Meierei Nordhackstedt : Für streichfähige Butter im Winter: Wie Nordhackstadt Sommerrahm abschöpfte

Die moderne Käserei  am Ortsrand von Nordhackstedt. Foto: sh:z
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Die moderne Käserei am Ortsrand von Nordhackstedt. Foto: sh:z

Die Meiereigenossenschaft Nordhackstedt: Teil II: 1965 - heute

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28. Juni 2011, 11:17 Uhr

Nordhackstaedt | Wie Schule, Mühle oder Dorfkrug gehörten die Meiereien früher zum Zentrum des dörflichen Lebens. Heute sind die meisten davon nur noch Geschichte, einige große Betriebe der Milchindustrie überlebten. Der Standort Nordhackstedt steht für beides - die Dorfmeierei, über die vergangene Woche an dieser Stelle berichtet wurde, und der große Industriebetrieb, zu dem der Standort mit zwischenzeitlich Europas modernster Käserei vor der Jahrtausendwende wuchs. Die Meiereigenossenschaft Nordhackstedt: Teil II: 1965 - heute
Der Beschluss zum Neubau der Meierei wurde umgesetzt. Für die Konstruktion wurde Architekt Claus Lempelius aus Quern gewonnen. Lempelius hatte viele Meiereien entworfen, so auch die in Steinbergkirche. Die Besonderheit seiner Bauweise war der säulenfreie Hallenbau. Folge: Die verschiedenen Produktionsabteilungen wurden nicht abgetrennt.
Anfang Juni 1967 wurde der Meiereineubau in Betrieb genommen. Durch die Verschmelzung der fünf Meiereien Nordhackstedt, Lindewitt, Großenwiehe, Schafflund und Wallsbüll kam eine Butterproduktion von 1200 Tonnen zusammen. Mager- und Buttermilch wurde an die Lieferanten und an Nestlé in Kappeln geliefert, den Rest erhielt die Adelbyer Meierei in Flensburg.
Winterbutter erhielt eine bessere Konsistenz
Um die Streichfähigkeit der Butter auch im Winter zu gewährleisten, wurden in den Monaten April bis Juni 300 Tonnen Rahm mit 55 Prozent Fettgehalt tiefgefroren. Dieser "Sommerrahm" wurde im Winter dem Butterungsrahm beigemischt, so dass die Winterbutter eine bessere Konsistenz erhielt.
1975 wurde das 100-jährige Bestehen der "Zentral-Butterei Nordhackstedt" begangen. Butter wurde inzwischen auch nach London an Mills & Co. Ltd. unter der Marke "Emblem" exportiert. Im April 1983 beschloss die Mitgliederversammlung, für 25 Millionen DM einen Neubau für 7000 Tonnen Käse. Mit der Übernahme der Adelbyer kam die "Adelbyer Nordfriesland Milch". 1989 betrug die Milchverarbeitung 343 Millionen Liter Milch, produziert wurden 23.000 Tonnen Käse.
Die schlechte Ertragslage bei Käse und die hohen Erzeugerpreise im Umland brachten Nordhackstedt, mittlerweile eine der modernsten Käsereien in Europa, die portionierten Schnitt- und Raspelkäse für Selbstbedienungstheken der Supermärkte herstellte, um die Jahrtausendwende in Bedrängnis. Im Sommer 2001 schümpfte die Meierei unter das Dach der Bremer Nordmilch-Gruppe.
(shz)

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