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JVA Lübeck-Lauerhof : Geiselnahme an Weihnachten: Langjährige Haftstrafen gefordert

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Aus der Onlineredaktion

Vier Männer nehmen einen Wachmann gefangen - der Ausbruchversuch misslingt. Das Gericht hört nun das Plädoyer der Staatsanwaltschaft.

Lübeck | Der Fall hatte für viele Schlagzeilen gesorgt, nun geht der Prozess um die Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck-Lauerhof nach rund sechs Monaten in die Endphase. Die Staatsanwalt hat am Mittwoch langjährige Haftstrafen für die Angeklagten gefordert. Die Männer hätten nicht nur ihre Geisel nachhaltig beeinträchtigt, sondern auch ihren Mitgefangenen erhebliche Nachteile zugefügt, sagte Staatsanwalt Martin Peterlein am 18. Verhandlungstag. Für den 23 Jahre alten Hauptangeklagten beantragte Peterlein eine Haftstrafe von fast sieben Jahren, für die Mitangeklagten forderte er Strafen zwischen fünf Jahren neun Monaten und zwei Jahren. 

Die Geiselnahme hatte der Anstaltsleiterin ihren Job gekostet. Gegen einen Vollzugsbeamten wurden wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt, die Justizministerin geriet in Bedrängnis. shz.de hatte den breiten Fall vor Prozessbeginn in einer Chronik nachgezeichnet.

Was war passiert? Vier Gefangene sollen am Heiligabend 2014 einen Justizvollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht haben, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Der Plan misslang, die Geisel wurde von Kollegen befreit. Weil die damalige Anstaltsleiterin den Vorfall erst einen Tag später der Polizei meldete, musste sie ihren Posten räumen. Jetzt ist ein Ende des Prozesses in Sicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft den aus Russland, Litauen und Georgien stammenden Angeklagten gemeinschaftliche Geiselnahme, gemeinschaftliche schwere Körperverletzung, Nötigung und versuchte Gefangenenmeuterei vor. Sie sollen ihr Opfer unter einem Vorwand in die Zelle gelockt und überwältigt haben. Dann soll einer von ihnen den Wärter mit einem Messer bedroht und andere Beamte gezwungen haben, zwei Türen in der JVA zu öffnen. Dem Justizvollzugsbeamten gelang es schließlich, sich mit Hilfe von Kollegen zu befreien und Alarm auszulösen. In dem Prozess ging es vor allem um die Frage, ob die Angeklagten zur Tatzeit betrunken waren oder nicht. Die Männer selbst haben im Prozess ausgesagt, sie hätten in der Zelle im Laufe des Nachmittags zu viert rund zweieinhalb Liter selbst gebrannten Alkohol getrunken.

Nach Aussagen eines Brennmeisters, den das Gericht als Sachverständigen befragte, könnte dieser Schnaps bis zu 42 Volumenprozent Alkohol enthalten haben. Wie viel Promille die Männer tatsächlich im Blut hatten, ist unbekannt. Da die Polizei erst einen Tag nach dem Vorfall benachrichtigt wurde, waren Alkoholtests nicht mehr möglich. Das hatten die Verteidiger im Prozess heftig kritisiert.

Die damalige Anstaltsleiterin begründete in ihrer Aussage vor Gericht ihre Entscheidung unter anderem mit dem Feiertag. Wäre die Polizei gerufen worden, hätte die gesamte Schicht im Dienst bleiben müssen, hatte sie im Februar ausgesagt. Außerdem sei die Situation nach kurzer Zeit unter Kontrolle gewesen und die Angeklagten seien in besonders gesicherten Zellen untergebracht worden. Das Vorgehen der damaligen JVA-Chefin hatte auch den schleswig-holsteinischen Landtag beschäftigt und Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) in Bedrängnis gebracht.

In einer Woche sollen die Schlussvorträge der Verteidiger beginnen.

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erstellt am 13.Apr.2016 | 12:46 Uhr

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