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Weltweite Initiative : Gemeinsam ins Internet der Dinge: „The Things Network“ in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gemeinsam mit dem Freifunk Schleswig-Flensburg soll das Internet der Dinge in SH zum Bürgernetz werden.

von
erstellt am 06.Mai.2017 | 16:38 Uhr

Schleswig | Ein Messgerät ermittelt automatisch den Feuchtigkeitsgehalt des Bodens auf einer Ackerfläche und schickt die Werte an eine Datenbank. In dem Szenario, das Sönke Brix zeichnet, braucht es dafür aber keine WLan-Verbindung und kein mobiles Internet. „LoRaWAN“ (Long Range Low Power Wide Area Network) heißt die Funk-Technik, die kleinere Datenpakete wie Temperaturwerte, den Sauerstoffgehalt von Gewässern, den Zustand einer Alarmanlage oder eben die Feuchtigkeit im Boden drahtlos über größere Distanzen transportieren kann.

„Im urbanen Raum sind zehn bis 15 Kilometer realistisch“, so Brix. Je freier die Bahn für die Funkwellen, desto größer die Reichweite. Das Messgerät muss also nicht direkt mit dem Internet verbunden sein, sondern sendet die Daten einfach zum nächstgelegenen Anschlusspunkt. Von dort aus geht es dann ins Internet.

Das Besondere an dem Netz der Initiative „The Things Network“ (TTN): Es solle „eine Infrastruktur bereitstellen, die für jedermann zugänglich ist“, sagt Brix – geschaffen von der Gemeinschaft für die Gemeinschaft. Denn wie die Idee der Freifunk-Initiativen im Land, ein flächendeckendes und für jeden zugängliches WLan-Netz zu schaffen, indem Freiwillige ihre Router miteinander verbinden, soll auch TTN über die Verbindung von privaten Knotenpunkten und das Öffnen von Zugängen zur TTN-Infrastruktur zu einem großen Bürgernetz heranwachsen.

So funktioniert Freifunk:

Bei der Freifunk-Gemeinde des Kreises Schleswig-Flensburg fiel die Idee auf fruchtbaren Boden: „Eine großartige Kooperation“, sagt Freifunker Frank Radzio. „Wir wollen die Menschen an das Thema heranführen und zeigen, dass das Internet der Dinge nicht nur etwas ist, das die Menschen ausspäht, sondern etwas, das man selbst gestalten kann.“

Gerade für ein Flächenland wie Schleswig-Holstein sei das Gemeinschaftsnetz der Initiative TTN, die es dank des Ehrenamtlers und Technik-Enthusiasten Sönke Brix in den Norden geschafft hat, eine große Chance, sagt der Initiator selbst. Landwirte könnten so beispielsweise den Einsatz von Düngemitteln oder Bewässerung effizienter gestalten, indem sie automatisiert Daten zur Auswertung bekämen.

Weltweit sind Freiwillige von der Idee begeistert: 15.134 Mitglieder in 84 Ländern kann TTN verzeichnen. Seinen Anfang hatte das Projekt in Amsterdam. Die Hauptstadt der Niederlande konnte innerhalb von nur vier Wochen komplett an das Internet der Dinge angeschlossen werden. Davon ist man in Schleswig-Holstein noch weit entfernt. Bislang gebe es nur zwei Knotenpunkte, sagt Brix. Einen in Schleswig und einen in Tarp (Kreis Schleswig-Flensburg).

Kleine Verbesserungswünsche gibt es noch: Derzeit gebe es einen zentralen Hersteller für die Chips in den Funkmodulen, sagt Brix. „Wir gehen aber davon aus, dass es für die Chips über Kurz oder Lang auch alternative Anbieter geben wird.“ Und: „Die Übertragungstechnik ist keine Raketenwissenschaft und lässt sich leicht adaptieren.“

Im Hinblick auf die Datensicherheit sieht Brix keinen akuten Handlungsbedarf: „Die Sicherheit ist früh in die System-Architektur eingebracht.“ Die Daten würden im Messgerät verschlüsselt und könnten erst durch den individuellen Empfänger selbst wieder entschlüsselt werden. „Ich halte die Technik für mehr als ausreichend für die Anwendungszwecke.“ Allerdings müsse man sich generell „natürlich Gedanken machen, dass die Sicherheit nicht auf diesem Niveau stagniert, sondern dass wir an einer Verbesserung arbeiten“, sagt Brix mit Blick auf die Zukunft.

Jetzt – im Testbetrieb – sende man die gesammelten Daten nicht nur auf eigene Server, sondern außerdem an die Server der Mutter-Initiative. Später wollen die Freifunker aber eine eigene Plattform aufsetzen – die Software ist quelloffen, also für eigene Zwecke anpassbar. Dadurch und durch den Community-Ansatz mache man sich unabhängig von kommerziellen Anbietern und werde Herr seiner Daten, sagt Radzio. „Da wollen wir mal sehen, ob wir hier oben nicht eine schlagkräftige Truppe zusammen bekommen.“

Frank Radzio selbst ist mit Eifer dabei auszuloten, wie man die Technik am besten nutzt und über die Freifunk-Community in die Fläche bringt – in einem ersten Projekt sammelt er Daten über einen Bienenstock. Sensoren messen Gewicht, Temperatur, Lichtverhältnisse oder Luftfeuchtigkeit und senden die Daten dann per „LoRaWAN“ über Gateway und Freifunk-Router in eine Datenbank. „Wie das Ganze nachher genau enden wird, weiß ich noch nicht.“ Man befindet sich eben im Testbetrieb.

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