts Hervorgezerrtes, Verratenes, Ausgeplaudertes. Anus Privatleben ist eines der bestgehüteten Geheimnisse des Nordens. Man könnte meinen, das schöne Kind sei ein außerirdisches ganz ohne Wurzeln, wenn nicht im aufgezeichneten finalen Finale Familienangehörige mit überwältigender Tochter- und Schwester-Ähnlichkeit zu sehen gewesen wären.

Als „lustiger Kumpeltyp“ wird sie bei Pro7 angepriesen; dort ist auch zu lesen, dass ihr Hobby Singen ist. Außerdem: „Anuthida ist sehr bodenständig und hat immer ein offenes Ohr für ihre Freunde.“ Sie wünsche sich „seit Kindertagen, später beruflich als Model durchzustarten. Ihr größtes Vorbild: Naomi Campbell. Um ihr Ziel zu erreichen, wird ihr Zimmer zum Catwalk, wo sie eifrig das Laufen auf High Heels übt. Das Lebensmotto der 17-Jährigen lautet: ,Ich bereue nichts!’“

Die Person bleibt ohne Kanten. Zwar weiß der Sender auch von den Konkurrentinnen nichts Gehaltvolles zu berichten. Zur Staffel-Siegerin Vanessa aber gibt es von der ersten Folge an eine Familie, die seit 60 Jahren mit einem Textilreinigungs-Unternehmen in Bergisch Gladbach verortet ist (und die anders als Familie Ploypetch ins Telefonbuch eingetragen ist). Von der drittplazierten Ajsa Selimovic aus Burladingen mäandert das von Heidi Klum getadelte Foto mit dem Penis-Lolly durchs Netz – vielleicht kein kluger Persönlichkeits-Marker, aber immerhin.

Anuthida zeigte von der ersten Staffel an der laufenden Kamera eine exorbitant geringe Neigung zum Lästern und Zicken oder Auffälligkeiten. Grundsätzlich bremst so viel Nettigkeit zwar den Spaß für die Zuschauer, aber man hatte heuer bis kurz vor Schluss Darya, die diesen Job nach bester Schwerstarbeiter-Manier erledigte.

Unterdessen grämen sich Anus Fans weiter. Bei Instagram habe sie mit Anstand die meisten Follower vor Vanessa und Ajsa gehabt, wird mit buchhalterischer Strenge festgestellt. Und überhaupt hatte Anu wie die Siegerinnen von 2013 und 2014 den fetten Job beim Werbepartner Opel ergattert. Das galt allemal als sicheres Indiz für einen Staffel-Sieg. Bis Donnerstag.

Warum Anuthida nicht gewonnen hat, bleibt das Geheimnis von Heidi Klum, Thomas Hajo und Wolfgang Joop. Die haben – und das ist das eigentlich bemerkenswerte an der GNTM-Jubiläumsstaffel 10 – über einen zum Davonlaufen langweiligen Schluss zu Gericht gesessen. Weil das eigentliche Finale am 14. Mai in Mannheim wegen einer Bombendrohung abgebrochen werden musste, war nun eine Aufzeichnung vor kleinem, aus Familienangehörigen der Finalistinnen bestehendem Publikum zu sehen. Man war nach New York ausgewichen, aber die Stadt, die sonst niemals schläft, konnte diese Show nicht inspirieren.

Dass der Papierschnipsel-Regen am Ende auf Vanessa niedergeht, mag am „Bauchgefühl“ liegen, das Heidi Klum vorher ins Spiel brachte, eher aber wohl an der größten Massentauglichkeit. Schließlich geht es nicht allein um 100.000 Euro Preisgeld und das neuerliche Abbild auf dem Cover der „Cosmopolitan“, sondern ums Geschäft. Wie alle Jahre sind auch die GNTM-Mädchen 2015 an die Modelagentur Oneeins Management gebunden. Und die gehört Heidi-Vater Günther Klum.

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