Hintergrund und Analyse : Feuerwehren in SH – ein längst überholtes Image

Der Beruf des Feuerwehrmannes gilt immer noch als einer der angesehensten.
Der Beruf des Feuerwehrmannes gilt immer noch als einer der angesehensten.

Warum die Feuerwehren trotz umstrittener Gesinnungs-Umfrage kein Problem mit dem Ansehen haben.

Kay Müller von
08. Juni 2018, 08:22 Uhr

Kiel | Ganz ehrlich? Das Bild haben doch immer noch viele Menschen im Kopf: Feuerwehrleute löschen gern und vor allem ihren eigenen Durst. Klischees über die, die sich selbst gern als Kameraden bezeichnen, gibt es genug. Und in der Tat haben die Wehren über Jahrzehnte auch selbst dazu beigetragen, dass sie als ein verschworener Haufen galten, der nach eigenen Gesetzen funktioniert, eine eigene Sprache spricht und nicht für alle zugänglich ist.

Doch wer glaubt, dass die meisten Feuerwehren in Schleswig-Holstein so sind, der täuscht sich. Deswegen verwundert ein wenig die Sensibilität, mit der über eine Umfrage gestritten wird, in der Feuerwehrleute auch Auskunft über ihre politische Gesinnung geben sollten. „Für uns hatte das ganz praktische Gründe, auch die Einstellungen zu rechtspopulistischen Thesen abzufragen“, sagt ein hochrangiger Feuerwehrmann. „Wäre dabei herausgekommen, dass wir keine Rechten haben, wäre alles gut gewesen. Wäre dabei herausgekommen, dass wir überdurchschnittlich viele haben, hätten wir etwas unternehmen müssen.“

Jedem dürfte klar sein, dass sich autoritär denkende Menschen von männerdominierten Organisationen, bei denen es in Einsätzen auf Befehl und Gehorsam ankommt und in denen Uniformen noch immer eine große Rolle spielen, angezogen fühlen. Dass es Rechtsausleger bei Polizei und Bundeswehr gibt, ist durch einige Skandale in der Vergangenheit klar geworden. Vermutlich gibt es sie auch in den Freiwilligen Feuerwehren, auch wenn davon öffentlich noch nichts bekannt ist. Aber, dass sie einzelne Organisationen dominieren, dürfte doch mehr als fraglich sein.

Dass die Feuerwehrführung im Norden sich dem Thema stellt, ist trotzdem löblich. Genauso wie die Tatsache, dass sie seit Jahren mit Kampagnen und Kongressen daran arbeitet, ihr Image zu ändern – übrigens mehr als das in anderen Landesverbänden der Fall ist. Denn die Wehren wissen, dass sie weiter auf Nachwuchs angewiesen sind, wenn es sie in der Fläche weiter geben soll. Und dazu reichen eben nicht wie früher ein paar Rettungshelden und Vereinskungler. Die Wehren brauchen auch die Hausfrau, den IT-Manager, den Grafiker, der vom Home-Office auf dem Dorf aus arbeitet, oder den Migranten, der vielleicht nur wenig Deutsch spricht, aber in seiner neuen Heimat Anschluss an die Gesellschaft sucht. 

Zwar belegt eine Studie aus Niedersachsen, dass gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund Vorbehalte gegenüber den (Jugendfeuer-)Wehren haben, weil sie diese als klassische deutsche Traditionsvereine sehen, in denen viel getrunken wird und die sie als scheinbar Fremden ausschließen. Und manch ein Flüchtling hat Probleme mit der Organisation, weil er das System der Freiwilligen Feuerwehr nicht kennt und Angst vor Uniformträgern hat, weil er mit denen in seinem Heimatland meist schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Aber auf der anderen Seite ist das Ansehen der Feuerwehrleute in den vergangenen Jahren auf stabil hohem Niveau. In fast allen westeuropäischen Ländern vertrauen deutlich mehr als 90 Prozent der Menschen den Wehren. Der Beruf des Feuerwehrmannes gilt immer noch als einer der angesehensten. Und noch immer geben viele Kinder als Traumberuf „Feuerwehrmann“ an. Jeder der sieht, wie Feuerwehrleute in ihrer Freizeit ehrenamtlich Leib und Leben riskieren, um anderen zu helfen, der muss den gesellschaftlichen Wert dieser Organisation anerkennen.

Dazu kommt, dass sich der Geist und der Umgang miteinander in den Wehren auch durch einen Generationswechsel sehr gewandelt haben. Feuerwehrleute sind oft immer noch besondere Menschen mit besonderer Sprache, aber viele Wehren haben sich geöffnet, sie halten sich nicht mehr nur noch für etwas Besonderes. In einer immer individueller werdenden Welt ist in manchen Dörfern, in denen sich  jeder andere Verein aufgelöst hat, die Feuerwehr der letzte gesellschaftliche Pfeiler. Das sollten die Wehren selbstbewusst und ohne Arroganz nach vorne tragen, dann muss sich auch niemand mehr Gedanken über ein in großen Teilen längst überholtes Image machen.

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