Deutscher Fischereitag in Lübeck : Fischer hoffen auf Heringsquoten und bangen vor dem Brexit

<p>Ostsee-Heringe liegen an Bord eines Fischkutters. /Symbolfoto</p>

Ostsee-Heringe liegen an Bord eines Fischkutters. /Symbolfoto

Der Fangstop für den Hering ist das beherrschende Thema. Ministerpräsident Günther versucht die Fischer zu ermutigen.

shz.de von
28. August 2018, 18:37 Uhr

Lübeck | Der drohende Entzug eines wichtigen Zertifikats für Ostseeheringe steht im Mittelpunkt des Deutschen Fischereitages in Lübeck. Ohne das MSC-Siegel sei Hering praktisch kaum noch zu verkaufen, obwohl die Qualität gleich bleibe, sagte Kai-Arne Schmidt vom Verband Deutscher Kutter- und Küstenfischer (VDKK) zu Beginn der Tagung am Dienstag.

Grund für den drohenden Verlust des Zertifikats ist eine Änderung der Referenzwerte durch den Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES). Das blau-weiße Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte aus „zertifizierter, nachhaltiger Fischerei“. Es bestehe aber die Hoffnung, dass es kein komplettes Fangverbot, sondern nur eine Fangmengenbeschränkung geben werde, sagte der Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes, Peter Breckling. „Wir hoffen auf Quotenkürzungen zwischen 40 und 60 Prozent und eine auf ein Jahr begrenzte Krisenhilfe von Bund und EU“, sagte er. 

Weitere zentrale Themen des dreitägigen Treffens sind die Angst der Hochseefischer vor dem Brexit sowie die Probleme der Binnenfischer mit Kormoranen, Reihern und Fischottern.

Durch den 2019 anstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU befürchtet der Fischereiverband gravierende Folgen. „Derzeit stammen nahezu 100 Prozent unserer Nordseeheringsfänge aus britischen Gewässern“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, Uwe Richter. „Gemeinsam mit den anderen betroffenen EU-Staaten fordern wir von Brüssel, den Zugang Großbritanniens zum europäischen Markt an die Bedingung zu knüpfen, dass europäische Fischereifahrzeuge weiterhin in der britischen 200 Seemeilen-Zone fischen dürfen“, sagte er. 

Zur Eröffnung des Fischereitages am Abend sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Fischerei und Naturschutz seien gut miteinander in Einklang zu bringen. „Fischerei gehört zur Identität und damit zur DNA des Landes Schleswig-Holstein“, sagte er. Wenn beide Seiten kompromissfähig aufeinander zugingen, sei auch eine nachhaltige Fischerei möglich, sagte Günther.

Nach Angaben der Fischereiverbandes umfasst die deutsche Fischereiflotte knapp 1400 Fahrzeuge, darunter acht große Trawler, die hauptsächlich im Nordatlantik unterwegs sind. In Schleswig-Holstein sind nach Verbandsangaben 570 Fischereifahrzeuge stationiert, in Mecklenburg-Vorpommern 708 und in Niedersachsen 137.

Unter dem Dach des Deutschen Fischerei-Verbandes sind vier Spartenverbände der Berufsfischer und Angler zusammengeschlossen. Bis zum Donnerstag wollen sich die 250 Tagungsteilnehmer unter anderem mit dem Schutzkonzept Natura 2000 und den Problemen der Binnenfischer beschäftigen. Sie sehen die Fischbestände durch Kormorane, aber auch durch Reiher und Otter gefährdet. 

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