Unter Nachbarn - blandt naboer : "Fru maak de Dör op!" Silvesterbräuche im Grenzland

Zu Silvester ein grenzenloser Klassiker: Das 'Dinner for one'. Foto: NDR/Annemarie Aldag
Zu Silvester ein grenzenloser Klassiker: Das "Dinner for one". Foto: NDR/Annemarie Aldag

Zwischen Rummelpott und Tischfeuerwerk - so feiern die Menschen in Dänemark und Deutschland das Neue Jahr

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29. Dezember 2012, 06:45 Uhr

Flensburg / Apenrade | Der Silvesterabend steht vor der Tür , und traditionell verabschieden die Menschen das alte und begrüßen das neue Jahr - mit ganz unterschiedlichen Bräuchen. Was in Deutschland der Altjahrsabend, ist in Dänemark der "Neujahrsabend" (nytårsaften). Und während die Deutschen Glücksbringer verschenken - kleine Schweinchen, Marienkäfer, Kleeblätter, Schornsteinfeger oder Hufeisen -, kennen die Dänen diese Art von Mitbringseln gar nicht.

Allerdings wünscht man sich hüben wie drüben schon in der Woche vor dem Jahreswechsel ein "gutes neues Jahr" - weshalb die Deutschen dabei auch auf einen "guten Rutsch" hoffen, ist begrifflich indes nicht abschließend geklärt. Vermutlich geht der fromme Wunsch auf das hebräische Wort "rosh" zurück, was soviel heißt wie "Anfang". Die Deutschen wünschen sich also einfach einen guten Anfang im neuen Jahr. Und damit der auch kommen kann, feiern sie gern vom späten Altjahresabend an mit den engsten Freunden oder der Familie. Manche gehen zum Gottesdienst, andere veranstalten ein großes Fest, wiederum andere bleiben zuhause. Und viele Kinder haben am frühen Silvesterabend einen großen Auftritt: Verkleidet ziehen sie mit ihrem Rummelpott, in dem sie Süßigkeiten sammeln, von Haus zu Haus und singen plattdeutsche Lieder wie "Fru mok de Dör up". Nicht wenige Erwachsene nutzen die Gunst der Stunde und laufen singend und tanzend mit, immer auf einen guten Tropfen an der fremden Haustür hoffend.

Das ist nichts für die häuslichen Dänen. Sie treffen sich schon gegen 17.30 Uhr mit Familie und Freunden und lauschen gemeinsam um 18 Uhr der königlichen Neujahrsrede. Königin Margarethe II verweist in ihrer Ansprache zumeist auf die Geschehnisse des vergangenen Jahres in Dänemark und innerhalb der Königsfamilie. Später am Abend ist dann im dänischen Fernsehen "Dinner for One" zu sehen, und zwar in den letzen 28 Minuten bevor die Uhr des Rathauses von Kopenhagen eingeblendet wird, sodass Dänemark vereint die letzten Sekunden zum Jahreswechsel zählen kann.

"Dinner for One" - das ist auch ein Klassiker im deutschen Fernsehen. Seit 1963 wird er am Silvesterabend gesendet. Erst seit 1970 wird die Neujahrsrede des Bundeskanzlers übertragen.

Und was gibt es zu essen? Das sind in Dänemark traditionell Dorsch und "grønlangkål" (Grünkohl), wobei der "langkål" eine typisch nordschleswigsche Speise ist, die in vielen Familien aus Grünkohl, Weißkohl und Kartoffeln gekocht wird und zu der Kassler und als Kohlwürste bezeichnete Mettwürstchen serviert werden. Zitronenfromage und der Kransekage, ein Marzipangebäck, dürfen ebenfalls nicht fehlen. Und auf der dänischen Silvestertafel findet man außerdem Tischbomben in Form kleiner Raketen, die angezündet werden und anschließend explodieren.

Tischfeuerwerke stehen auch in deutschen Stuben hoch im Kurs, aber als traditionelle Süßigkeiten werden Berliner serviert - gerne mit Senf gefüllt. Das sorgt für schadenfrohe Lacher. So fällt der Abschied vom alten Jahr leichter. Vom ebenfalls traditionellen Neujahrskarpfen wenden sich indes immer mehr Familien ab. Fondue und Raclette stehen inzwischen auf den meisten deutschen Speiseplänen.

Schließlich darf der Blick in die Zukunft am magischen letzten Abend im Jahr in Deutschland nicht fehlen. Da wird Blei gegossen und im Kaffeesatz gelesen, mit Gummibärchen orakelt oder werden Orakelfische befragt. In Dänemark dagegen sind Sitten wie Bleigießen den meisten Menschen unbekannt.

Doch egal in welchem Land - um Mitternacht gibt es ein großes Feuerwerk, und die Kirchenglocken läuten. In Dänemark dürfen dann allerdings ausschließlich dänisch-geprüfte Raketen an den Start gehen. Der Zoll hat deshalb in den Tagen vor Silvester ein scharfes Auge auf alle Einreisenden. Wer verbotene Feuerwerkskörper dabei hat, ist sie nicht nur schnell wieder los. Er muss auch ein Bußgeld zahlen. Und das, wo Feuer und lautes Knallen doch die bösen Geister vertreiben sollen. Deshalb: Aufgepasst beim Feuerwerken!

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