Dioxin in Eiern : Giftiges Futter aus Schleswig-Holstein

In diesem Betrieb in Uetersen wurden Futterfette mit industriellen Fetten vermengt. Foto: dpa
In diesem Betrieb in Uetersen wurden Futterfette mit industriellen Fetten vermengt. Foto: dpa

Der Verursacher für die Dioxin-Belastung in Eiern ist ein Futterhersteller aus Schleswig-Holstein. Er mischte technische Fette ins Hühnerfutter.

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03. Januar 2011, 10:43 Uhr

Die Dioxinfunde in Eiern und Geflügelfleisch - ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein ist als Verursacher identifiziert. Wie das niedersächsische Landwirtschaftsministeriums mitteilt, handelt es sich um die Firma "Harles und Jentzsch Futterfette". Sie hat ihren Sitz in Uetersen. "Wir haben die Verunreinigung bei einer Routineuntersuchung selbst festgestellt und sofort den Behörden gemeldet", sagte Siegfried Sievert, Produktionsleiter der Firma Harles und Jentzsch aus Uetersen am Sonntag dem Westfalen-Blatt in Bielefeld. "Wir haben bislang noch keine Erklärung dafür." Man arbeite bei der Suche nach der Ursache der Verunreinigung mit den Behörden intensiv zusammen.
In dem Betrieb sind nach bisherigen Erkenntnissen Fette zur Herstellung von Tierfutter mit technischen Fetten vermischt worden, die zur Papierherstellung benutzt werden. Unklar ist, ob die Verseuchung durch menschliches Versagen, einen technischen Fehler oder vorsätzlich verursacht wurde.
Festgestellt wurden die erhöhten Dioxinfunde in Eiern und Geflügel bislang in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen sind 20 Geflügelbetriebe betroffen, die täglich 400.000 Eier produzieren. Auch in Nordrhein-Westfalen gerieten nach den Dioxinfunden landwirtschaftliche Betriebe ins Visier der Verbraucherschützer. Auf bis zu 25 Höfen stünden Kontrollen bevor, sagte Nordrhein-Westfalens zuständiger Minister Johannes Remmel (Grüne).
Der Weg der Fette lässt sich kaum zurückverfolgen
Inzwischen ist damit zu rechnen, dass die Dioxinfunde bundesweite Dimensionen haben. Eine Geflügelfarm in Soest erhielt Hühnerfutter von einem Händler im niedersächsischen Bösel, der mindestens neun weitere Unternehmen in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen beliefert hat.
Ob auch Geflügelbetriebe in Schleswig-Holstein betroffen sind, ist laut Kiels Regierungssprecher Knut Peters nicht bekannt. Ohnehin sei es schwierig, den Weg der verseuchten Fette zurückzuverfolgen. Grund: Die Fette wurden einem Futtermittel beigemischt, das wiederum mit anderen Futtermitteln verschnitten wurde. "Wir können nicht sagen, ob und wohin die Fette in Schleswig-Holstein vertrieben wurden."
Peters bestätigte, dass die Firma aus Uetersen vor einigen Tagen von sich aus das Kieler Umweltministerium darüber informiert hatte, dass es zu der Vermengung von Fetten gekommen sei. "Wir haben aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Hinweise darauf, dass die Dioxin-Belastungen von Eiern in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Uetersener Betrieb stehen." Das Landeslabor untersuche Proben aus der Firma. Ergebnisse werden im Laufe der Woche erwartet. Unklar sei ebenfalls noch, über welchen Zeitraum es zu der Vermengung kam. "Wir haben neue Hinweise, dass Futterhersteller mit dem verunreinigten Fett nicht nur bis Mitte November, sondern bis Mitte Dezember beliefert wurden", teilte unterdessen in Hannover Ministeriumssprecher Gert Hahne mit. Doch wann begann die Vermischung und um welche Mengen handelt es sich? Darüber liegen laut Peters keine Erkenntnisse vor.
Belastung "nur gering" über dem zulässigen Grenzwert
Der Kieler Regierungssprecher sagte zudem, dass die festgestellte Dioxin-Belastung in Eiern "nur gering" über dem zugelassenen Grenzwert liege. Bei Kontrollen in dem Legehennen-Betrieb in Soest waren allerdings deutlich erhöhte Dioxin-Belastungen festgestellt worden. Greenpeace-Experte Manfred Santen: "Dioxine können schon in kleinen Mengen krebserregend sein." In Deutschland würden sie in erster Linie über Nahrungsmittel aufgenommen, zum Beispiel über Milch.
In Niedersachsen wurde inzwischen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, und Ministeriumssprecher Gert Hahne meint: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass auf das Unternehmen in Uetersen Schadensersatz-Forderungen der betroffenen Eierproduzenten und Hähnchenmäster zukommen können."

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