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Hans Michael Jebsen im Gespräch : Firma in Hongkong, Herz in Apenrade

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Der aus Nordschleswig stammende Großreeder Hans Michael Jebsen über Kompetenz aus dem Grenzland - und sein Engagement für seine Heimat.

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2013 | 05:38 Uhr

apenrade | Ins Erwachsenenleben gestartet ist er vom Grenzland aus als Absolvent des deutschen Gymnasiums in Apenrade und Lehrling der einstigen Vereins- und Westbank in Flensburg - nach weiteren praktischen Ausbildungsstationen in London und einem Studium in St. Gallen führt er heute von Hongkong aus das Familienunternehmen Reederei Jebsen & Co.: Hans Michael Jebsen. Trotz der gewaltigen geografischen Distanz ist der Firmen-Chef im Herzen Nordschleswiger geblieben. Seine Heimat profitiert davon.

Herr Jebsen, Sie sind ein großer Förderer Nordschleswigs. Wie geht die Leidenschaft für diese Region zusammen mit einem Alltag in China?

Besonders das schnelllebige Hongkong führt vor Augen, wie wichtig kulturelle Wurzeln sind. Der chinesische Begriff "heung ha", der dem deutschen Begriff Heimat am nächsten kommt, spielt in China eine zentrale Rolle. Auch in unserer Familie ist es schon Tradition, sich auch über den eigenen Wirkungskreis hinaus für die Region, aus der man stammt, einzusetzen.

Wie bekommen Sie es hin, dass Ihre mentale Verbindung zu Nordschleswig nicht abreißt?

Für meine Familie und mich ist Nordschleswig heute ein Ferien- und primär Sommerland, das sich gegenüber der geschäftigen, urbanen Umgebung Hongkongs durch intakte Umwelt und einen gewachsenen Kulturraum auszeichnet.

Woran erleben Sie selbst in Ihrem chinesischen Alltag, dass Sie ein Nordschleswiger sind?

Als "Grenzländer" entwickelt man eine besondere Sensibilität für kulturelle Vielfalt. Dies kommt einem in einer so komplexen und tiefverwurzelten Kultur wie der chinesischen zugute.

Mit Ihrem Blick von außen: Macht die Grenzregion das Mögliche aus ihren Potenzialen? Was wird eventuell unbewusst verschenkt?

Diese Frage ist für mich, da ich seit 1981 nicht mehr in der Grenzregion lebe, heute schwer zu beantworten. Grundsätzlich denke ich, dass das Bewusstsein, dass Vielfalt Stärke bedeutet, heute stärker ausgeprägt ist als es noch während meines Aufwachsens in Nordschleswig allgemein der Fall war. Diese Entwicklung lässt sich aber sicher noch vertiefen.

Haben Sie einen Vorschlag für ein Leitprojekt, das die Grenzregion nennenswert nach vorne bringen könnte?

Die Förderung von Zweisprachigkeit und kultureller Öffnung gegenüber den Nachbarn auch im Ausbildungssektor wäre aus meiner Sicht ein überlegenswerter Ansatz. Im Idealfall sollten Grenzlandbewohner ihre gegenseitigen Sprachen sprechen und die Gelegenheit haben, diese schon ab der Grundschule zu erlernen.

Hat es noch seine Berechtigung, im Grenzland in Nuancen Unterschiede zwischen Deutsch und Dänisch zu pflegen?

Ein kultureller Einheitsbrei ist immer weniger interessant als ein vielfältiges kulturelles "Buffet". Natürlich gibt es auch Unterschiede und Nuancen, die es wert sind zu pflegen. Unterschiede, wo sie kulturelle Wurzeln haben, verleihen Identität und machen das Miteinander und den Dialog interessant.

Sie ermöglichen aktuell in Apenrade die Entstehung eines deutsch-dänischen Medienhauses, in dem die Regionalzeitung Jydske Vestkysten mit der Zeitung der deutschen Minderheit, dem Nordschleswiger, unter einem Dach residieren wird. Was versprechen Sie sich von diesem Zusammenrücken von deutscher und dänischer Kultur?

Das Medienhaus in Apenrade ist von der Idee her ein "Gemeinschaftsprodukt" der zukünftigen Nutzer, das an meine Investitionsfirma in Dänemark herangetragen wurde und insofern nicht Mäzenatentum. Was mich freut, ist, dass die Zeit reif ist für einen kultur- und sprachenübergreifenden Dialog, der sich auch in der zukünftigen Nachbarschaft innerhalb des Gebäudekomplexes manifestiert.

Wie bleibt von der deutschen Minderheit in Dänemark bei einem solchen Zusammenrücken mit der Zeitung der Mehrheit noch genügend sichtbar?

Medieninhalte werden von einer solchen geografischen Nachbarschaft, denke ich kaum berührt, vielleicht wird eher ein noch intensiverer Dialog sozusagen auf dem kleinen Dienstweg gefördert, wo er sich anbietet.

Das Medienhaus läutet in Ihrem Engagement für das Grenzland ein neues Kapitel ein. Ist damit die Ära der Restaurierung der vielen historischen Kro-Stätten in Nordschleswig beendet, für die Sie besonders bekannt sind?

Das Gebäude ist ein ganz reguläres Vermietungsobjekt. Bezüglich Kros ist Nordschleswig gut bestückt und der Bedarf, denke ich, gedeckt. Unsere Gesellschaft Ejendomsselskabet Stentoft A/S hält zehn Objekte in Nordschleswig: Restaurant Knapp bei Apenrade, den Løjt Kro in Løjt Kirkeby, Kalvø Badehotel, Aarøsund Badehotel, Ballebro Færgekro am Alsensund, Schackenborg Slotskro, Mögeltondern, Schackenborg Vesterkro, Mögeltondern, Restaurant Damende bei Hadersleben, Hotel Baltic, Höruphaff, Dyvig Badehotel am Alsensund.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, sich gerade für die Restaurants zu engagieren?

Kros sind traditionelle Mittelpunkte des sozialen Lebens und damit ein wichtiger Teil der lokalen Kultur. Mir ging es darum, diese Lokalzentren zu erhalten, was nur durch das außergewöhnliche Engagement der verschiedenen Kro Pächter möglich ist. Wenn Renovierungsbespiele dann auch noch "Schule machen", ist ein zusätzlicher positiver Effekt erzielt.

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