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WSA Brunsbüttel

Spektakulärste Baustelle Norddeutschlands : Für die fünfte Schleusenkammer am NOK verschwindet eine Insel

Die neue Schleuse in Brunsbüttel kostet 800 Millionen Euro, sie wird 360 Meter lang und 45 Meter breit.


von
15. Juli 2019, 15:00 Uhr

Brunsbüttel | Nur ein paar Meter vor Joachim Abratis wird sie einmal sein: die fünfte Kammer der Kanalschleuse Brunsbüttel. „Die Struktur sieht man, und den Rest habe ich vor meinem geistigen Auge“, sagt der Projektleiter als er über die vielleicht spektakulärste Baustelle Norddeutschlands geht.

Für 800 Millionen Euro entsteht hier eine 360 Meter lange und 45 Meter breite, dritte große Kanalschleuse, in der ab 2024 Schiffe in und aus dem Nord-Ostsee-Kanal herausfahren. „Wir sind mit den Bauarbeiten zeitlich in der Mitte“, sagt Jirka Menke, der die Öffentlichkeitsarbeit für dieses Projekt macht. „Das Besondere ist, dass wir auf einer Insel arbeiten. Da ist die Gefahr groß, dass sich die Arbeiter gegenseitig auf den Füßen stehen.“

WSA Brunsbüttel

So soll es einmal aussehen: Die großen Schiffe liegen in der neuen fünften Schleusenkammer neben der die Reste der Schleuseninsel zu sehen sind, rechts die zwei kleinen Schleusen.
 

Deswegen erläutern Menke und Abratis die Baustelle am liebsten anhand eines Luftbildes. Auf dem kann man gut erkennen, dass die Baufahrzeuge schon die halbe Schleuseninsel zerpflügt haben. „Sie wird am Ende zu gut zwei Dritteln weggebaggert“, sagt Abratis. Nur ein schmaler Streifen im Süden, auf der in den 90er Jahren die Verkehrsleitzentrale errichtet worden ist, wird stehen bleiben – dazu ein kleines Stück Land, das die Verbindung zu den beiden großen Schleusen schafft, die vor über 100 Jahren errichtet wurden.

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Die Bauarbeiten sind alle für sich relativ gut machbar, aber das Zusammenspiel ist komplex und eine große organisatorische Herausforderung.

Joachim Abratis, Projektleiter

Michael Ruff

Projektleiter Joachim Abratis

So müsse der Tidengang der Elbe berücksichtigt werden – genauso wie der Hochwasserschutz. Zwar könne man noch nicht viel sehen, aber die Arbeiten gingen eben im wahrsten Sinne des Wortes in die Tiefe. „Würden wir ein Hochhaus bauen, könnten Sie schon eine Menge angucken“, sagt Menke. „Aber wir bauen eben eine Schleuse, da findet vieles unter der Erde statt.“

Michael Ruff

Eiland mit Verkehrszentrale (hinten l.) und Betonwerk (hinten r.): Aus der Schleuseninsel mussten mehrere Gebäude weichen.

Munition und Bomben auf der Schleuseninsel

Und die hat es in sich. Weil lange nicht klar war, wie viel Munition und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Schleuseninsel und im Wasser drumherum liegen, verzögerten sich die Arbeiten. Es musste vorsichtig gebaggert werden, der Kampfmittelräumdienst war immer dabei. „Am Ende haben sie gar nicht viel gefunden, aber die Sicherheit musste eben immer gewährleistet sein“, sagt Abratis. Dazu gab es Schwierigkeiten mit den sogenannten Düsenstrahlpfählen, die an den Baugrund und die Grundwassersituation angepasst werden mussten. „Das hat uns auch auch nochmal Zeit gekostet.“

Michael Ruff

Frisch betoniert: der neue Fähranleger.

Vier Jahre und 260 Millionen Euro mehr

Zeit und Geld. Denn eigentlich sollte die fünfte Schleusenkammer schon 2020 fertig sein und 540 Millionen Euro kosten. Jetzt sind es sechs Jahre und 260 Millionen Euro mehr. Allein in diesem Jahr sollen 90 Millionen Euro verbaut werden, im vergangenen Jahr waren es ebenso viel.

„Wir hoffen, dass wir jetzt relativ problemlos weiterarbeiten können. Dies ist eben ein Pilotprojekt – und zwar eines, das 100 Jahre halten soll“, sagt Abratis. So eine Baustelle gebe es nirgendwo anders. Zwar habe man sich bei der Planung über andere Schleusenanlagen informiert und nautische Simulationen durchgeführt, aber vieles ergebe sich erst beim Bau.

Auf der Schleuseninsel muss jeder Baustoff angeliefert werden. Dort wo später einmal Schiffe fahren, steht jetzt ein eigenes Betonwerk auf der Insel, dass etwa das Material für die Sohle der Kammer liefern soll. Gerade wird im Norden der Insel ein neuer Fähranleger betoniert. Dort sollen Schiffe anlegen können, wenn es Probleme mit oder an der neuen Schleuse gibt. Daneben ist eine der Torkammern bereits ziemlich fertig gebaut, die zweite, auf der anderen Seite, ebenfalls. Auch die Spundwände, die die Kammer begrenzen, sind durch den Sand zu sehen.

Michael Ruff

Die Muttern sichern die 50 Meter langen Düsenstrahlpfähle, die der Spundwand im Boden zusätzliche Stabilität geben.
 

Zum Teil thronen über ihnen schon Betonplattformen, die zusätzliche Stabilität liefern sollen. In dichten Abständen ragen aus der Wand große Muttern, unter denen sich die schräg durch den Klei in den Sandboden gebohrten stählernen, rund 50 Meter langen Düsenstrahlpfähle sitzen. „Die garantieren, dass die Spundwand auch noch Stabilität hat, wenn wir an einer Seite den Boden ausbaggern“, sagt Abratis.

Vor dem übernächsten Jahr werde das aber wohl nichts werde. Denn auf der Baustelle sei es wichtig, dass auch viele Wege über Land zu machen sind. Ist die Kammer erst in monatelanger Arbeit ausgebaggert, geht das nicht mehr. Und erst dann kann in 14 Metern Tiefe der Betonboden unter Wasser gegossen werden, das Grundwasser lässt nichts anderes zu.

Technisch wird es gar nicht so furchtbar viele Neuerungen gegenüber der Schleusenkonstruktion von 1912 geben. „Da haben unsere Großväter schon gut geplant“, sagt Abratis. Allerdings würden drei neue Tore gebaut, zusätzlich zu den sechs, die noch aus der Kaiserzeit stammen:

Die können dann in allen großen Schleusen eingesetzt werden, falls mal wieder einer unserer Kunden nicht so pfleglich mit unserem Material umgehen, wie wir es erwarten.

Jirka Menke, Öffentlichkeitsarbeit

Arbeiten bis mindestens 2030

Er meint die nicht selten vorkommenden Unfälle von Schiffen, die die Tore rammen. Die neuen Konstruktionen werden mit Schlitzen versehen, durch die bei Bedarf Wasser beim Fluten der Kammer laufen kann. Und die Unterkonstruktion der Tore, die in Brunsbüttel immer mal Probleme gemacht hat, werde verstärkt.

Doch bis mit den zwei kleinen und den drei großen Kammern alle fünf gleichzeitig in Betrieb sind, wird noch eine Menge Zeit vergehen. „Denn nach dem Neubau der fünften Kammer werden die zwei alten großen Kammern nacheinander grundinstandgesetzt“, sagt Abratis. Das könne jeweils noch einmal je drei Jahre dauern. Bagger und Kräne werden also noch mindestens bis 2030 zum Alltag an der Schleuse gehören.

Brunsbüttel | Nur ein paar Meter vor Joachim Abratis wird sie einmal sein: die fünfte Kammer der Kanalschleuse Brunsbüttel. „Die Struktur sieht man, und den Rest habe ich vor meinem geistigen Auge“, sagt der Projektlei...

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