Veranstaltungen in Hohn und Jagel : Flugsicherheitstag der Luftwaffe: Wenig fliegen begünstigt Unfälle

Transall im Einsatz: Erhalt der Routine ist wichtig.
Transall im Einsatz: Erhalt der Routine ist wichtig.

Aus 256.000 Flugstunden im Jahr 1995 sind heute heute aus Mangel an Ressourcen gerade mal 71.000 geworden.

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26. November 2018, 21:41 Uhr

„Flugsicherheit hat für mich höchste Priorität. Wir alle kämpfen für mehr Flugstunden, aber die sichere Durchführung eines Fluges ist wichtiger, als das Maximum aus jedem einzelnen Einsatz herauszuholen“, unterstrich der Inspekteur der Luftwaffe. Eigentlich hatte Ingo Gerhartz höchstpersönlich vor Ort sein wollen, doch dringende Termine verhinderten den Besuch des Generalleutnants beim Tag der Flugsicherheit im Lufttransportgeschwader 63 (LTG 63) am Montag in Hohn (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

So spach er – wie auch beim zeitgleich stattfindenden Tag im Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel (Kreis Schleswig-Flensburg) – per Videobotschaft zu der Truppe, die sich im Offizierheim der Hugo-Junkers-Kaserne versammelt hatte – und zwar nicht nur die fliegenden Besatzungen: „Alle am Flugbetrieb Beteiligten sind gefordert“, so Gerhartz und appellierte, selbstbewusst Mängel zu erkennen und abzustellen: „Wir brauchen eine offene Fehlerkultur. Legen Sie die Finger in die Wunden!“

Um zu verdeutlichen, wo diese liegen, führte Uwe Eberle den Anwesenden die Veränderung der Rahmenbedingungen vor Augen: „1995 produzierte die Luftwaffe noch 256.000 Flugstunden, heute sind es aus Mangel an Ressourcen gerade mal 71.000“, erläuterte der Oberstleutnant aus der Dienststelle General Flugsicherheit, selbst ein ehemaliger Hubschrauber-Pilot. Der Mangel an Stunden jedoch bedeute eine Einschränkung der Kontinuität in der Ausbildung und führe in der Folge zu einem Verlust von fliegerischen Fähigkeiten, wie schon im Februar im Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zur materiellen Einsatzbereitschaft explizit gewarnt wurde.

Flugsicherheit ist ein Thema, das uns ständig beschäftigt, aber nicht jeden mit der gleichen Intensität

Kommodore des LTG 63, Oberstleutnant Markus Kleinbauer

 

Dass es 2015/16 keinen Flugunfall gegeben habe, sei „einfach nur Glück“ gewesen, sagte Eberle. Im Juli 2017 wurde diese Phase durch den Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers in Mali mit zwei Toten beendet – ein Unfall, dessen Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, aber bei dem technisches Versagen als wahrscheinlich gilt. Bei den meisten Flugunfällen wie auch bei der angestiegenen Zahl von Zwischenfällen sei jedoch der Mensch als Ursache zu finden – „zu 80 Prozent“, so Eberle. Denn: „Fehler sind menschlich und werden unbewusst begangen.“

Um diesen entgegen zu wirken, seien durch Vorschriften und Verfahren Sicherheitsbarrieren im Flugbetrieb eingezogen worden. Erst wenn die nicht mehr funktionierten oder nicht beachtet würden, komme es zur Unfallursache „menschliches Versagen“.

„Flugsicherheit ist ein Thema, das uns ständig beschäftigt, aber nicht jeden mit der gleichen Intensität“, so der Kommodore des LTG 63, Oberstleutnant Markus Kleinbauer, am Rande der Veranstaltung in Hohn. Mit diesem Termin wurde die Reihe der Flugsicherheitstage in der Luftwaffe abgeschlossen, die seit Anfang Oktober an allen Standorten mit fliegenden Verbänden stattgefunden hatten. „Wenn lange nichts passiert ist, rückt es in den Hintergrund. Aber mit einem solchen speziellen Tag lässt sich das Thema wieder sehr gut ins Bewusstsein zurück bringen.“

Dass sein Verband als letztes Geschwader, das noch mit dem alten Transportflugzeug C-160D Transall ausgerüstet ist und bis 2021 aufgelöst werden soll, eine große Aufgabenlast bei geringer werdendem Personalbestand zu schultern hat, sieht Kleinbauer als Vorteil an. „Wenig fliegen begünstigt Unfälle, aber wir fliegen viel und sowohl die Crews als auch die Techniker sind gut beschäftigt und erhalten so ihre Routine und Fertigkeiten.“

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