Hallig Süderoog ist Sperrgebiet : Geflügelpest-Subtyp H5N6 erstmals in Schleswig-Holstein nachgewiesen

Wie diese Aylesburyenten müssen auch die anderen Geflügeltiere der Haltung auf Süderoog getötet werden.

Wie diese Aylesburyenten müssen auch die anderen Geflügeltiere der Haltung auf Süderoog getötet werden.

Der Subtyp H5N6 wurde bei Geflügel einer Haltung auf der Hallig Süderoog im Kreis Nordfriesland festgestellt.

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21. März 2018, 15:39 Uhr

In Schleswig-Holstein ist erstmals die Geflügelpest des Typs H5N6 nachgewiesen worden. Das teilte die Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Festgestellt wurde das Virus bei einer Geflügelhaltung auf der Hallig Süderoog im Kreis Nordfriesland, bestehend aus 57 Tieren mit Hühnern, Puten, Enten und Gänsen.

Bislang sind keine Infektionen des Menschen mit dem in Europa vorkommenden Geflügelpesterreger H5N6 bekannt. Erstmals wurde das Influenzavirus im Dezember 2017 in den Niederlanden nachgewiesen. Seitdem sind nach Angeben des Ministeriums Fälle in weiteren europäischen Staaten wie der Schweiz, dem Vereinigte Königreich, Irland, Schweden und Dänemark aufgetreten.

„Alle Tiere der Geflügelhaltung werden gemäß Geflügelpest-Verordnung getötet und fachgerecht entsorgt“, heißt es aus dem Ministerium. Mehrere verendete Tiere auf dem Hof hatten den Verdacht ausgelöst, der nach Untersuchungen im Landeslabor und im nationalen Referenzlabor bestätigt wurde.

H5N6 weist große genetische Ähnlichkeit zum H5N8 auf, das seit Winter 2016/2017 in Europa zirkuliert. Fälle treten in der Wildvogelpopulation und in einigen Ländern auch in kommerziellen und nicht-kommerziellen Geflügelhaltungen auf. Der bislang einzige Fall in Deutschland wurde bei einer Wildente in Bayern im Januar 2018 nachgewiesen.

Risikolage laut Labor unverändert

Nach bisherigen Untersuchungen handelt es sich bei dem in Europa festgestellten H5N6-Virus nicht um das gleiche wie derzeit in Südostasien auftretende H5N6-Virus, das zu Humaninfektionen geführt habe, sagte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Institus, dem nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza (FLI) auf der Ostseeinsel Riems bei Greifswald. Im Vergleich zu H5N8 seien zudem bislang deutlich weniger Fälle gemeldet worden. Nähere Vergleichsuntersuchungen zu H5N8 lägen aber bislang nicht vor.

Zu dem in Bayern Anfang Januar 2018 erwiesenen Fall von H5N6 bei einem Wildvogel und dem Fall jetzt auf der Hallig Süderooog sagte die FLI-Sprecherin: „Die Fälle ändern nichts an der Risikolage bezüglich der Geflügelpest.“ Die Gefahr, dass die Tierseuche in Deutschland auftritt, werde seit längerem als groß eingeschätzt.

Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet eingerichtet

Um den Ausbruchsbetrieb auf der Hallig Süderoog sind Restriktionszonen eingerichtet worden. Diese bestehen aus einem Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens zehn Kilometern um den Ausbruchsbetrieb.

Dementsprechend umfasst der Sperrbezirk die Hallig Süderoog und das Beobachtungsgebiet die Insel Pellworm. In diesen Zonen gelten bestimmte rechtlich vorgegebene Regelungen vor allem für Geflügelhaltungen. Diese umfassen beispielsweise ein Aufstallungsgebot sowie ein Verbringungsverbot für lebendes Geflügel.

Das Influenzavirus des Subtyps H5N8 wird weiterhin und in vermehrten Umfang seit Sommer 2017 in Italien festgestellt.

Habeck: Geflügelpest-Ausbruch war Frage der Zeit

Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck war der Ausbruch von H5N6 auf der Hallig Süderoog nur eine Frage der Zeit. „Der Vogelzug beginnt halt jetzt“, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch. An den kalten Tagen seien die Tiere nicht gezogen. „Die Vögel sind jetzt erschöpft, da geht es den Vögeln nicht anders als den Menschen.“

An der grundsätzlichen Gefahreneinschätzung ändert sich durch den Nachweis des Erregers nach Ansicht von Habeck nichts. „Jetzt bewegen sich die großen Zugschwärme und machen auf den Halligen am Nationalpark Futterstopp“, sagte er. Deswegen gebe es bis etwa Ende April eine gewisse Gefahr, dass noch mehr erkrankte Tiere durchziehen.

Süderoog und die Nachbarinsel Pellworm seien keine großen Agrarkomplexe, sagte Habeck. Deshalb handele es sich „noch um einen überschaubaren Vorgang“. Es bestehe aber latente Gefahr, dass die Geflügelpest auf das Festland übergreift. „Das Virus ist in der Natur. Möwen haben es, Enten haben es.“ Zum Frühjahr hin klinge das Virusgeschehen in der Regel ab. Es sei aber nicht ausgeschlossen, „dass eine infizierte Möwe auch im Binnenland auftaucht und irgendwo hinschittert“.

Hallig Süderoog nimmt Abschied von zu tötenden Tieren

Auf der Facebookseite der Hallig Süderoog heißt es in einem Post zum Thema: „Wie uns der Kreistierarzt telefonisch mitteilte, werden nun alle unsere auf der Roten Liste stehenden, gefiederten Tiere getötet werden müssen. (…)Die Erhaltungszucht mit den alten Geflügelrassen war angetrieben von der Überzeugung, etwas Gutes zu tun. Ein kleines Gegengewicht zur heutigen leider weitverbreiteten Massentierhaltung. (…) Ohne unser Geflügel werden wir die Kriterien eines Arche-Hofes nicht mehr erfüllen können. (…) Momentan sind wir ziemlich fertig und wissen gar nicht so recht, wie uns geschieht. (…) Zum Abschied unserer tollen Tiere, wollen wir sie Euch noch einmal in Momenten zeigen, in denen sie ein glückliches, freies und artgerechtes Leben auf der kleinen Hallig im nordfriesischen Wattenmeer leben durften. Macht's gut, ihr gefiederten Freunde.“

 

Strenge Regeln für Geflügelhalter

Alle Geflügelhalter müssen die allgemeinen Schutzmaßregeln, die in der Geflügelpest-Verordnung vorgeschrieben sind, umsetzen. Geflügel, so das Ministerium, ist an für Wildvögel unzugänglichen Stellen zu füttern und zu tränken. Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, sollen für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden.

Die veterinärmedizinische Untersuchung bei erhöhten Verlusten und die Anzeige aller bislang noch nicht gemeldeten Geflügelhaltungen beim zuständigen Veterinäramt sind ebenfalls vorgeschrieben. Verendete, für Geflügelpest empfängliche Wildvögel wie Enten, Gänse, Möwen und Greifvögel, sollten dem zuständigen Veterinär- oder Ordnungsamt gemeldet werden.

Was weiter zu beachten ist, teilt das Land auf seiner Webseite mit.

mit dpa

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