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„Nützliche Zuwendungen“ : Fotograf soll Schulen in SH bestochen haben

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Aus der Onlineredaktion

Die Kieler Staatsanwaltschaft schaltet sich in einen Verdachtsfall der Korruption ein. Es geht um Foto-Aufträge und Geschenke.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 14:16 Uhr

Ratzeburg, Kiel | Alle paar Jahre kommt der Fotograf in die Klasse, das organisieren die Schulen und Kindergärten seit Jahrzehnten so. Doch der Wettbewerb unter den Lichtbildnern ist hart geworden und die Unternehmen kämpfen mit harten Bandagen um die Gunst der Amtsträger. Ein Schulfotograf aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg soll sich mit unzulässigen Geschenken Aufträge in Schulen und Kindergärten verschafft haben. Gegenüber den Kieler Nachrichten bestätigte Oberstaatsanwältin Birgit Heß den Anfangsverdacht gegen die beauftragende Firma. Mit „nützlichen Zuwendungen“ sollen demnach lukrative Exklusivrechte erschlichen worden sein.

Längst nicht immer geht es bei der Auftragsvergabe an Schulfotografen nur um Preis, Leistung und Qualität. Darf ein Schulfotograf mit kleinen Geschenken für die Klasse um die Gunst von Amtsträgern buhlen? Ein Fall im Herzogtum Lauenburg hat die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.


Das bundesweit operierende Unternehmen verdient sein Geld in öffentlichen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Es entsendet nach Auftrag der Einrichtungen freie Fotografen zur Ablichtung von Kindern und Schulklassen an bestimmten Aktionstagen. Am Ende wird den Eltern eine breite Palette von Foto-Produkten mit dem Antlitz der Kinder angeboten – von Leinwänden über Mousepads und Puzzle bis hin zu Trinkbechern.

Dass es in diesem Markt häufig zu unerlaubten Geschäftspraktiken kommt, ist seit Jahren bekannt. Im „Bundeslagebild Korruption 2014“ der Bundeskriminalamtes ist die Rede von 10.480 Verdachtsfällen, in denen es zu Absprachen zwischen Schulleitern, Kindergartenleitern und Fotografen gekommen sein könnte. Inwieweit die Entscheidungsträger in dem aktuellen Fall Strafen zu befürchten haben, ist derzeit noch unklar.

Der Bundesgerichtshof hatte 2011 entschieden, dass mögliche Bestechungsabsichten in diesem Markt strenger kontrolliert werden müssen, um die Graubereiche zu schließen. Amtsträgern unter der Motivation eigener Ziele Vorteile anzubieten, sei unter Umständen bereits strafbar. Es war zuvor bekannt geworden, dass es Bestechungsversuche in Form von Rabatten und Geschenken – z.B. Geldern für die Klassenkasse und elektronische Geräte – gegeben hatte. In Bayern ist es Schulen und Schulklassen generell verboten, Zuwendungen von Fotografen anzunehmen. Ansonsten drohen mindestens sechs Monate Haft wegen Bestechlichkeit.

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