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Vogelgrippe : Geflügelzüchter in SH beklagen zu niedrige Entschädigung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

2,2 Millionen Euro haben die Geflügelbetriebe aus dem Tierseuchenfonds erhalten. Züchter beklagen deutlich höhere Ausfälle.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2017 | 10:00 Uhr

Kiel | Zwei Wochen nach dem offiziell erklärten Ende der Geflügelpest in Schleswig-Holstein sind alle betroffenen Tierhalter entschädigt. Das Land hat dafür rund 2,24 Millionen Euro aus dem Tierseuchenfonds ausgegeben, in den die Halter auch selbst einzahlen. Der beinhaltet die Kostenerstattung für Tierverluste, die Tötung und unschädliche Beseitigung sowie Kosten für die Grobreinigung. „Wir hatten aber auch Ausgaben für neue Vermarktung, etwa das Bekleben von neuen Eierpackungen, für andere Reinigungsarbeiten – und natürlich für die Wiederaufstallung“, sagt der Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg, Hans Peter Goldnick. Denn aus dem Fonds wird nur der Verkehrswert der Tiere auf Grundlage aktueller Marktwerte zum Zeitpunkt der Tötung ersetzt – nicht das Geld, das der Halter in die Aufzucht investiert hat. Um den Gesamtverlust schätzen zu können, bemüht Goldnick seine Rechenmaschine. „Ganz grob bleiben alle Geflügelhalter in Schleswig-Holstein zusammen auf einer bis zwei Millionen Euro sitzen.“

In Schleswig-Holstein grassierten parallel zwei Subtypen des Geflügelpesterregers: HPAIV H5N8 und H5N5. Besonders betroffen war zuletzt die südliche Hälfte des Landes. Jetzt ist die Gefahr gebannt.

Dazu will Goldnick noch mit dem Agrarministerium reden, weil Produzenten von Freiland-Eiern, die diese wegen der langen Stallpflicht nicht mehr als solche verkaufen durften, Verdienstausfälle hatten. Allerdings gibt Goldnick zu, dass viele Verbraucher trotz fehlenden Etiketts für Freiland-Eier höhere Preise bezahlt hätten als für Eier aus Bodenhaltung. Das Land hat für die 57 im Norden betroffenen Freilandbetriebe 855.000 Euro bereitgestellt. Und auch der Tierseuchenfonds habe noch liquide Mittel von rund fünf Millionen Euro, sagt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel.

Im Zuge der Geflügelpest sind seit vergangenem Herbst laut Kabel etwa 68.800 Tiere gestorben oder wurden gekeult. Vor 14 Tagen erklärte Minister Robert Habeck (Grüne) die Geflügelpest für überstanden und hob die Stallpflicht auf. „Bei der aktuellen Geflügelpest-Epidemie handelt es sich um die bisher schwerste und am längsten andauernde in Europa seit Beginn der Aufzeichnungen. Insgesamt 29 europäische Staaten waren oder sind betroffen“, sagt Nicola Kabel. Derzeit werde geprüft, welche Schlussfolgerungen zu ziehen sind.

Aber: „Ganz grundsätzlich muss mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass die Geflügelpest auch in den kommenden Jahren ausbrechen kann.“ Hans Peter Goldnick hofft, dass der Kelch im Winter an ihm vorübergeht. „Wir werden auf Hygiene achten – aber das ist so wie beim Zähneputzen: Nachdem der Zahnarzt ein Loch gefunden hat, putzt man gründlicher – aber mancher lässt das nach einer Zeit wieder schleifen.“

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