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„Ärzte ohne Grenzen“ : Flensburgerin berichtet über ihren Ebola-Einsatz

vom
Aus der Onlineredaktion

„Kinder haben bitterlich geweint, Eltern haben mich angefleht“: Wencke Petersen über ihre Arbeit bei der Einlasskontrolle in einem Krankenhaus in Liberia.

Flensburg/Monrovia | 33 Ärzte, Krankenpfleger, Logistiker und Mechaniker – zivile und militärische Kräfte – bereiten sich auf dem Gelände der Unteroffiziersschule der Luftwaffe in Appen (Kreis Pinneberg) auf ihren Einsatz im Ebola-Gebiet vor. Was die Helfer dort erwartet, was es heißt, sich ins Zentrum der Epidemie zu wagen und dabei das eigene Leben zu riskieren, weiß  Wencke Petersen. Die Flensburgerin hat dem Tod ins Auge gesehen. Täglich. Fünf Wochen lang – in Liberia, wo das Gesundheitssystem längst kollabiert ist. 

Fast 3000 Menschen sind bisher gestorben. Wencke Petersen arbeitete bis Anfang Oktober in einer von „Ärzte ohne Grenzen“ errichteten Klinik. Am Tor des aus Zelten bestehenden und ummauerten Krankenhauses in Monrovia entschied die 41-Jährige, wer hinein durfte und wer nicht. „Ich wusste, viele von ihnen werden sterben“, sagt die Arzthelferin, „ein schreckliches Gefühl.“

Ursprünglich sollte Wencke Petersen, die an der FH in Flensburg Logistik und Krankenhausmanagement studiert hat, die Verteilung von Hygiene-Kits organisieren: Schutzkleidung, Einweghandschuhe, Masken, chirurgische Mäntel, Chlor zur Desinfektion. Doch die Hilfsmittel sind bei ihrer Ankunft noch nicht eingetroffen. So landet sie dort, wo sie am dringendsten gebraucht wird – im Ebola Management Center, das 120 Patienten beherbergt.

Mitte September wird die Bettenzahl verdoppelt – vier Ärzte und ein knappes Dutzend Krankenschwestern versorgen die schwer Erkrankten, die Einlass finden. 20 bis 30 Menschen muss die Flensburgerin jeden Tag wieder wegschicken, darunter viele Kinder. Einige sind von ihren Müttern vor dem Tor ausgesetzt worden, andere haben ihre Familie verloren. „Sie haben bitterlich geweint, Eltern haben mich angefleht. Und wie gern hätte ich das Tor aufgemacht.“ Aber sie dreht sich um, atmet tief durch, unterdrückt die Tränen – und arbeitet weiter. Doch auch Erfolge bleiben nicht aus. So konnte die Überlebensrate von 20 auf 40 Prozent verdoppelt werden. „Ich habe Heilung erlebt – das hat mir Kraft gegeben.“

Wencke Petersen hat schon Einsätze im Kongo, dem Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik und beim Cholera-Projekt in Haiti hinter sich. Nächste Woche wird sie erneut in Monrovia sein. Und ihr Mann Mathias wird sie wieder ziehen lassen. Die Angst bleibt bei ihm. „Hätte ich sie“, sagt seine Frau, „dann würde ich nicht gehen.“

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erstellt am 23.Okt.2014 | 21:06 Uhr

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