Rockerkrieg in SH : Geständnis: Polizistin hat Daten an Rocker weitergegeben

Die angeklagte Polizistin Melanie B. (r) kommt in den Saal des Landgerichtes. Die 45-Jährige soll 2012 in 39 Fällen einem Red-Devils-Rocker (2.v.l) gegen Bezahlung Informationen zu Fahrzeugen von gegnerischen Rockern gegeben haben.

Die angeklagte Polizistin Melanie B. (r) kommt in den Saal des Landgerichtes. Die 45-Jährige soll 2012 in 39 Fällen einem Red-Devils-Rocker (2.v.l) gegen Bezahlung Informationen zu Fahrzeugen von gegnerischen Rockern gegeben haben.

Die angeklagte Beamtin hat zugegeben, der Rockergruppe Red Devils Halter von Fahrzeugen genannt zu haben.

shz.de von
14. Juni 2018, 16:32 Uhr

Kiel | Im Bestechungsprozess gegen eine Beamtin der Kieler Polizei und einen Ex-Rocker hat die angeklagte Oberkommissarin die Verletzung des Dienstgeheimnisses zugegeben, den Vorwurf der Bestechlichkeit aber entschieden zurückgewiesen. Die 45-Jährige sagte am Donnerstag vor dem Kieler Landgericht aus, sie habe unerlaubt die Polizeidatenbank genutzt, um dem Rocker Halter von Fahrzeugen zu nennen, deren Autokennzeichen er nannte. Sie sei sich in dieser Hinsicht ihrer Schuld bewusst, habe sich aber von dem 55-jährigen Mitangeklagten bedroht gefühlt, sagte die alleinerziehende Mutter in der mehrstündigen Vernehmung. Der Rocker muss sich wegen Bestechung und Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses verantworten.

Der 55-Jährige sprach sie demnach im Sportverein ihrer beiden Söhne an. Dort habe er für sie schon vom Hörensagen als aggressiv und bedrohlich geklungen, sagte sie. Dass der Mann im Tatzeitraum August 2011 bis Februar 2012 führendes Mitglied der Rockerguppe Red Devils gewesen sei, habe sie nicht gewusst – trotz seiner bei Rockern üblichen schwarzen Kluft. Laut Anklage forschte der Mann über sie Namen und Anschriften konkurrierender Rocker aus.

Ausdrücklich widersprach die seit 2012 suspendierte und inzwischen vorläufig vom Dienst enthobene Frau der Anklage der Bestechlichkeit. Sie habe von dem Mann für die abgefragten Halterdaten niemals Geld gefordert oder erhalten. Sie habe damals finanziell sehr gut dagestanden und hätte „den Beamtenstatus nie für ein paar Euro aufgegeben“, sagte sie. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sie pro Datensatz zehn Euro bekommen haben.

Bei einer Verurteilung drohen der Angeklagten je nach Strafhöhe der Verlust des Beamtenverhältnisses und der Pensionsansprüche. Die Ermittlungen gegen die Beamtin laufen seit 2012, als der sogenannte Rockerkrieg mit zahlreichen Gewalttaten in Schleswig-Holstein Schlagzeilen machte. Der Prozess wird am 21. Juni um 9 Uhr fortgesetzt.

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