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120 Vollzeitstellen gestrichen : Fördesparkasse: Jeder Zehnte muss gehen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die „Personalreduzierung“ dient laut Vorstandschef Götz Bormann der „Prozessverschlankung“.

Kiel | Der Weihnachtsfrieden bei der Fördesparkasse ist empfindlich gestört: Am Donnerstag teilte der Vorstand der größten und erfolgreichsten Sparkasse im Lande mit, dass bis Ende 2018 insgesamt 120 Vollzeitstellen gestrichen werden. Konkret: Jeder zehnte Mitarbeiter muss den Hut nehmen. „Durch die Niedrigzinsphase, zunehmende Regulierung und deutlich verändertes Kundenverhalten besteht auch bei der Fördesparkasse Veränderungsbedarf“, teilte der vierköpfige Vorstand des Instituts mit, das 2007 aus den Sparkassen von Eckernförde, Kiel und Plön hervorgegangen ist.

Es weist eine Bilanzsumme von 6,25 Milliarden Euro aus und erzielte 2015 ein Betriebsergebnis von 65 Millionen Euro. Die „Personalreduzierung“ dient laut Vorstandschef Götz Bormann der „Prozessverschlankung“. Plöns Landrätin Stephanie Ladwig hat als Verwaltungsratschefin schon grünes Licht für den Stellenabbau gegeben. Er diene der „Stabilisierung des Geschäftsmodells“, sagt sie. Nur eine gesunde Kasse könne „die Wahrnehmung des öffentlichen Auftrages zum Wohle der Region langfristig gewährleisten.“

Auch der Personalrat habe zugestimmt, weil auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird. Laut Pressesprecher Caje Petersen setzt der Vorstand auf altersbedingte Fluktuation und wird auch Mitarbeiter mit einem warmen Händedruck (Abfindung) vorzeitig verabschieden.

„Jeder Bereich wird seinen Beitrag leisten“, so Petersen. Das betreffe auch Stabs- und Führungsfunktionen. Ob im Zuge der Personalreduzierungen auch der Vorstand verkleinert wird, sei noch offen. Auf die Frage, ob angesichts der dramatischen Einschnitte für die Beschäftigten Vorstandsmitglieder auf Teile ihrer Vergütung verzichten, sagte Petersen: „Hier gibt es keinen Bedarf etwas zu ändern“. Gezahlt werde wie „vertraglich vereinbart und entsprechend den Empfehlungen des Giroverbandes“. Wie berichtet kassierte Bormann 2015 über 531.000 Euro. Seine Stellvertreter gingen mit jährlich 477.000 Euro nach Hause. Zuletzt hatte das Quartett für Unmut gesorgt, weil die geplante Schließung von fünf der 83 Filialen nach Ansicht des Rendsburger Landrates Rolf-Oliver Schwemer nicht nur schlecht vermittelt wurde, sondern auch konzeptlos sei.

Personal wird in allen Geldhäusern des Landes abgebaut. Commerzbank und Deutsche Bank schließen Filialen im Norden, und auch die Nord-Ostsee Sparkasse will sich – wie Nospa-Chef Thomas Menke kürzlich ankündigte – von bis zu 90 Mitarbeitern trennen. Die Gewerkschaft betrachtet die Entwicklung mit Argusaugen. „Die Mitarbeiter müssen den Tribut zahlen für die zunehmende Digitalisierung der Branche“, meint Verdi-Sprecher Frank Schischewski in Kiel. Zu kritisieren sei aber, dass allein Stellenabbau als Mittel der Wahl gelte , um noch bessere Ergebnisse zu erzielen. „Gerade die Fördesparkasse ist so gesund, dass sie das eigentlich nicht nötig hat. “

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erstellt am 16.Dez.2016 | 14:05 Uhr

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