Dreharbeiten in St. Peter Ording : Frostige Füße und gebratene Eier

Die Gesichter zu 'Rubbeldiekatz': Regisseur Detlev Buck (von rechts), Schauspieler Denis Moschitto sowie die beiden Hauptdarsteller Alexandra Maria Lara und Matthias Schweighöfer. Foto: Dewanger
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Die Gesichter zu "Rubbeldiekatz": Regisseur Detlev Buck (von rechts), Schauspieler Denis Moschitto sowie die beiden Hauptdarsteller Alexandra Maria Lara und Matthias Schweighöfer. Foto: Dewanger

Für Detlev Bucks neuen Film "Rubbeldiekatz" hat Oleg Strebos sich als Komparse verdingt. Jetzt weiß er, warum Buck seiner eigenen Rolle eine Wollmütze verpasst hat.

shz.de von
14. Februar 2011, 06:13 Uhr

St. Peter-Ording | Der Auftrag für den Tag ist eigentlich klar. Damit ich als Komparse bei Detlev Bucks neuem Kinofilm mitmachen kann, hat eine Kollegin für mich einen anderen Termin übernommen. Bedingung: Ich soll ein Autogramm von Alexandra Maria Lara, der weiblichen Hauptrolle in "Rubbeldiekatz" besorgen.
Ein wenig zu spät komme ich in St. Peter-Ording an. Dort wird am Strand gedreht. Schon von weitem sehe ich eine große Menschenmasse Richtung Seebrücke tingeln und schließe mich an. Von Alexandra ist weit und breit nichts zu sehen. Aber der Tag ist noch jung - und kalt. Die Morgensonne hat sich hinter Wolken versteckt, aber immerhin ist es trocken.
200 Komparsen an der Seebrücke
Ich gehöre zur Gruppe der Schaulustigen, das ist meine Aufgabe. Zusammen mit rund 200 anderen Komparsen stelle ich mich ans Geländer der Seebrücke. Gunter Vogel ist wie ich extra aus Kiel gekommen. Er war schon häufiger Komparse. "Selten bekommt man die Chance, bei einem Kinofilm so dicht dabei zu sein. Das macht eine Menge Spaß. Vielleicht kann ich Detlev Buck ja später noch einmal guten Tag sagen", hofft er. Ich dagegen will nur Alexandras Autogramm.
Und auf einmal ist sie nur wenige Meter entfernt. Aber ich bin hier oben auf der Brücke, und sie ist da unten am Strand, hübsch und elegant anzuschauen in ihrem Kostüm, den Kopf mit einem schwarzen Hut mit Feder bedeckt. Aber an ein Autogramm ist nicht zu denken, die Vorbereitungen für eine neue Szene laufen. Da will ich nicht stören.
Bucks rote Wollmütze stibitzen?
In unserem Rücken zeigt sich die Sonne, schön warm macht sie sich bemerkbar und zeigt mir, wie kalt es eigentlich ist. Zu gerne würde ich mir jetzt schon Bucks rote Wollmütze stibitzen und mir über die frierenden Ohren ziehen. Auch meine Schuhwahl scheint ungeeignet, meine Zehen sind zu kleinen Froststummeln geworden. Thorsten Kämmerer aus Bredstedt ist da besser ausgestattet. "Lange Unterwäsche, zwei Paar Socken", verrät mir der Nordfriese. Als Komparse brauche man Stehvermögen und viel Geduld, erklärt er mir, und ich beginne zu begreifen.
"Alle hundert Meter zurück", schallt es aus der Menge. Und wir folgen der Anweisung. Mittlerweile wird eine Szene auf der Seebrücke gedreht. Ich bin zwar dicht dran am Geschehen, aber trotzdem ganz weit weg. Hier und da wackelt das bepelzte Mikrofon, blitzt Bucks rote Mütze oder Alexandras schwarze Feder aus der Menge hervor. Ein Klatschen, das war die Ohrfeige für Matthias Schweighöfer, der männliche Hauptdarsteller. Und dann höre ich, wie Alexandra Maria Lara etwas über gebratene Frühstückseier sagt. Die hätte ich jetzt auch gerne. Drei, vier Stunden sind mittlerweile rum. Das Autogramm rückt in weite Ferne, denn in richtigen Kontakt mit den wirklich wichtigen Leuten komme ich nicht.
Paul macht die Aufnahme kaputt
Die Szene wird gedreht, wieder und wieder. Einmal macht Paul die Aufnahme kaputt. Paul ist ein irrsinnig großer Hund einer Komparsin und der heimliche Star in meiner näheren Umgebung. Doch jetzt bellt er mit tiefem Bass. Buck sagt, der Hund müsse weg, weiter nach hinten. Ein anderer Paul sieht das genauso, denn der ist für den Ton verantwortlich.
Die Zeit vergeht unendlich langsam. Schon wieder fängt sich Schweighöfer eine Backpfeife von Alexandra Maria Lara. Ich glaube, wenn ich jetzt nach einer Unterschrift frage, dann gibts für mich auch eine. "Das ist doch besser als nichts", denke ich, verwerfe den Gedanken aber dennoch ganz schnell wieder. Denn wir Statisten müssen jetzt eine Gasse aufmachen. Schweighöfer, Buck, Maximilian Brückner und Denis Moschitto schreiten hindurch. "Cut", ruft Buck. Und: "Zurück auf die Positionen." Das Ganze noch einmal.
Mit mir friert Janine Lopau (25) aus Hamburg auf der Seebrücke. Auch sie hat schon Komparsen-Erfahrung. "Es ist spannend, mal bei einem Film hinter die Kulissen zu gucken. Aber vor allem das Warten ist anstrengend, zum Beispiel wenn umgebaut wird." Einmal habe sie bei Dreharbeiten zehn Stunden gewartet und wurde dann doch nicht gebraucht. Zumindest sei sie fürs Warten bezahlt worden. Dennoch hat sie auch jetzt ihren Spaß, sagt sie. Gespannt sind wir beide auf jeden Fall, ob wir auf der Leinwand zu sehen sein werden, wenn "Rubbeldiekatz" Ende diesen Jahres in die Kinos kommt. "Psst" bekommen wir zu hören, es wird wieder gedreht. Noch einmal geht es um die gebratenen Eier - dann ist Mittagspause. Ich muss leider schon los. Das Autogramm habe ich mir abgeschminkt. Vielleicht sollte ich meine Kollegin zumindest ins Kino einladen. Keine gebratenen Eier, kein Autogramm, hoffentlich bin ich wenigstens mal für ein Sekündchen zu sehen.

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