Special Olympics in Kiel : „Gewinnen ist nicht so wichtig“: Justin tritt beim Tischtennis an

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Die Mitglieder des Teams der Meldorfer Gelehrtenschule.

Der 17-Jährige spielt in einem gemischten Team Tischtennis. Er genießt es, beim Sport neue Menschen kennenzulernen.

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17. Mai 2018, 16:41 Uhr

Kiel | Die Stralsundhalle am Winterbeker Weg ist bis zum letzten Platz gefüllt. Auf der Tribüne und an den Tischtennis-Tischen tummeln sich Athlen, Schiedsrichter, Betreuer und Familienangehörige. Kilian Bartelt ist mit einem gemischten Team aus Schülern von der Meldorfer Gelehrtenschule (Dithmarschen) und der Astrid-Lindgren-Schule, an der Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf unterrichtet werden, am Start.

Der Gymnasiallehrer ist selbst Spitzenspieler beim Verbandsoberligisten TSV Brunsbüttel und gründete dieses Jahr eine Tischtennis-AG für Schüler beider Schulen. Justin, Nik und Luca treten im Unified-Wettbewerb gemeinsam an. Der 17-jährige Justin ist an zwei Wettkampftagen am Start. „Es ist schön auch mal mit den Gymnasiasten zusammen Sport zu machen und nicht immer mit denselben Leuten seinen Nachmittag zu verbringen.“

Ob er dabei gewinnt oder verliert ist Justin dabei gar nicht so wichtig – ganz nach dem Titelsong der Special Olympics „Ich gewinn, egal ob ich Dritter, Zweiter oder Erster bin.“ Ganz ähnlich sehen es Luca und Nik, die zwar motiviert in die Wettkämpfe gehen, sich aber in erster Linie über das Miteinander freuen. Für Nik ist die Tischtennis-AG nicht das erste Projekt mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Der 15-Jährige hat vorher schon an der Meldorfer Gelehrtenschule an einem inklusiven Theaterprojekt teilgenommen und war derart begeistert, dass er auch an der Tischtennis-AG teilnimmt.

Lehrer Kilian Bartelt sieht Sport vor allem als unkompliziertes Inklusionsangebot: „Die Sportangebote bieten sich total an, da Barrieren im Kopf so leicht überwunden werden können. Häufig haben meine Schüler neben dem stressigen Schulalltag nicht die Möglichkeit soziale Projekte zu unterstützen, deshalb ist die Tischtennis-AG in der Schule eine tolle Option.“ Etwas unzufrieden zeigen sich Justin und Luca mit der Organisation. Da die Tischtenniswettkämpfe über den ganzen Tag laufen, haben die Special Olympics-Athlet kaum Möglichkeiten andere Programmpunkte wie die kostenlose medizinische Beratung, wettbewerbsfreie Sportangebote oder den Poetry Slam wahrzunehmen.

Beeindruckt sind die Schüler von der Zahl an Freiwilligen rund um die Stralsundhalle. Die Volunteers betreuen die Sportler bei den Spielen, geben am Halleneingang für alle Athleten kostenlos Getränke aus und begleiten die Wettkämpfe als ZählschiedsrichterInnen.

Dass aufgrund des riesigen Andrangs von 4600 Teilnehmern nicht alle Interessierten teilnehmen konnten, enttäuschte den 22-Jährigen Cedric. Der Rollstuhlfahrer trainierte in einer Sportgruppe der Stiftung Drachensee monatelang für die Tischtennis-Wettkämpfe, konnte allerdings letztlich nicht berücksichtigt werden. „Zwar habe ich für das Event monatelang trainiert, ich freue mich aber auch, Teil der Inklusiven Redaktion mit den Studenten zu sein und so über die Special Olympics zu berichten.“ Bessere Chancen könnte der Preetzer 2023 haben. Dann sollen die Weltspiele der Special Olympics in der Fördestadt stattfinden.

Die Autoren dieses Interviews sind Studenten der Christian-Albrechts-Universität und berichten für uns von den Special Olympics.

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