Deutsch-dänische Geschichte : Gemeinsames Gedenken auf Düppel

Geste guter Nachbarschaft: Gemeinsam marschierten deutsche und dänische Soldaten von Düppel nach Sonderburg. Foto: sk
Geste guter Nachbarschaft: Gemeinsam marschierten deutsche und dänische Soldaten von Düppel nach Sonderburg. Foto: sk

Deutsch-dänische Schlacht als Mahnung für die Gegenwart / Deutsche Soldaten in Sonderburg: gemischte Reaktionen

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19. April 2011, 06:29 Uhr

Sonderburg | 147 Jahre nach der Schlacht von Düppel nahmen dänische und deutsche Soldaten erstmalig an einem gemeinsamen Gedenkmarsch durch die Straßen von Sonderburg teil.

Bei der Gedenkfeier sprach unter anderem der deutsche Botschafter in Dänemark, Christoph Jessen.

Bei strahlendem Sonnenschein kamen gestern hunderte Menschen zu den Düppeler Schanzen, um der Gedenkfeier anlässlich des 147. Jahrestages der Schlacht vor Ort beizuwohnen. Im Anschluss folgte mit der Marschzeremonie der Soldaten die traditionelle Parade hinab nach Sonderburg. Dass daran erstmals deutsche Soldaten teilnahmen, war für die meisten Zuschauer buchstäblich ein Schritt in die richtige Richtung. Nur vereinzelt gab es am Wegesrand kritische Stimmen zur Teilnahme der Deutschen.

"Wir gedenken heute der Toten und Verwundeten der Schlacht von Düppel. Trauer macht nicht vor Grenzen halt. Aber Düppel ist wie kaum ein anderes Ereignis zudem verbunden mit der Entfremdung zwischen Dänemark und Deutschland. Auch und gerade deshalb bewegt es mich zutiefst, dass ich heute hier zu Ihnen sprechen darf", sagte Christoph Jessen und betonte in seiner Rede, die er sowohl auf deutsch als auch auf dänisch hielt, dass die Schlacht von Düppel auch heute noch in Dänemark ein Medienereignis sei. Dadurch werde klar, so der deutsche Botschafter, welch tiefe Bedeutung Düppel für das dänische Selbstverständnis gehabt hat und auch noch hat.

"Aus Menschen wurden Feinde. Das sitzt tief, das ist nicht vergessen. Aber es tritt immer mehr in den Hintergrund. Wir leben und arbeiten zusammen, wir sind Nachbarn, gute Nachbarn und Freunde. Wir gedenken heute der Schlacht von Düppel. Das ist wichtig. Aber es gab auch eine Zeit davor - und eine Zeit danach. Heute trennt die Grenze nicht mehr, sie vereint. Düppel ist nicht nur ein Rückblick, sondern auch eine Verpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft", so Christoph Jessen.

Nach der offiziellen Kranzniederlegung auf den Düppler Höhen marschieren die dänischen und deutschen Soldaten erstmalig gemeinsam von Düppel durch die Straßen von Sonderburg zurück zur Kaserne und legen dabei eine Strecke von rund vier Kilometern zurück. Die Soldatinnen aus Ahlen sind sich einig. Leutnant Rieth und Oberstleutnant Nitschke nicken zustimmend. "Wir hatten gestern nach unserer Ankunft erst einmal einen Kameradschaftsabend in der Sonderburger Kaserne. Klar, wir haben mit den dänischen Kollegen auch darüber gesprochen, ob die Teilnahme unserer deutschen Soldaten am Marsch in Ordnung ist. Die meisten finden: Ja klar. Wir sind alle Menschen, egal welche Uniform wir tragen. Darunter sind wir alle gleich. Alles andere ist lange her", meint Soldatin Oberleutnant Nitschke.

Kurz hinter der Mühle dünnt die Zahl der Teilnehmer am Zug nach Sonderburg deutlich aus. Viele flanieren zurück zu den Schanzen, gehen ins Geschichtszentrum oder zur Liveübertragung an der Mühle. Der Sonderburger Robert Jensen aber läuft mit Frau Inge, Tochter Lotte und den Enkelkindern mit hinab in die Stadt. "Ich nehme an dieser Veranstaltung seit Jahren teil. Es ist eine wertvolle Tradition für mich. Und für meine Tochter und meine Enkelkinder ist es jetzt eine tolle Gelegenheit, mit Geschichte in Berührung zu kommen. Dass nun deutsche Soldaten

mitmarschieren - nun, wir alle sind gleichwertig. Heute kämpfen wir Seite an Seite", so Robert Jensen.

Vorbei an Schloss und Hafen nähert sich der Umzug der Kaserne. An der Havbogade steht ein Anwohner, der die Teilnahme der Deutschen nicht so positiv bewertet, sie als Provokation empfindet. "Nicht für mich selbst. Aber für all jene, die aktiv im Widerstand tätig waren. Die das Konzentrationslager kannten. Da sind Gefühle, die verletzt werden. Ich finde, man hätte noch ein paar Jahre warten müssen."

Bis in den Nachmittag hinein herrschte Hochbetrieb auf Düppel. Die von Danmarks Radio auf P4 und P1 übertragenen Live-Sequenzen aus der Verwalterwohnung der Düppeler Mühle sind ein Publikumsmagnet. Während Szenen originalgetreu ein- und nachgespielt wurden, gab es in der Feldküche Kost anno 1864.

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