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„Tatort“ um 22 Uhr : „Franziska“: Abschied mit Blut und Tränen

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Ein Gefangener der JVA Köln hat die Assistentin des Kölner Ermittlerteams als Geisel genommen. Wie ein Tsunami baut sich die Brutalität immer weiter auf.

shz.de von
erstellt am 06.01.2014 | 06:45 Uhr

Gerade mal eine Viertelstunde „Tagesthemen“ hatten wir gestern Zeit, das Frankfurter „Tatort“-Drama mit Joachim Król zu verdauen, da kracht es schon wieder. In Köln. Und wie! Was wohl der Grund für die Verschiebung der Folge auf 22 Uhr war. Denn dieser Film sei so brutal und so traurig, meinten die ARD-Oberen, dass sie ihn uns „aus Jugendschutzgründen“ nicht schon am 15.12. und um 20.15 Uhr zumuten wollten. Wie fürsorglich. Wie absurd! Als wenn 20.15 Uhr im Free-TV nicht allenthalben geschlachtet und gemetzelt wird.

Nun ja, Werbung hat diese Volte immerhin gemacht. Und die Spatzen pfiffen es ja längst von den Dächern: Sonntagabend geht es „Franziska“ an die Wäsche. Jener treuen Assistentin von Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär), die sich bislang mit klugen Sprüchen, einigem Gemotze und einer unerfüllten Liebesromanze hervortun durfte.

Ein wenig zu wenig für Tessa Mittelstaedt, die sich in der Rolle der Franziska Lüttgenjohann offenbar so unterfordert sieht, dass sie sich jetzt von Jürgen Werner (Buch) und Dror Zahavi (Regie) einen mörderischen Abgang inszenieren lässt. Im doppelten Sinn – und nach 43 Folgen seit 1999.

Im Knast will Franzi ihrem Ehrenamt als Bewährungshelferin nachgehen und dem Häftling Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) kurz vor seiner Entlassung beistehen. Doch dann kommt alles anders. Ein Mithäftling wird abgestochen und Kehl nimmt Franziska kurzerhand als Geisel. Im panischen Gewusel von Anwalt, Gefängnisleitung und SEK müssen Ballauf und Schenk nun die wahren Hintergründe dieses Übergriffs aufdecken. Denn nur, wenn klar ist, was Kehl wirklich vorhat, können sie Franziska retten.

In der Tat: Wie ein Tsunami baut sich die Brutalität dieses „Tatorts“ Filmmeter um Filmmeter immer weiter auf. Vom lockeren Geplänkel, über die hektischen Ermittlungen bis hin zum blutigen Showdown. Ein Tsunami, der am Ende die fröhliche Dreisamkeit unserer Kölner Cops ein für alle Mal hinwegspült und nur noch Leere zurücklässt. Wann durfte eine „Tatort“-Kommissarin je so dramatisch abtreten?

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