Kriminalität : Gefährliche Jagd nach Thomas F.

Festnahme durch Streifenpolizisten: Nach einer rasanten  Verfolgungsjagd kam Schwerverbrecher Thomas Feldhofer mit seinem Fluchtauto, einem schwarzen Golf, von der Straße ab und landete auf einem Sandwall. Foto: Christian Nimtz
1 von 2
Festnahme durch Streifenpolizisten: Nach einer rasanten Verfolgungsjagd kam Schwerverbrecher Thomas Feldhofer mit seinem Fluchtauto, einem schwarzen Golf, von der Straße ab und landete auf einem Sandwall. Foto: Christian Nimtz

Dramatische Ereignisse auf der B 208 am Stadtrand von Ratzeburg: Polizisten verfolgen einen gestohlenen Wagen. Was sie nicht wissen: Am Steuer sitzt Deutschlands meistgesuchter Schwerverbrecher.

Avatar_shz von
27. Februar 2012, 11:18 Uhr

Hamburg/Ratzeburg | Am vergangenen Wochenende ging Polizisten aus Ratzeburg und Lübeck ein dicker Fisch ins Netz: Thomas Feldhofer, gebürtiger Krefelder, erstmals 1993 im Visier der Polizei. Der 46-Jährige gilt als äußerst gefährlich und brutal. Wegen acht Banküberfällen war er 2001 zu elf Jahren Haft verurteilt worden, wurde aber nach zwei Dritteln seiner verbüßten Haftstrafe vorzeitig auf Bewährung aus dem Gefängnis Lingen entlassen. Doch von einer Resozialisierung konnte keine Rede sein - Feldhofer setzte seine kriminelle Karriere fort, überfiel ein Ehepaar, eine Bank, kaperte einen Linienbus.

Samstag, kurz vor 21 Uhr.
In der Griesstraße im Hamburger Stadtteil Hamm steigt eine 45-jährige Frau in ihren Chevrolet Matiz ein. Ein bewaffneter Mann tritt auf sie zu, fordert sie auf, den Kleinwagen zu verlassen. Sie weigert sich, wird aber von dem Mann aus dem Auto gezerrt. Die Frau ruft um Hilfe, wirft den Fahrzeugschlüssel weg. Der Täter flüchtet in Richtung Sievekingsallee.
Dort hält gerade ein VW Golf V an einer roten Ampel. Am Steuer sitzt ein Hamburger Polizeibeamter, der im Kreis Stormarn zu Hause ist. Der Täter reißt die Fahrertür auf, bedroht den 41-Jährigen mit einer schwarzen Pistole und fordert ihn zum Aussteigen auf. Der Polizist pariert, betätigt aber noch die Fernöffnung der Heckklappe. Mit geöffneter Kofferraumklappe fährt der Täter in Richtung Horner Kreisel davon.
Die beiden Autobesitzer können den Täter detailliert beschreiben: 35 bis 45 Jahre alt, 175 bis 180 cm groß, kräftige Statur, rundes Gesicht, kurze, mittelblonde Haare, leicht gebückter Gang, bekleidet mit dunkler Jacke und dunkler Hose. Das Kennzeichen des gestohlenen VW Golf: OD-MS523. Am Sonntag Mittag geht die Fahndungsmeldung an die Radiosender.

Sonntag, gegen 15 Uhr.
Die Durchsage auf Radio Energy hat Erfolg: Ein Lauenburger erkennt den schwarzen Golf, der auf der B208 bei Kastorf in Richtung Osten fährt, und verständigt die Polizei. Dann geht alles blitzschnell: Die Einsatzleitstelle "Südwind" setzt Streifenpolizisten aus Sandesneben, Berkenthin, Ratzeburg und Lübeck auf den flüchtenden Wagen an. Mit 160 km/h rasen die Streifenwagen dem Golf hinterher. Am Harmsdorfer Kreuz, wo die B208 auf die B207 trifft, wird die Straße gesperrt - mit einem Durchlass, denn die Beamten dürfen keinen Unfall provozieren. Doch der Autodieb gerät in Panik, versucht bei hohem Tempo zu kehren - und setzt den Golf auf einem Sandwall auf. Die Flucht endet in der Böschung. Als zwei Beamte der Polizeizentralstation Ratzeburg ihm die Handschellen anlegen, grinst der Autodieb. Sie fahren ihn nach Lübeck, wo Kollegen des Zentralen Kriminaldienstes seine Identität ermitteln. Der Hamburger Autodieb entpuppt sich als Thomas Feldhofer - der Mann, nach dem seit Monaten gefahndet wird, weil er Überfälle und Geiselnahmen verübt haben soll. Die Nacht verbringt er hinter Schloss und Riegel im Zentralgewahrsam im Lübecker Behördenhochhaus, am Montagvormittag wird Feldhofer mit dem Hubschrauber nach Frankfurt überführt und sitzt dort seitdem in Untersuchungshaft.
Ungeklärt ist die Frage, wo Feldhofer sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag aufgehalten hat. Im gestohlenen Golf finden die Polizisten auf dem Beifahrersitz Rasierwasser ("Davidoff Cool Water"), einen Koffer, eine Sporttasche - Utensilien, die der Kriminelle irgendwo abgeholt haben muss.
Der aufmerksame Autofahrer, der das Fluchtauto erkannt und die Polizei alarmiert hat, könnte sich schon bald über einen unerhofften Geldsegen freuen. Auf Hinweise zur Ergreifung von Thomas Feldhofer haben die Staatsanwaltschaften Frankfurt und Duisburg insgesamt 5000 Euro Belohnung ausgesetzt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen