Landesfeuerwehrverband in SH : Feuerwehr stoppt umstrittene Gesinnungs-Umfrage

Nach Kritik aus den eigenen Reihen und Einspruch des Innenministers fallen 20 Fragen zur politischen Einstellung weg.

shz.de von
06. Juni 2018, 21:30 Uhr

Kiel | Es ging um politische Einstellungen. Darum, ob Hitler ohne Judenverfolgung heute als großer Staatsmann gelten würde. Oder ob „eine Diktatur unter bestimmten Bedingungen die bessere Staatsform“ sei. Solche Fragen sollten Feuerwehrleute bei einer Online-Umfrage des Landesfeuerwehrverbandes beantworten. Nach massiven Protesten aus den Wehren und Intervention von Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) hat der Verband 20 Fragen aus dem Katalog gestrichen – die Umfrage läuft aber wie geplant bis Ende Juli weiter.

„Ich bedauere die Irritationen“, sagt Landesbrandmeister Frank Homrich. „Wir wollten wissen, was unseren Mitgliedern feuerwehrtechnisch auf den Nägeln brennt.“ Deshalb habe der Verband in einer Arbeitsgruppe Fragen erarbeitet. Die rund 50.000 Feuerwehrleute können in zwei Blöcken beantworten, was ihre Motivation ist, wie sie die Arbeit beurteilen und was sie besser machen wollen. „Aus den Ergebnissen erhoffen wir uns Handlungsempfehlungen für die Arbeit und die zukunftssichere Aufstellung der Freiwilligen Feuerwehren“, so Homrich. Daran ändere die Debatte um die politischen Fragen nichts.

Auch Grote, der die Umfrage bis vor kurzem nicht kannte, stößt sich nur am politischen Teil: „Ich habe großes Verständnis dafür, dass viele die Formulierung der Fragen als Zumutung empfinden. Ich empfinde es genauso.“

Der Feuerwehrverband hat harsche Kritik einstecken müssen, auch aus den einzelnen Kreiswehren. Neumünsters Ehrenbrandmeister Klaus-Peter Jürgens etwa findet den Fragebogen „total daneben“ und politisch „hoch brisant“. Mathias Schütte, Kreisbrandmeister in Rendsburg-Eckernförde, sagt: „Die Fragen waren schon sehr befremdlich.“

Homrich wundert sich darüber, denn die Fragen seien allen Kreiswehrführern bekannt gewesen, es habe einen gemeinsamen Beschluss gegeben. Dass die politischen Fragen sensibel seien, sei zur Sprache gekommen. „Da hätte ich mir eine frühere und offenere interne Kommunikation gewünscht.“

Die Fragen tauchen wohl auch in der über 10.000 Euro teuren Umfrage auf, weil der Verband dafür Zuschüsse aus dem Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ bekommt. Dazu habe der Verband wissen wollen, ob – wie manchmal behauptet – der Anteil der Rechtspopulisten in den Wehren höher ist als im Rest der Bevölkerung. „Wir glauben nicht daran, wir erleben unsere Kameraden als weltoffen und tolerant“, so Homrich.

Es habe nicht nur Kritik gegeben, 1500 Mitglieder hätten alle Fragen beantwortet – manche sich sogar positiv dazu geäußert. Niemand sei gezwungen worden, alles zu beantworten. Homrich: „Alle Kameradinnen und Kameraden, die sich durch den Frageblock 3 beleidigt gefühlt haben sollten, möchte ich als Landesbrandmeister besonders herzlich um Entschuldigung bitten.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen