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Youtube-Appell in Hamburg : Flüchtlinge in SH: Lässt die Hilfsbereitschaft nach?

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Flüchtlingshelfer am Bahnhof in Hamburg sendeten Anfang November einen Hilferuf: Die Unterstützung lasse nach, die übrig gebliebenen Helfer könnten nicht mehr. Wie ist die Lage in SH? shz.de hat nachgefragt.

Hamburg | „Es nützt uns nichts, warme Kleidung zu haben, wenn niemand sie austeilt.“ Diese Worte stammen von einer jungen Frau, die in der vergangenen Woche einen eindringlichen Appell bei Youtube veröffentlichte. Der Tenor: Die Helfer, die Flüchtlinge bei ihrem Empfang am Hamburger Hauptbahnhof empfangen, können nicht mehr. Und brauchen dringend Hilfe.

Es gebe Leute, die Nachtschichten vor der Uni einlegen, es könne nicht sein, dass sich zwei Leute um 500 angekommene Flüchtlinge kümmern. „Wir brauchen weiter Sachspenden, aber vor allem brauchen wir eure Zeit“, sagt die junge Helferin, die sich als Emma vorstellt.

Doch wie ist die Lage in Schleswig-Holstein? Haben die Helfer hier ebenfalls mit einer nachlassenden Hilfsbereitschaft zu kämpfen?

Die Helfer am Flensburger Bahnhof

Pia Knief, 39, ist eine der Helferinnen der ersten Stunde. Sie ist Teil der Initiative „Refugees Welcome Flensburg“, die den ankommenden Flüchtlingen am Flensburger Bahnhof hilft. „Grundsätzlich können wir uns nicht beklagen“, sagt sie. Obwohl auch sie merke, dass die Bereitschaft, am Bahnhof zu stehen und zu helfen, langsam nachlasse. „Wir gehen jetzt in die zehnte Woche“ - und gerade vormittags gebe es öfter eine Lücke, die nur schwierig mit Helfern auszufüllen sei.

Was die Spenden angeht, sei die Initiative gut versorgt. „Wir posten bei Facebook, wenn uns etwas fehlt, in der Regel dauert es nicht lange, bis die Leute uns die fehlenden Sachen vorbeibringen“, erzählt Knief.

Mindestens 50 bis 60 Helfer seien auch aktuell noch täglich vor Ort, aufgeteilt sind sie in verschiedenen Schichten. Das klingt viel - doch gerade die Helfer, die schon lange dabei und gut eingearbeitet sind, sind nicht so leicht zu ersetzen. „Einen Tiefpunkt hatte ich letztes Wochenende“, erzählt auch Pia Knief, die im Orga-Team eingeteilt ist. In diesen Tagen hätten die Helfer kurzzeitig nichts mehr für die Flüchtlinge gehabt, kein Essen und nicht einmal mehr Wasser. „Aber ich habe gemerkt: Mir ist das zu wichtig, ich möchte weitermachen.“

Die Helfer von der Flüchtlingshilfe Flensburg

Die Flüchtlingshilfe Flensburg hilft ebenfalls in der Fördestadt. Sie kann sich über zu wenige Helfer nicht beschweren. Reiner Rademacher kümmert sich mit seinem Team um die Flüchtlinge, die der Stadt Flensburg und der Umgebung bereits zugeteilt wurden. „Wir haben so viele Helfer, dass ich manchmal gar nicht weiß, wo ich sie unter kriegen soll.“ Mit ihnen organisiert Rademacher Deutschkurse, begleitet die Flüchtlinge zu Ämtern, füllt mit ihnen Formulare aus. Wie es wird, wenn die Gemeinde Eggebek als Flüchtlingsunterkunft hinzukommt, kann er jedoch nicht einschätzen. „Dann wird die Anzahl der Flüchtlinge vielleicht auch für uns eine Nummer zu groß.“

Die Helfer von „Kiel hilft Flüchtlingen“

Auch wenn die Zahl der Helfer immer mal schwanke - die Kieler Initiative „Kiel hilft Flüchtlingen“ habe bisher nicht das Problem, zu wenige Helfer zu haben. „Aber natürlich ist es so, dass gerade diejenigen, die am Anfang viel geholfen haben, sich zwischendurch mal erholen müssten“, erzählt Sebastian Rehbach (32). Gemeinsam mit vielen Helfern betreut er täglich zwischen 250 und 600 Transitflüchtlinge, die in Kiel ankommen und auf ein Fährticket in Richtung Skandinavien warten. Und auch, wenn die Kleiderkammer noch gut gefüllt ist: „Gerade Winterkleidung können wir immer gut gebrauchen.“

Die Helfer vom Willkommensteam Elmshorn

Die Unterbringung in Elmshorn erfolgt dezentral - die Ausgangslage ist also eine andere als beispielsweise die in Hamburg. Sie hätten zwar viele Helfer, auf die sie zurückgreifen können - „abebben darf die Hilfsbereitschaft aber nicht“, sagt die zweite Vorsitzende des Vereins, Constance Diegel. „Wir freuen uns über jeden, der sich für unsere Arbeit interessiert.“

Wer helfen möchte, findet hier die richtigen Adressen und Ansprechpartner.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 16:52 Uhr

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