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IS in Syrien : Geesthachter Mädchen auf dem Weg zum Islamischen Staat

vom
Aus der Onlineredaktion

Ziel Dschihad: Laut ARD-Recherchen haben sich zwei norddeutsche Mädchen über die Türkei nach Syrien abgesetzt, wo sie sich möglicherweise der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anschließen wollen.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2015 | 13:15 Uhr

Hamburg/Istanbul | Zwei jugendliche Mädchen aus Geesthacht in Schleswig-Holstein und Hamburg-Billstedt haben sich abgesetzt. Die Freundinnen sind offenbar auf dem Weg, sich der Terror-Organisation „Islamischer Staat“ (IS) anzuschließen. Laut Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ handelt es sich um die 17-jährige Merve S. und die 18-jährige Ece B.. Anfang Juni kamen sie in der türkischen Metropole Istanbul an, von wo sie nach Syrien weiterreisen wollen. Notizen, die in den Zimmern der Mädchen gefunden wurden, weisen laut Bericht des „NDR“ darauf hin, dass die Ausreise von langer Hand geplant war.

Nach dem Verschwinden der beiden Mädchen beging der Vater der Geesthachterin Ece B. am vergangenen Wochenende Suizid.

Beide Mädchen stammen laut dem NDR-Bericht aus nicht religiösen Familien mit Wurzeln in der Türkei. Doch bei Merve S. und Ece B. wuchs der radikalisierte Glaube offenbar stetig. Ihre Eltern und Mitmenschen wurden in den vergangenen zwei Jahren Zeugen einer immer stärker werdenden Verschleierung. „Ich denke mal, dass es wirklich so war, dass sie diesen Weg gehen wollte, dass sie sich darauf vorbereitet hat“, so die Mutter von Merve S. gegenüber Panorama. Miteinmal habe ihre Tochter bloß noch auf dem Teppich geschlafen, was sie mit Rückenschmerzen begründet hätte.

Ece B. war bereits im November 2014 nach Istanbul gereist, wurde nach Hinweisen der Familie an die Polizei aber nach kurzer Zeit gefunden und zurückgeschickt. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein, das seitdem mit den Eltern in Kontakt steht, sah nach Aussage des Pressesprechers Stefan Jung gegenüber Panorama keine Anhaltspunkte auf eine Radikalisierung oder gar ein Überlaufen zu einer verbotenen Gruppierung. Eine weitere Ausreise wurde deshalb nicht verhindert. Mit dem jetzigen Wissen hätte man über Maßnahmen nachgedacht, so Jung.

Wo die Mädchen sich derzeit aufhalten, ist derzeit nicht genau bekannt. Gemeinsam mit den türkischen Behörden wird versucht, sie ausfindig zu machen.

Die CDU-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag kritisierte, die Sicherheitsbehörden im Land verfügten nach wie vor über viel zu wenig Informationen. Der jetzige Fall müsse „ein Weckruf für den verantwortlichen Innenminister Stefan Studt sein. Wir werden diesem Fall parlamentarisch nachgehen“, sagte der Innenpolitiker Axel Bernstein. Die Antwort des Innenministers auf eine aktuelle große Anfrage seiner Fraktion zum Thema Extremismus zeige, dass die Regierung das Problem der Islamisierung bislang völlig unterschätzt habe.

Im vergangenen Jahr reisten aus Hamburg rund 50 Islamisten nach Syrien oder den Irak aus, um in den „Heiligen Krieg“ zu ziehen, wie Verfassungsschutzchef Torsten Voß bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2014 in der vergangenen Woche erklärte. In 16 Fällen habe eine Ausreise verhindert werden können.

Die Zahl der insgesamt in den vergangenen Jahren aus Schleswig-Holstein Richtung Syrien ausgereisten Personen liegt laut Landesverfassungsschutzbericht bei 23, elf von ihnen machten sich 2014 auf den Weg in die Kampfgebiete in Syrien oder auch im Irak.

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