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Köche, Kellner und Co. : Gastronomie-Nachwuchs gesucht – Fachkräftemangel in SH eskaliert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch Küstenorte sind zunehmend betroffen. Erste Folgen: Mehr Ruhetage, weniger Mittagstische.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2017 | 18:26 Uhr

Kiel | Während die touristische Nachfrage im Norden steigt und steigt, wird der Fachkräftemangel immer größer. Bei der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur sind in Schleswig-Holstein derzeit 1115 offene Stellen in der Gastronomie gemeldet – 15,7 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Hotellerie stieg die Zahl der unbesetzten Jobs um 19 Prozent auf 344.

Allein, dass in Schleswig-Holstein derzeit viele neue Hotels gebaut werden, nützt dem Tourismus nichts – es muss für die Gäste auch Angebote zum Essen, Trinken und Verweilen drumherum geben.

Der Ausbildungsmarkt wird absehbar nicht den nötigen Nachwuchs liefern: Unter der Top 10 der am wenigsten gefragten Lehrberufe finden sich gleich zwei aus der Krisen-Branche: Koch auf Rang vier und Restaurantfachmann auf Rang sechs. Eine Fachkräfte-Prognose des Kieler Wirtschaftsministeriums befürchtet, dass dem Gastgewerbe im Jahr 2030 dann 3500 Arbeitnehmer fehlen.

„Während bisher in erster Linie Betriebe im ländlichen Raum Probleme mit zu wenig Personal hatten, geht der Fachkräftemangel jetzt allmählich auch in den touristisch starken Küstenbereich“, schildert der Landes-Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Stefan Scholtis. Die Folgen: „Teilweise wird die Karte abgespeckt, der Mittagstisch gestrichen, die Außengastronomie verkleinert, aus einem Ruhetag zwei gemacht.

„Im Hotel- und Gaststättengewerbe bieten sich vielfältige Job- und Ausbildungschancen“, wirbt die Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann. „Das Thema Fachkräftesicherung gewinnt nicht nur an Bedeutung, weil die Personalintensität in Gastronomie und Hotellerie gegenüber anderen Branchen außerordentlich hoch ist. Auch die Ansprüche der Kunden steigen kontinuierlich.“ Gleichzeitig wachse auf Grund geburtenschwacher Jahrgänge allgemein der Wettbewerb um Azubis mit anderen Branchen. Die Arbeitsmarkt-Expertin appelliert deshalb an die Betriebe, sie müssten „ihre Attraktivität insbesondere für Jugendliche, aber auch für Quereinsteiger oder Berufsrückkehrerinnen noch weiter steigern“. Dabei macht sie eine Palette „von innovativen Arbeitszeitkonzepten über verstärkte Personalentwicklung bis hin zu Bonussystemen“ auf.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) ruft nach „guten Arbeitsbedingungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und fairen Löhnen“, damit das Gastgewerbe Beschäftigte binden kann. Entscheidend für den touristischen Wettbewerb sei Qualität. „Und Qualität beginnt mit Service, und Service beginnt mit Personal“, lautet Meyers Credo. An bisherigen Veranstaltungen der Fachkräfte-Initiative des Landes hätten vor allem Betriebe teilgenommen, die bereits gut aufgestellt seien. Der Dehoga müsse seine Mitglieder stärker motivieren.

Dehoga-Mann Scholtis wiederum sieht Politik und Gesellschaft in der Pflicht, den allgemeinen Trend zu immer mehr Hochschulabsolventen zu drehen, damit es grundsätzlich mehr Azubis gibt. Zur Frage einer höheren Bezahlung betont Scholtis, der Gast müsse „dann auch bereit sein, entsprechende Preise zu zahlen“.

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