Sportförderung : Fördergelder in eigene Tasche gesteckt: Wie der Fielmann-Betrug aufflog

Fielmann

Die Kieler Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Betruges gegen einen ehemaligen Mitarbeiter aufgenommen.

Eine interne Untersuchung der Fielmann AG entlarvte einen ehemaligen Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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30. Januar 2018, 14:39 Uhr

Kiel | „Was ich gebe, das gebe ich von Herzen“, hat Brillenkönig Günther Fielmann (78) einmal über Projekte gesagt, die er finanziell unterstützt. Nun soll ausgerechnet ein Mitarbeiter das gesellschaftliche Engagement des schleswig-holsteinischen Ehrenbürgers schamlos ausgenutzt haben.

Wegen Betrugs zum Nachteil der Fielmann AG ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft. Gelder zur Förderung des Sports sollen in private Taschen geflossen sein, den Schaden beziffert das Unternehmen auf rund eine Million Euro. Hauptverdächtiger ist ein Mitarbeiter, der nach Informationen des sh:z, seit seiner Ausbildung 1997 in verschiedenen Funktionen im Unternehmen tätig war und als absolut vertrauenswürdig und loyal galt. Er hatte zuletzt die Aufgabe, Rechnungen zu genehmigen, die im Rahmen der Sportförderung eingingen. Er betreute einen großen Kreis von Sportlern und Firmen, die entsprechende Leistungen erbrachten.
 

Interne Untersuchungen im Unternehmen decken Betrug auf

Im Jahr 2013 soll er dann mit ausgewählten Personen ein betrügerisches Netzwerk geschaffen haben. Er soll überhöhte oder vorsätzlich falsche Rechnungen abgezeichnet haben, deren vermeintliche Richtigkeit durch gefälschte Nachweise vorgegaukelt worden sein soll.

Wie bei vielen Betrügereien mit einem großen Kreis an Mitwissern reicht es oft, einen Stein herauszubrechen, um das gesamte Lügengebäude zum Einsturz zu bringen. Dieser Stein waren Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft gegen einen Empfänger der Sportförderung. Die Behörde bat die Fielmann AG in diesem Zusammenhang um Unterlagen zu der entsprechenden Geschäftsbeziehung.

Die Fielmann AG leitete eine interne Untersuchung ein, bei der tausende von E-Mails und Dokumenten gesichtet worden sein sollen, übergab alles der Staatsanwaltschaft Kiel. Zugleich reichte das Unternehmen eine Strafanzeige gegen den für die Sportförderung verantwortlichen Mitarbeiter ein. Im September 2015 trennte sich die Fielmann AG von dem Mann, der zuvor bereits freigestellt worden war.

Nach der internen Untersuchung sollen auch Aufhebungsvereinbarungen mit vier weiteren Mitarbeitern geschlossen worden sein. Welche Rolle sie spielten, ist unklar, gegen sie soll strafrechtlich nicht ermittelt werden. Der Haupttäter, die vier weiteren Mitarbeiter und die Empfänger der Sportförderung haben laut Fielmann AG in „erheblichem Umfang“ Schadensersatz geleistet. Durch verschiedene Vereinbarungen sei der Großteil des Schadens wiedergutgemacht worden. Die noch bestehenden Forderungen will das Unternehmen statt in einem eigenen zivilgerichtlichen Verfahren unmittelbar im Strafprozess geltend machen (Adhäsionsverfahren).

„Auf die wirtschaftliche Entwicklung der Fielmann AG hatten die Straftaten keinen relevanten Einfluss“, betont Unternehmenssprecherin Ulrike Abratis. Wohl aber auf die internen Strukturen. Das Unternehmen hat sein Compliance-Managementsystem geschärft, um Verstöße schneller zu entdecken. „Gegen kriminelle Energie und Raffinesse Einzelner ist aber selbst das bestgeführte Unternehmen nicht gefeit“, sagt Ulrike Abratis. Und: „Trotz verstärkter Kontrollen setzt Fielmann auch weiterhin auf seine langjährige Unternehmenskultur, die auf Vertrauen aufbaut und in Mitarbeitern keine potenziellen Straftäter sieht.“

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