Todeszonen und Hoffnung : Globaler Klimawandel: Was die Ostsee Forschern über die Zukunft der Ozeane verrät

Mit Instrumenten wie diesem Kranzwasserschöpfer untersuchen Wissenschaftler das Wasser der Ostsee.
Mit Instrumenten wie diesem Kranzwasserschöpfer untersuchen Wissenschaftler das Wasser der Ostsee.

Schon jetzt passieren im Brackwassermeer Veränderungen, die Forscher in Zukunft für die Ozeane erwarten.

shz.de von
14. Mai 2018, 10:22 Uhr

Kiel/Rostock | Die Folgen des aktuellen Klimawandels und anderer menschlicher Einflüsse auf die Meere sind nach Überzeugung von Experten in der Ostsee bereits jetzt deutlich zu erkennen. Erwärmung, Versauerung, Überdüngung und der Verlust von Sauerstoff seien nur einige Beispiele für gravierende Veränderungen.

Diese Prozesse spielten sich in der Ostsee ausgeprägter und schneller als in anderen Meeren ab. Zu diesem Fazit kommt ein internationales Team vor rund 25 Forschern aus sieben Ländern im Fachjournal „Science Advances“.

 

Warmes Wasser, wenig Sauerstoff

„Dieses einzigartige Brackwassermeer kann als eine Art Zeitmaschine dienen, die uns zukünftige globale Entwicklungen besser abschätzen lässt“, erklärte Thorsten Reusch vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ostseeforschung in Kiel. Veränderungen, die für die Ozeane erwartet würden, seien in der Ostsee bereits eingetroffen.

Als Beispiel nennen die Forscher die Wassertemperatur. Während sich die Ozeane in den vergangenen 30 Jahren um durchschnittlich 0,5 Grad Celsius erwärmt hätten, zeigten Messreihen für die Ostsee im selben Zeitraum eine Erwärmung um etwa 1,5 Grad Celsius. Es gebe inzwischen ausgeprägte sauerstofffreie Zonen in tiefen Bereichen der Ostsee. Deren Ausdehnung habe sich im vergangenen Jahrhundert verzehnfacht.

Der Säurewert (pH-Wert) des Ostsee-Wassers erreiche bereits heute regelmäßig Werte, die im Zuge der Ozeanversauerung in tieferen Ozeanen erst im nächsten Jahrhundert erwartet würden. „Diese Extremwerte kommen durch das Zusammenwirken der besonderen Topographie der Ostsee und der intensiven Nutzung durch den Menschen zustande. Schließlich grenzen neun zum Teil hochindustrialisierte und dicht besiedelte Länder an die Ostsee, die die Ressourcen des Meeres nutzen“, erläuterte Daniel Oesterwind vom Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock.

Auch positive Entwicklungen

Die Ostsee sei jedoch keineswegs nur ein Negativbeispiel für menschgemachte Umweltbeeinträchtigungen. Sie biete auch Beispiele für gelungenes Management. So hätten es die Anrainer geschafft, die bis dahin viel zu hohen Nährstoffeinträge von den 1980er Jahren an deutlich zu reduzieren. Basis dafür seien verbindliche Vereinbarungen gewesen, in die frühzeitig auch Russland einbezogen worden sei. Ähnlich sei es mit der Vorgabe von Fangquoten für die Fischerei, für den Schutz von Meeressäugern und der Vogelbestände.

Die Forscher sprechen sich dafür aus, den Ostseeraum als Modellregion zu nutzen. Das vergleichsweise geringe Wasservolumen und der langsame Wasseraustausch mit dem offenen Ozean wirkten wie ein Verstärker, der viele Prozesse schneller ablaufen lasse.

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