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Naturschutz : Fischotter in SH – Lichtblick in düsterer Artenschutzbilanz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Land will mehr Naturräume schaffen: Neue Auen an Flüssen und Bächen in den kommenden zehn Jahren.

Kiel | Seeadler im Aufwind, Fischotter, die alte Lebensräume zurückerobern und deren Zahl sich seit 2009 auf 195 Tiere vervierfacht hat: Es gibt auch positive Nachrichten im Bericht „zur Biologischen Vielfalt – Jagd und Artenschutz“. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) stellte das 178 Seiten starke Papier am Mittwoch in Kiel vor.

Unterm Strich bleibt die Bilanz trotz Millionenausgaben für den Arten- und Naturschutz gleichwohl ernüchternd. „Insgesamt geht es den Arten schlecht“, sagte Habeck. Intensive Landnutzung etwa durch die Landwirtschaft bedeute ein enormer Druck auf die Artenvielfalt.

Dennoch nannte der Minister Landwirte einen wichtigen Partner im Naturschutz. 9,4 Millionen Euro stehen allein für den Vertragsnaturschutz zur Verfügung. Dies Programm leiste einen maßgeblichen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität im Land.

Als wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen will Schleswig-Holstein in den nächsten zehn Jahren neue Auen an Flüssen und Bächen schaffen. Bis zum Jahr 2027 sollen 60 der rund 1200 Kilometer Uferbereiche an schützenswerten Gewässern im Norden naturnah gestaltet werden.

Auen seien als Lebensräume für Otter und eine Reihe anderer Tier- und Pflanzenarten zur Rarität geworden, sagte Habeck. Grund sei, dass Flüsse und Bäche über Jahrzehnte begradigt wurden. Die geplante Renaturierung soll auf freiwilliger Basis und mit örtlicher Trägerschaft umgesetzt werden.

Sorge bereitet dem Umweltminister der Rückgang an arten- und strukturreichen Dauergrünland, das nicht regelmäßig gemäht wird. Außerhalb von Naturschutzflächen und Eigentumsflächen der Stiftung Naturschutz gebe es in Schleswig-Holstein nur noch rund 7000 Hektar. Allein von 2010 zu 2013 sei das artenreiche Grünland um zwei Drittel geschrumpft. Beim artenreichen Feuchtgrünland habe es von 1982 bis 2014 sogar einen Flächenverlust um 87 Prozent auf 828 Hektar gegeben.

2016 förderte das Ministerium mit etwa einer Million Euro verschiedene Artenschutzprojekte, die von Vereinen, Verbänden oder Stiftungen umgesetzt werden. 8,8 Millionen Euro fließen in investive Naturschutzmaßnahmen wie die Anlage von Biotopen, die Renaturierung von Fließgewässern oder die Betreuung von Schutzgebieten.

Anhaltend hoch sind die Schalenwildbestände zwischen Nord- und Ostsee, berichtete Habeck. Rotwild, Damwild und Schwarzwild eroberten neue Lebensräume. Dies sei insbesondere im nördlichen Landesteil nicht unproblematisch angesichts des hohen Anteils junger, durch Wild gefährdeter Waldbestände und Wiederaufforstungsflächen nach Stürmen. Die Verringerung der Schalenwildbestände, vor allem aber überhöhter Bestände, bleibe daher eine Daueraufgabe für die Jägerschaft, sagte Habeck. „Der Jagddruck bei Rotwild insbesondere im Nordwesten des Landes muss erhöht werden“.

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