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Schleswig-Holstein

21. August 2017 | 12:30 Uhr

Freizeit : Friedhöfe als Touristenmagnet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Friedhöfe sind ein Ort der Trauer, aber auch der Ruhe und Erholung. So sind sie auch für Touristen und Spaziergänger interessant.

Ruhe, Flucht aus dem Alltag – das suchen Touristen und stressgeplagte Großstädter. Manche finden die Erholung in der Stille der Friedhöfe. Andere schätzen dort die Landschaft, gepflegte Gräber und Skulpturen, wieder andere pilgern zu den Ruhestädten ihrer Idole.

Als größter Parkfriedhof der Welt rühmt sich der Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf. Seit er 1877 eröffnet wurde, hat man hier mehr als 1,4 Millionen Menschen beigesetzt; heute sind es etwa 4700 im Jahr. Mehr als 52 000 Kriegsgräber und 19 Mausoleen gibt es zu besichtigen. Zwölf Kapellen, ein Naturlehrpfad, drei Freilichtmuseen, 17 Kilometer Straßennetz - und dazwischen in jedem Jahr etwa 1,2 Millionen Besucher. „Der Friedhof soll eine öffentliche Fläche sein“, sagt der Sprecher der Hamburger Friedhöfe, Lutz Rehkopf. Touristen seien willkommen. Eintritt zu nehmen, sei schon diskutiert – und wieder verworfen worden. „Die Besucher sollen den Friedhof als positiven Ort erleben, im Grünen, mit kulturellem Reichtum an Skulpturen und Engeln.“ All zu oft kämen Menschen bei einem Trauerfall zum ersten Mal auf einen Friedhof – und hätten dann naturgemäß keinen Blick für seine Schönheit. In Ohlsdorf sind unter anderem die Schauspieler Hans Albers und Inge Meysel, Entertainer Heinz Erhardt, Schriftsteller Wolfgang Borchert und Zoo-Legende Carl Hagenbeck begraben.

Doch nicht nur christliche Friedhöfe ziehen Touristen an. Auch der im Vergleich zu Ohlsdorf winzige jüdische Friedhof in Hamburg-Altona – er ist der älteste portugiesisch-jüdische Friedhof in Nordeuropa – findet Interessenten. Dort fanden nach Angaben der Jüdischen Gemeinde Hamburg in den 1870er Jahren rund 9000 Bestattungen statt, 2000 auf dem portugiesisch-jüdischen Areal, 7000 auf dem deutsch-jüdischen Teil. Der seit 1960 unter Denkmalschutz stehende Friedhof soll nach dem Wunsch etlicher Wissenschaftler in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen werden – zusammen mit den jüdischen Begräbnisstätten auf Curaçao, Jamaika und in Surinam.

In Lübeck haben auf dem Burgtorfriedhof zahlreiche bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Darunter sind zahlreiche Mitglieder der Familie von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Der 1955 gestorbene Autor selbst liegt hier allerdings nicht. Er ist in der Schweiz begraben. Auch der Dichter Emanuel Geibel („Der Mai ist gekommen“), der durch die Fälschung angeblich spätgotischer Fresken in der Lübecker Marienkirche bekannte gewordene Maler Lothar Malskat und der Film- und Theaterschauspieler Günther Lüders wurden hier bestattet. Die 1832 eröffnete Begräbnisstätte ist acht Hektar groß und gilt als prominentester der fünf Lübecker Friedhöfe.

Sylt gilt seit Jahrzehnten als Promi-Insel – einen echten Prominenten-Friedhof gibt es aber nicht. Bekannt ist allerdings der Friedhof um die Kirche St. Severin in Keitum, auch wegen seiner Lage ganz nah am Meer. Die ältesten Grabsteine stammen aus dem 17. Jahrhundert. 1959 wurde dort Peter Suhrkamp bestattet, Gründer des Suhrkamp Verlages. Er hatte sich über viele Jahre oft auf der Nordseeinsel aufgehalten. Auch „Spiegel“-Gründer und -Herausgeber Rudolf Augstein, der 2002 starb, fand auf dem Keitumer Friedhof seine letzte Ruhe.

In Husum findet sich das Grab des wohl berühmtesten Sohns der Stadt. Theodor Storm (1817-1888) ist auf dem einstigen St.-Jürgen-Friedhof begraben. Direkt an einer viel befahrenen Straße, mit einem gepflegten Blumenbeet davor, steht das schlichte und dennoch wuchtige, an einen Sarkophag erinnernde Grabmal.

Ein besonderer Friedhof ist auch der von St. Laurentii in Süderende auf Föhr. „Sprechende Steine“ nennt man hier und an anderen Orten wie Nieblum die Grabsteine aus uralter Zeit, auf denen ganze Lebensgeschichten von verstorbenen Insulanern ausgebreitet werden. Der bekannteste unter ihnen ist der „Glückliche Matthias“, ein Walfänger, der im 17. Jahrhundert lebte und sagenhafte 373 Wale erbeutet haben soll. Der morbide Charme der ungewöhnlichen Grabstätten zieht die Touristen an – auch noch nach Jahrhunderten.

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erstellt am 20.Okt.2013 | 15:00 Uhr

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