Mordprozess : Getöteter Flüchtling auf Amrum: Urteil erwartet

Die beiden Angeklagten sollen den Flüchtling aus dem Irak am 27. April 2017 in die Dünen gelockt, getötet und anschließend im Sand vergraben haben.

Die beiden Angeklagten sollen den Flüchtling aus dem Irak am 27. April 2017 in die Dünen gelockt, getötet und anschließend im Sand vergraben haben.

Am Dienstag wird das Urteil gegen die beiden Angeklagten erwartet. Die Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen.

shz.de von
22. Mai 2018, 07:18 Uhr

Flensburg | Im Mordprozess um einen auf der Insel Amrum getöteten Flüchtling wird am Dienstag (14 Uhr) das Urteil gegen die beiden Angeklagten erwartet. Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche in ihren Plädoyers am Landgericht Flensburg lange Haftstrafen gefordert. Ein zur Tatzeit 19-Jähriger soll demnach nach Jugendstrafrecht zu acht Jahren wegen Mordes verurteilt werden, der damals 26 Jahre alte Angeklagte zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Die beiden Deutschen sollen den Flüchtling aus dem Irak am 27. April 2017 in die Dünen gelockt, getötet und anschließend im Sand vergraben haben.

Die Staatsanwältin zeigte sich in ihrem Schlussvortrag überzeugt, dass die beiden Männer das spätere Opfer unter einem Vorwand bereits mit Tötungsvorsatz in die Dünen gelockt und dessen Arg- und Wehrlosigkeit ausgenutzt haben. Als Motiv nannte die Staatsanwältin, dass die beiden Männer glaubten, der Iraker habe die Schwester beziehungsweise Freundin der Angeklagten Monate zuvor vergewaltigt. Die Staatsanwältin war aber überzeugt, „dass es diese Vergewaltigung nie gegeben hat“.

Auch die Verteidiger schlossen in ihren Plädoyers eine Vergewaltigung aus. Sie betonten aber, dass die Angeklagten von einer solchen überzeugt gewesen seien. Anders als die Staatsanwaltschaft sahen sie keinen Tötungsvorsatz, als sie den Iraker aufsuchten. Vielmehr wollten sie den Mann zu Rede stellen. Der Moment, wo die Situation eskalierte, sei der gewesen, als dieser nicht mit zur Polizei wollte.

Sie plädierten auf Totschlag. Der Anwalt des jüngeren Angeklagten hielt eine Jugendstrafe von unter fünf Jahren für angemessen. Der Verteidiger des älteren Angeklagten forderte eine Strafe von acht Jahren Haft.

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