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Handball Champions League : Final Four: Traumfinale zwischen THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt

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Mehr Spannung geht nicht: Flensburg schlägt Barcelona im Siebenmeter-Werfen. Im Finale der EHF Champions League spielt die SG gegen den THW.

Köln | Der Titel geht auf jeden Fall nach Schleswig-Holstein: Um 18 Uhr spielt die SG Flensburg-Handewitt im Final Four in Köln um die Handball Champions League gegen den THW Kiel. Die Zebras bezwangen MKB Veszprem aus Ungarn, bevor die Flensburger für einen sensationellen Sieg gegen Barcelona sorgen sollten.

Im dramatischsten Halbfinale in der Geschichte der Champions League begeisterte die SG Flensburg-Handewitt am Samstagabend die 20.000 Zuschauer in der Kölner Lanxess-Arena restlos, strapazierte zuvor allerdings auch die Nerven ihrer Anhänger bis auf das Äußerste. Mit 5:3 im Siebenmeterschießen nach einem 36:36 (32:32/18:17) in 70 Minuten Spielzeit warf das Team von Trainer Ljubomir Vranjes den Favoriten FC Barcelona aus dem Rennen.

Vorangegangen war eine taktische Meisterleistung von Vranjes, der zudem ein phänomenales Gespür bei der Auswahl seiner Siebenmeterschützen bewies. Wo vermutlich jeder andere Trainer der Welt auf Routiniers gesetzt hätte, tat der Schwede das exakte Gegenteil. Die Jüngsten wurden zu den letzten drei Würfen bestellt. Nachdem Anders Eggert und Steffen Weinhold als etatmäßige Strafwurfspezialisten vorgelegt hatten und Karabatic für Barcelona verworfen hatte, stand es 3:1. Jim Gottfridsson (21) musste als Erster aus dem „SG-Kindergarten“ ran, es folgte Bogdan Radivojevic (21) und beide trafen. Beim Stand von 4:3 hatte das Küken Hampus Wanne den 100.000-Euro-Wurf zu absolvieren – so viel ist der Einzug in Finale zusätzlich zur Antrittsprämie wert. Der 20-jährige Schwede blieb in der kochenden Arena eiskalt und wagte es tatsächlich, den überragenden Barcelona-Keeper Danijel Saric mit einem Heber zu überlisten – in Zeitlupe schien sich der Ball ins Netz zu senken – die Entscheidung in einem unglaublichen Handball-Krimi.

„Ich wusste ja, wie schnell der Saric mit Armen und Beinen ist. Deswegen habe ich weich über den Kopf geworfen“, berichtete anschließend Hampus Wanne, dem nicht die Spur von Aufregung anzumerken war. „Ich sollte ein Tor werfen, das habe ich gemacht.“  Der Linksaußen hatte bereits im regulären Spiel großen Anteil daran gehabt, dass die SG, die beim Rückstand von 26:32 (52.) längst geschlagen schien, auf wundersame Weise mit sechs Toren in Folge zurückkehrte und sich noch in die Verlängerung rettete. Drei Tore erzielte Wanne, nachdem er Eggert in der 47. Minute abgelöste hatte. Auch Torhüter Sören Rasmussen darf mit einer starken Leistung in der Schlussphase zu sich den Rettern zählen. Und schließlich Holger Glandorf, der in der Schlusssekunde mit einem Konter den Ausgleich erzielte.

Die Pause vor der Verlängerung schien den Spaniern, die am Ende ihrer Kräfte waren, die nötige Luft verschaffte zu haben. Doch die SG holte auch den erneuten Zwei-Tore-Rückstand wieder auf und erzwang den Shootout. „Meine Fresse, wer hätte das erwartet. Barcelona geschlagen, wir im Finale. Ich bin so stolz auf die Mannschaft und unsere jungen Leute“, sagte der völlig überwältigte Thoma Mogensen.

Die SG Flensburg-Handewitt hatte die erste Hälfte gegen den Rekordsieger der Champions League offen gestaltet und das Ensemble aus Weltklassespielern gut im Griff gehabt. Nach der Pause deutete sich zunächst sogar ein glatter Gang ins Finale an, als die Flensburger mit 21:18 (34.) in Führung lagen. „Wir sind dann zu oft an Saric gescheitert und haben uns in eine unkomfortable Situation gebracht“, umschrieb Vranjes noch milde die Wende im Spiel. Barcelona legte einen 8:1-Lauf hin und wahrscheinlich hätte Nikola Karabatic nun alles auf einen Favoritensieg gesetzt. Die Spanier hielten den Bundesligisten auch mit Unterstützung skandalöser Schiedsrichterentscheidungen locker auf Distanz, begannen die Kräfte zu schonen und wechselten durch. Sie hatte sich verrechnet.

„Egal, was passiert. Zusammenstehen in guten wie in schlechten Zeiten“, beschrieb Lasse Svan den Geist, der die SG nun erfasste und die Arena mitriss. Als die Aufholjagd in Gang war, gab es kein Halten. Die Flensburger wurden vom Publikum gepusht, Barcelona und insbesondere Siarhei Rutenka wurden gnadenlos ausgepfiffen. Da half auch das Daumendrücken von Fußball-Weltstar Carlos Puyol, der in erster Reihe mitfieberte, nicht mehr. Mit eisernem Willen zwang die SG das spanische Ausnahmeteam zum zweiten Mal nach 2007 (damals im Viertelfinale) in die Knie. Und wie vor sieben Jahren fiebert Schleswig-Holstein einen Derby-Finale entgegen.

Der THW Kiel lebt seinen Traum vom vierten Champions-League-Sieg. Eine Woche nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels kämpfte sich das Ausnahmeteam zum siebten Mal ins Endspiel der Königsklasse. Die Kieler gewannen am Samstag in der ersten Halbfinal-Partie dank einer Energieleistung und des starken Torhüters Andreas Palicka das hochklassige Halbfinale gegen MKB Veszprem mit 29:26 (13:13).

„Ich kann schwer beschreiben, wie stolz ich auf meine Mannschaft bin“, sagte der Kieler Trainer Gislason und lobte seinen famosen Schlussmann Palicka: „Ich bin extrem zufrieden mit seiner Leistung.“ Der Schwede war in der 21. Minute beim Stand von 8:11 für seinen glücklosen Landsmann Johan Sjöstrand aufs Feld gekommen und legte mit 44 Prozent gehaltener Würfe den Grundstein für den Sieg. Mit Palicka als sicherem Rückhalt holte Kiel den Rückstand bis zum 13:13 zur Pause auf und drehte in der zweiten Halbzeit das Spiel. Nach dem 15:16 (36.) setzte sich der Meister mit einem Zwischenspurt auf 19:16 (41.) ab und hatte beim 27:24 (53.) die Partie für sich entschieden. „Ich bin sehr glücklich, dass wir gewonnen haben“, sagte der Matchwinner, „wir haben eine sehr starke zweite Halbzeit gespielt, wo die Abwehr sehr kompakt gestanden hat. Ich bis sehr stolz darauf, dass es für mich heute so gut lief und ich meiner Mannschaft helfen könnte.“

Ausgelaugt und ein bisschen in sich gekehrt saß Filip Jicha anschließend auf der Pressekonferenz. Trotz noch nicht ausgeheilter Sprunggelenksverletzung spielte der Tscheche die gesamten 60 Minuten durch. „Wir spielen morgen das letzte Spiel der Saison und ich bin einfach nur stolz. Ich bin wirklich glücklich und stolz“, sagte der Rückraumspieler und verabschiedete sich zur Behandlung durch die Physiotherapeuten.

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erstellt am 31.Mai.2014 | 21:16 Uhr

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