Flensburg : FH nimmt Kurs auf maritime Zukunft

In Flensburg über die Kieler Förde: Ministerpräsident Carstensen im Simulator.
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In Flensburg über die Kieler Förde: Ministerpräsident Carstensen im Simulator.

Mit dem gestern eröffneten Maritimen Zentrum verfügt die Fachhochschule Flensburg über die modernste Ausbildungsstätte in Europa

shz.de von
07. Mai 2011, 07:26 Uhr

flensburg | Stapellauf der etwas anderen Art: kein Boot, kein Wasser - dennoch hieß es Leinen los für sechs Schiffe. Gestern wurde das Maritime Zentrum der Flensburger Fachhochschule (FH) eröffnet. Mit seinen sechs Schiffsführungssimulatoren, Maschinenraumsimulator, und -Kontrollraum sowie der aktuellsten Animationssoftware zählt es zum modernsten, was Europa derzeit in der maritimen Ausbildung zu bieten hat.

Dementsprechend stolz begrüßte FH-Präsident Herbert Zickfeld 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und den Hochschulen zur Eröffnungsfeier im Audimax: "Das ist die Verwirklichung unseres Traums." Mit dem Zentrum sollen die Kompetenzen, die auf dem Campus vorhanden sind, noch intensiver gebündelt werden. "Die maritime Wissenschaft hat eine überragende Bedeutung für uns", so Zickfeld. Daher sollen in dem dreigeschossigen Neubau gegenüber der Campushalle auch nicht nur die Studenten zu Schiffsoffizieren ausgebildet werden. Neben der Fachschule für Seefahrt nutzt auch die Lotsenbrüderschaft NOK II die Simulatoren als Trainingszentrum. Man wolle nicht nur lehren und forschen, sondern auch aktiv an Lösungen für Zukunftsprobleme mitarbeiten, so Zickfeld.

Dass das neue Maritime Zentrum in Flensburg genau am richtigen Standort stehe, unterstrich Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Die nördlichste Hochschule Deutschlands sei der geeignete Platz für maritime Spitzenforschung. Das Land Schleswig-Holstein hat insgesamt sechs Millionen Euro in den Neubau und die Ausstattung investiert. Gut angelegtes Geld aus Sicht von Carstensen: "Die deutsche Schifffahrt hat großen Bedarf an hoch qualifizierten nautischen Schiffsoffizieren." Mit dem Maritimen Zentrum leiste das Land einen "wesentlichen Beitrag zur Deckung dieses Fachkräftebedarfs", sagte Carstensen. Zudem habe die maritime Wirtschaft eine große wirtschaftliche Bedeutung für Schleswig-Holstein, macht sie doch 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Mit dem modernen nautischen Ausbildungszentrum führt die FH ihre mittlerweile 125-jährige maritime Tradition in die Zukunft fort. Die heutigen Studiengänge Seeverkehr, Nautik und Logistik sowie die Schiffstechnik mit derzeit 200 Studenten gehen letztlich auf die königliche Seedampf-Maschinisten-Schule aus dem Jahre 1886 zurück. Anders als früher werden die künftigen Kapitäne heute mit modernster Technik unterrichtet, die es ihnen ermöglicht, Schiffe vom Brückensimulator aus durch fast alle Seegebiete der Welt zur manövrieren. Für Michael Behrendt, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Deutscher Reeder, ist das ein wichtiger Bestandteil der seemännischen Ausbildung: "Die jungen Leute übernehmen später Verantwortung für Crew und Fracht. Da wir wissen, dass sie hier eine exzellente Ausbildung genießen, übertragen wir ihnen diese Verantwortung gerne."

Der 1200 Quadratmeter große Neubau auf dem Campus weist noch in einer Hinsicht in die Zukunft. "Dank des energetischen Konzepts unterschreiten wir die Energieeinsparverordnung um 38 Prozent", erklärte Henrik Harms, Geschäftsführer des Gebäudemanagements Schleswig-Holstein (GMSH). Als Bauherrn-Vertreter übergab Harms dem neuen Hausherrn Zickfeld symbolisch den Schlüssel zum Maritimen Zentrum.

Dann ging es auf Deck. Die Gäste nahmen das neue Gebäude in Augenschein, und der ein oder andere griff zum Ruder, um sein nautisches Können zu beweisen. Natürlich ließ es sich Ministerpräsident Carstensen nicht nehmen, einen Tanker über die Kieler Förde zu manövrieren.

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