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Schleswig-Holstein : Funklöcher bei der Bahn: Piraten warnen vor Unfallgefahr

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gibt es ein Funkloch, können Lokführer nicht rechtzeitig bei Gefahren gewarnt werden. In SH sind sechs Abschnitte betroffen.

Kiel | Über Funklöcher klagen nicht nur Handynutzer in Schleswig-Holstein – auch die Deutsche Bahn hat offenbar mit Lücken im Funknetz zu kämpfen – die größer sind als bisher bekannt. „Die Verfügbarkeit des Zugfunknetzes ist nach Auskunft der DB Netz AG auf etwa 250 Abschnitten eingeschränkt“, heißt es in einer aktuellen Antwort des Bundesverkehrsministeriums an den Bundestag.

Betroffen sind in Schleswig-Holstein insgesamt sechs ein- und zweigleisige Abschnitte. Und zwar bei Pönitz (600 Meter), Preetz (100 Meter) und Bad Segeberg (400 Meter) sowie bei Kremperheide und Nortorf (jeweils 600 Meter) und bei Brokstedt (200 Meter). Das bestätigte Bahnsprecher Edgar Meyer-Lovis dem sh:z.

Als Ursache werden Frequenzüberlagerungen der örtlichen öffentlichen Mobilfunksender angeführt. Das heißt: Der Bahneigene digitale Funk GSM-R fällt nicht aus, sondern er wird vom Öffentlichen Mobilfunknetz an besagten Abschnitten verdrängt, berichtet der Bahnsprecher.

Funklöcher gelten als Risiken für Reisende, da Lokführer in diesen Bereichen nur schwer von den Leitstellen über den verwendeten Notrufstandard GSM-R erreichbar sind und gewarnt werden können – etwa weil auf einer Strecke die Signaltechnik ausgefallen ist . Allerdings ist die Gefahr nach Angaben von Meyer-Lovis längst erkannt und gebannt. Denn für jedes Funkloch gibt es in enger Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt eine Vorgabe, wie der Fahrdienstleiter mit dem Lokführer für das öffentliche Handynetz in Kontakt bleibt.

Zu den Vorgaben gehört auch die Reduzierung von Höchstgeschwindigkeiten. Insofern hält die Bahn die Äußerung des Kieler Landtagsabgeordneten Uli König von den Piraten, der gestern mitteilte, auf den „Zugstrecken in Schleswig-Holstein droht täglich eine Katastrophe“, für absolut überzogen.

Der betroffene Funkstandard ist aktuell bundesweit auf 29.000 von 33.000 Kilometern des Bahn-Streckennetzes installiert. „Auf noch nicht ausgerüsteten Strecken ist die Erreichbarkeit der Züge über analogen Zugfunk, oder das kommerzielle GSM Netz gewährleistet“, heißt es in dem Schreiben des Verkehrsministeriums, das darauf hinweist, dass das GSM-R-Netz als besonders sicher gilt. Und: „Ein Zusammenhang zwischen Unfällen und einer fehlenden Zugfunkausleuchtung entlang einer Strecke ist dem Eisenbahn-Bundesamt bislang nicht bekannt.“

Das gilt offenbar auch für den schweren Zugunfall von Bad Aibling im Februar. Zuletzt war der Verdacht aufgekommen, Funklöcher hätten zu dem Unglück beigetragen.

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erstellt am 09.Apr.2016 | 10:20 Uhr

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